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Kion Group

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KION GROUP AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000KGX8881
Gründung 2006
Sitz Frankfurt am Main,
Deutschland Deutschland
Leitung
  • Richard Smith, (CEO)
  • Christian Harm, CFO
  • Valeria Gargiulo, CPSO
Mitarbeiterzahl 42.719 (2024)[1]
Umsatz 11,5 Mrd. Euro (2024)[1]
Branche Fördertechnik
Website www.kiongroup.com
Stand: 31. Dezember 2024

Die Kion Group AG (Eigenschreibweise: KION GROUP) ist ein börsennotierter deutscher Hersteller von Flurförderzeugen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Seine Hauptprodukte sind Intralogistik, Lagerautomatisierungsgeräte und Flurförderzeuge (Gabelstapler).[2] Die Kion Group wurde 2006 durch die Ausgliederung der Flurförderzeugsparte von Linde gegründet.[3] Gemessen am Umsatz ist sie der weltweit zweitgrößte Hersteller von Gabelstaplern (nach Toyota Industries)[4] und der größte Anbieter in Europa.[5]

Gründung und Anfänge

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2006 gliederte die Linde AG ihre Staplersparte mit Linde Material Handling, Still und OM Carrelli Elevatori (OM) aus und gründete die Kion Group GmbH.[6] Diese wurde im November 2006 für 4 Mrd. Euro an die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und Goldman Sachs verkauft.[7]

Übernahmen und Expansion im Ausland

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Im Jahr 2009 wurde das Joint Venture Kion Baoli (Jiangsu) Forklift Co., Ltd. unter der Führung der Kion Group gegründet, dessen Marke Baoli Gabelstapler produziert und vertreibt.[8] Kion erwarb im Mai 2010 die vollständige Managementkontrolle über Kion Baoli.[9]

In Zusammenarbeit mit dem indischen Unternehmen Voltas gründete Kion 2011 das indische Gemeinschaftsunternehmen Voltas Material Handling, das sich auf den indischen Markt konzentriert.[10] Kion erwarb im November 2012 von Voltas die 34%ige Beteiligung an dem Unternehmen, womit Voltas Material Handling vollständig in den Besitz von Kion überging.[11]

Ende August 2012 vereinbarten Kion und der chinesische Nutzfahrzeughersteller Weichai Power eine Anteilsübernahme von 25 % durch das chinesische Unternehmen, während die übrigen Anteile bei KKR und Goldman Sachs verblieben.[12] Zudem gliederte Kion die Hydrauliksparte aus der Linde Material Handling in die rechtlich eigenständige Gesellschaft Linde Hydraulics aus und verkaufte 70 % dieser Anteile an Weichai Power.[13][14] Ende 2018 hielt Kion noch 10 % der Anteile an Linde Hydraulics.[15]

Im Februar 2013 verkaufte Kion die Produktrechte für Reach Stacker, leere und beladene Containerstapler der Marke Linde, an den finnischen Kranhersteller Konecranes für eine ungenannte Summe.[16]

Börsengang und weitere Expansion

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Am 28. Juni 2013 ging Kion mit bis zu 20 % der Aktien in Streubesitz an die Frankfurter Börse[17] und wurde im September 2014 in den MDAX aufgenommen.[18] Der Streubesitz stieg im Januar 2014 auf rund 30 %[19] und im zweiten Quartal des Jahres auf 40 %.[20] Im weiteren Verlauf zogen sich KKR und Goldman Sachs ganz zurück.[21]

Im September 2014 wurde Voltas Material Handling in Kion India umbenannt und vertreibt seitdem in Indien Gabelstapler mit Elektroantrieb, Verbrennungsmotoren und Lagertechnikprodukte unter den Marken Voltas und Baoli.[22][23] Das belgische Unternehmen Egemin wurde 2015 übernommen, gefolgt von dem US-amerikanischen Unternehmen Retrotech ein Jahr später.[24]

Für insgesamt 1,9 Milliarden Euro übernahm Kion 2016 den Anbieter für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung Dematic,[25] gefolgt von der Verlegung der Konzernzentrale mit rund 200 Mitarbeitern von Wiesbaden in ein neues Entwicklungsgebiet am Frankfurter Flughafen ein Jahr später.[26] 2018 eröffnete Kion den Kion Digital Campus in Frankfurt, wo digitale Projekte entwickelt und umgesetzt werden.[27]

Im Juli 2019 kündigten die Kion Group und BMZ Holdings ein 50/50-Joint-Venture zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien (80 V, 48 V) für die Stapler der Kion Group in der Produktionsstätte von BMZ an.[28] Im November desselben Jahres eröffnete Kion India eine Produktionsstätte für Diesel- und Elektrostapler sowie für batteriebetriebene Gabelhubwagen und Schubmaststapler auf einer Fläche von rund 25 Hektar in Pune, Indien.[29] Das in Großbritannien ansässige Unternehmen Digital Applications International Limited (DAI) wurde im März 2020 für rund 123 Millionen Euro übernommen.[30]

Im Geschäftsjahr 2020 befanden sich 54,7 % der Aktien im Streubesitz, während Weichai 45,2 % und Kion selbst 0,1 % hielten.[31]

Jüngere Entwicklungen

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Kion eröffnete im Juli 2021 ein Flurförderzeugwerk in Kołbaskowo bei Stettin, Polen, wo Gegengewichtsstapler für alle Marken des Segments Kion Industrial Trucks & Services hergestellt werden. Um die Lieferzeiten zu beschleunigen, wurde ein Jahr später die Produktion anderer Produktreihen, die bisher ausschließlich in Xiamen, China, hergestellt wurden, ebenfalls nach Kołbaskowo verlegt.[32]

Im Dezember 2021 wurde in Jinan, China, für die Kion-Gesellschaften Linde Material Handling und Baoli auf einer Fläche von rund 223.000 Quadratmetern ein Gegengewichtsstaplerwerk mit einem Forschungs- und Entwicklungszentrum, Schulungszentrum und Büroflächen eingeweiht.[33]

Das Unternehmen begann im Mai 2023 in Kahl am Main mit dem Bau eines sechsgassigen und skalierbaren Hochregallagers in Silobauweise mit ca. 24.000 Palettenstellplätzen.[34]

Unternehmensstruktur

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Im Geschäftsjahr 2023 hatte die Kion Group AG rund 2.000 Vertriebs- und Servicestandorte in über 100 Ländern,[35] beschäftigte durchschnittlich 42.325 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Konzernumsatz von 11,43 Milliarden Euro. Das Unternehmen betreibt Werke sowie Forschungs- und Entwicklungszentren in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien.[36]

Kion ist mit 25 Tochtergesellschaften in Deutschland und 107 Tochtergesellschaften im Ausland vertreten.[37]

Produkte und Märkte

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Die Kion Group ist ein Anbieter von Flurförderzeugen und Lieferkettendienstleistungen. Ihr Angebot umfasst Flurförderzeuge wie Gabelstapler und Lagertechnikgeräte sowie integrierte Automatisierungstechnologien.[38]

Die Produkte des Unternehmens werden unter sechs Marken vertrieben: Dematic bietet Produkte für den automatisierten Materialfluss für Lieferketten- und Automatisierungsprozesse an;[39] Linde und Still bedienen den Markt für Flurförderzeuge in einer höheren Preiskategorie; Baoli konzentriert sich auf das Economy-Segment;[40] Fenwick ist der größte Anbieter von Flurförderzeugen in Frankreich und OM Voltas bedient den indischen Markt als führender Anbieter von Flurförderzeugen.[41]

Forschung und Entwicklung

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Kion ging im August 2020 eine strategische Partnerschaft mit Quicktron Intelligent Technology Co., Ltd, einem chinesischen Hersteller von autonomen mobilen Robotern, ein, die neben dem weltweiten Vertrieb von Quicktron-Produkten durch Kion die gemeinsame Entwicklung von automatisierten Fahrzeugen vorsieht.[42]

Im Oktober 2021 lizenzierte Kion eine vom Fraunhofer IML in Dortmund entwickelte, mit KI ausgestattete autonome Fahrzeugflotte für die Sortierung und Distribution und arbeitet seitdem an deren Weiterentwicklung mit.[43]

Kion und die Technische Hochschule Aschaffenburg präsentierten im Dezember 2023 die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur Nutzung autonomer Gegengewichtsstapler mit elektrohydraulischer Lenkung.[44]

Seit Anfang 2023 entwickelt und produziert das Unternehmen im Bereich der Wasserstoffantriebe Brennstoffzellensysteme für die eigenen Flurförderzeuge. Im selben Jahr begann Kion mit der Produktion eines 24-Volt-Brennstoffzellensystems für Flurförderzeuge sowie dem Bau einer staatlich geförderten Wasserstofftankstelle mit Elektrolyseur.[45]

Im Rahmen der „Kion 2027 Strategie“ verpflichtete sich das Unternehmen im Juli 2023 zur Science Based Targets Initiative (SBTi) mit dem Ziel, bis spätestens 2050 emissionsfrei zu sein.[46]

Die Tochtergesellschaft Kion Battery Systems in Karlstein am Main stellt Lithium-Ionen-Batterien für die Elektro-Flurförderzeuge der Marken Linde MH, Fenwick, Still und Baoli her und fertigt automatische Lagerbetriebe. Im September 2023 startete Kion gemeinsam mit der Li-Cycle Holding Corp. ein umweltfreundliches Lithium-Ionen-Batterie-Recyclingprogramm in Magdeburg, mit dem bis zu 95 % der wertvollen Mineralien und Materialien der Batterien zurückgewonnen werden sollen. Nach eigenen Angaben will Kion auf diese Weise bis zum Jahr 2030 bis zu 5.000 Tonnen Batteriematerialien recyceln.[47]

Einzelnachweise

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  1. a b Kion Group 2024: Geschäftsbericht. Kion Group AG, abgerufen am 18. April 2025.
  2. Kion überrascht positiv. In: Börsen-Zeitung. 25. Oktober 2019.
  3. Zwei Traditionsbetriebe feiern. In: Schwäbisches Tagblatt. 15. September 2018.
  4. Klaus Max Smolka: Gabelstaplerkonzern plant Großübernahme. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Mai 2015, abgerufen am 6. Juni 2024.
  5. Stefan Asche: Kion Group entwickelt eigene Brennstoffzellen für Flurförderzeuge. In: VDI nachrichten. 12. Januar 2023, abgerufen am 6. Juni 2024.
  6. Stefan Keidel: Finanzinvestoren kaufen Linde-Gabelstaplersparte. In: Die Welt. 7. November 2006, abgerufen am 6. Juni 2024.
  7. Gordon Riske: Die Stapler rollen an die Börse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Juni 2013.
  8. Kion Group übernimmt Macht bei Baoli. In: Verkehrsrundschau. 7. Juni 2010, abgerufen am 6. Juni 2024.
  9. Kion to buy into EP. In: Forklift Action. 18. Januar 2018, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  10. Voltas joins hands with KION to make forklift trucks. In: The Hindu Business Line. 22. März 2011, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  11. Kion übernimmt indische Voltas Material Handling. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 2. November 2012, abgerufen am 6. Juni 2024.
  12. Chinesisches Unternehmen steigt bei Staplerhersteller Kion ein. In: Focus. 19. November 2013, abgerufen am 6. Juni 2024.
  13. China investiert Millionen in Gabelstaplerfirma. In: Die Welt. 31. August 2012, abgerufen am 6. Juni 2024.
  14. Thilo Jörgl: Stapler: Linde baut neues Werk. In: Logistik Heute. 6. September 2012, abgerufen am 6. Juni 2024.
  15. Kion Group: Geschäftsbericht 2018. Kion Group AG, Frankfurt am Main 2018, S. 188.
  16. Robert Weber: Konecranes kauft bei Kion ein. In: MM Logistik. 22. Februar 2013, abgerufen am 6. Juni 2024.
  17. Kion geht am 28. Juni an die Börse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. Juni 2013, abgerufen am 6. Juni 2024.
  18. Kion Group AG begrüßte Aufnahme in den MDAX. In: Handelsblatt. 3. September 2014, abgerufen am 6. Juni 2024.
  19. Julia Becker: PE-Investoren Goldman und KKR setzen Exit bei Kion fort. In: Finance Magazin. 8. Januar 2014, abgerufen am 6. Juni 2024.
  20. Michael C. Kissig: Kissigs Aktien Report: Jungheinrich und KION sind die Stars der „stillen Wachstumsbranche“ Lagerlogistik. In: Intelligent Investieren. 22. Juni 2021, abgerufen am 6. Juni 2024.
  21. Goldman Sachs und KKR steigen bei Kion aus: Chinesen bei Europas größtem Gabelstapler-Konzern nun allein zu Haus. In: Manager Magazin. 30. März 2015, abgerufen am 6. Juni 2024.
  22. Kion will stärker in Indien expandieren. In: Börsen-Zeitung. 29. August 2014.
  23. Voltas Material Handling to use Kion India brand name. In: Business Standard. 4. September 2014, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  24. Kion setzt auf den Google-Stapler. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. März 2016.
  25. Dematic Acquired by Kion Group. In: Supply Chain Management Review. 21. Juni 2016, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  26. Kion-Zentrale künftig in Frankfurt. In: Frankfurter Rundschau. 11. Januar 2019, abgerufen am 6. Juni 2024.
  27. Wolfgang Herrmann: Der Digital Campus treibt Innovationen voran. In: CIO Magazin. 11. April 2019, abgerufen am 6. Juni 2024.
  28. BMZ Holding and Kion Group to launch joint venture for lithium-ion batteries. In: BMZ Group. 11. Juli 2019, abgerufen am 6. Juni 2024.
  29. Kion Group opens plant in India. In: Inside Logistics. 28. November 2019, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  30. Logistics Automation Global Market Report 2022: Featuring WiseTech, Kion Group, Swisslog Holding, Toshiba, Oracle & More. In: Yahoo! Finance. 21. November 2022, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  31. Kion Group: Geschäftsbericht 2020. Kion Group AG, Frankfurt am Main 2020, S. 23.
  32. Kion expandiert in Polen. In: Logistik: Das Schweizer Fachmedium für Logistikprozesse. 8. Juli 2021, abgerufen am 6. Juni 2024.
  33. Kion opens China plant. In: Inside Logistics. 28. Dezember 2021, abgerufen am 6. Juni 2024 (englisch).
  34. Dematic rüstet neues Logistikzentrum von Kion mit moderner Lagertechnik aus. In: Technische Logistik. 23. Mai 2023, abgerufen am 6. Juni 2024.
  35. Kion Group 2023: Geschäftsbericht. Kion Group AG, Frankfurt am Main 2023, S. 65.
  36. Kion Group AG. In: CIO Magazin. Abgerufen am 6. Juni 2024.
  37. Kion Group 2023: Geschäftsbericht. Kion Group AG, Frankfurt am Main 2023, S. 170.
  38. Kion macht 2019 bessere Geschäfte als erwartet. In: Handelsblatt. 17. Januar 2020, abgerufen am 6. Juni 2024.
  39. Kion übernimmt Dematic. In: Beschaffung aktuell. 16. Juli 2016, abgerufen am 6. Juni 2024.
  40. Gabelstaplerhersteller Kion verpasst sich neue Struktur. In: Börsen-Zeitung. 2015-11-27.
  41. Der Logistik-Leader. In: Börsen-Kurier. 2014-11-13.
  42. Strategie: Kion Group arbeitet jetzt mit Quicktron zusammen. In: Logistik Heute. 6. August 2020, abgerufen am 6. Juni 2024.
  43. Inka Krischke: Fraunhofer IML: Fahrzeugschwarm wird industrialisiert. In: Computer & Automation. 4. Oktober 2021, abgerufen am 6. Juni 2024.
  44. Linde und TH Aschaffenburg entwickeln autonome Outdoor-Stapler. In: Verkehrsrundschau. 6. Dezember 2023, abgerufen am 6. Juni 2024.
  45. Therese Meitinger: Wasserstoff: Kion will Brennstoffzellen für Intralogistik fertigen. In: Logistik Heute. 12. Januar 2023, abgerufen am 6. Juni 2024.
  46. Kion Group steigert Profitabilität im ersten Halbjahr 2023. In: Industrieanzeiger. 27. Juli 2023, abgerufen am 6. Juni 2024.
  47. Sandra Lehmann: Kreislaufwirtschaft: Kion startet nachhaltiges Recyclingverfahren für Lithium-Ionen-Batterien. In: Logistik Heute. 27. August 2023, abgerufen am 6. Juni 2024.