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Wahngedanke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Klassifikation nach ICD-11
VVDY Wahnvorstellung
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Der Wahngedanke (auch Wahnidee oder Wahnvorstellung, engl.: delusional idea[1]) ist ein psychopathologisches Symptom und gehört zu den inhaltlichen Denkstörungen. Wahngedanken treten also bei psychiatrischen Erkrankungen auf. Es sind die kleinsten, im Inhalt wahnhaft verfälschten Vorstellungen oder Gedanken.

Wahngedanken sind verfestigte, länger bestehende Vorstellungen. Sie gehen aus Wahneinfällen oder Wahnwahrnehmungen hervor und können zu einem Wahnsystem ausgestaltet werden.[2] Sie entstehen, wie jeder Wahn, aus einem pathologisch verfälschten Urteil.[1]

Wie bei anderen wahnhaften Symptomen ist bei voller Ausprägung der Erkrankung die wahnhafte Meinung unkorrigierbar; die Richtigkeit der Meinung ist dem Patienten evident. Der Patient ist mit seinem Wahn befasst; sein Erleben ist davon bestimmt. Er grübelt und sinniert dem Wahn nach.[3]

„Vor mehreren Monaten sind lauter gelbe ausländische Autos in der Stadt herumgefahren, die mich offensichtlich beobachtet haben. Das war kein Zufall. Seitdem weiss ich, dass sie mich dauernd im Visier haben.“

„Schon vor drei Jahren ist mir irgendwie klargeworden, und das weiß ich jetzt ganz genau, dass ich einer viel höheren Intelligenz angehöre und wahrscheinlich von dem Planeten Alpha Centauri abstamme.“[2]

Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) finden sich Wahngedanken unter Nr. 36.[2]

Wahngedanken treten bei psychotischen Störungen (wie bipolare Störungen, schwere Depressionen, Schizophrenie) auf. Die genauere Verursachung und Ätiologie muss aus dem Kontext erarbeitet werden.

Das Symptom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird nicht immer ohne weiteres vom Patienten berichtet. Es ist zu prüfen, ob die Kriterien des Wahns erfüllt sind. Man kann dann z. B. folgende Fragen stellen: „Haben Sie sich in letzter Zeit Gedanken gemacht, dass irgendetwas um Sie herum nicht stimmt?“ „Könnte es auch anders sein?“ „Gibt es dafür auch eine andere Erklärung?“[4]

Illusionen: verfälschte Wahrnehmungen. Es bestehen Wahrnehmungen, die aber inkorrekt sind.

Wahneinfall: Wahnhafte Überzeugung, spontan und ohne Anlass, also auch ohne vorangegangene Wahrnehmung.

Wahnwahrnehmungen: Einer an sich richtigen Wahrnehmung wird eine wahnhafte Bedeutung zugeschrieben.

Zwangsgedanken: Der Patient erkennt diese meist als krankhaft und unsinnig und leidet darunter.

Halluzinationen: sind Sinneswahrnehmungen, keine Gedanken.

Wahndynamik: gibt die Emotionalität an, die im Zusammenhang mit dem Wahngedanken auftritt.

Derealisation: Die Umgebung wird als unwirklich erlebt.

Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der psychotischen Erkrankung. Mit dem Behandlungsfortschritt treten die Wahngedanken wie andere psychotische Symptome zuerst in den Hintergrund und verschwinden dann allmählich. Im Vordergrund steht die psychopharmakologische Behandlung mit Antipsychotika.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 665.
  2. 1 2 3 Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: . Das AMDP-System, 11. Auflage. hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3157-1, S. 73.
  3. Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie: Eine Einführung. 8., unveränderte Auflage. Thieme, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-13-243844-6, S. 214.
  4. Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes: halbstrukturiertes Interview anhand des AMDP-Systems. 6., überarbeitete Auflage. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S. 83.
  5. AWMF Leitlinienregister. Abgerufen am 20. April 2026.