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Ute Gause

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Ute Gause (* 22. Juni 1962 in Marl) ist eine deutsche evangelische Theologin und Kirchenhistorikerin.

Nach dem Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Marl studierte Ute Gause an der Universität Münster für das Grundschullehramt mit den Fächern evangelische Theologie, Deutsch und Mathematik. 1990 arbeitete sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte bei Martin Brecht und ab 1992 als Wissenschaftliche Assistentin. Mit ihrer Dissertation zum Thema „Paracelsus. Genese und Entfaltung seiner frühen Theologie“, wurde sie im Jahr 1993 zum Dr. theol. promoviert. Anschließend legte sie das Erste Theologische Examen ab (Evangelische Kirche von Westfalen). Von 1996 bis 2007 war Gause Professorin für Kirchen- und Theologiegeschichte im Fach Evangelische Theologie an der Universität Siegen. Seit 2007 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls für Reformation und Neuere Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Forschungsschwerpunkte

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Ute Gause verfolgt einen kompensatorischen Ansatz in der Kirchengeschichte, um die bislang zwar erforschte, aber in Überblicksdarstellungen kaum integrierte Mitarbeit von Frauen in Kirchen und Gemeinden im Sinne einer ergänzenden Frauengeschichtsforschung sichtbar zu machen. Zentral ist die Perspektive einer durch Genderforschung gestützten Kirchengeschichtsschreibung.

Innerhalb der Kirchen- und Diakoniegeschichtsschreibung evangelischer Provenienz stellte die Kategorie „Geschlecht“ eine Forschungslücke dar, die zu schließen sich Gause zur Aufgabe gemacht hat. Es geht es ihr um die Sichtbarmachung theologisch arbeitender Frauen innerhalb der Kirchengeschichte. Zudem findet die Alltags- bzw. Frömmigkeitsgeschichte Berücksichtigung. Sie plädiert für eine Integration der Diakoniegeschichte in die Kirchengeschichte: Diakonissen als Individuen wie als Gestalterinnen von Care-Arbeit sowie die Prägekraft, die Kranken- und Gemeindeschwestern als Multiplikatorinnen christlichen Glaubens in der Gesellschaft entfalteten.

Neben ihren Publikationen zur Diakoniegeschichte befasste sich Gause mit der Epoche der Reformation und ihrer historiographischen Konstitution[1] sowie mit der Bedeutung theologisch aktiver Frauen wie zum Beispiel Argula von Grumbach und Katharina von Bora. Sie untersuchte die lutherischen Eheideale[2] und die Priesterehe als reformatorisches Bekenntnis zur Sexualität.[3]

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ergab sich für Ute Gause, als sie gebeten wurde, den Fall eines Pfarrers zu untersuchen, der sein Amt mehrfach zum Missbrauch von Frauen ausgenutzt hatte. Seit 2025 ist sie Mitglied der Unabhängigen Regionalen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und der Diakonie im Westen Deutschlands (URAK West).

Mitgliedschaften

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  • Von 1999 bis 2002 Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Historische Frauenforschung/Feministische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum
  • Seit 1999 Mitglied im Netzwerk Diakonische Frauenforschung
  • Seit 2000 Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Fliedner-Kulturstiftung Düsseldorf-Kaiserswerth
  • Seit 2005 Mitherausgeberin der Reihe „Historisch-theologische Genderforschung“ bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig[4]
  • Seit 2010 Mitherausgeberin der Zeitschrift Evangelische Theologie
  • Seit 2020 Vorsitzende des Jury des Hanna-Jursch-Preises der EKD
  • Mitglied im Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW

Schriften in Auswahl

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Als Verfasserin

  • Paracelsus (1493–1541). Genese und Entfaltung seiner frühen Theologie (= Spätmittelalter und Reformation, Neue Reihe, Band 4). Mohr, Tübingen 1993, ISBN 3-16-146090-1.
  • Art. Katharina von Bora. In: Lexikon für Theologie und Kirche, dritte Auflage, Band 2, 2001, Sp. 591–592.
  • Kirchengeschichte und Genderforschung. Eine Einführung in protestantischer Perspektive (= UTB, Band 2806). Mohr Siebeck, Tübingen 2006.
  • Art. Argula von Grumbach geb. von Stauff, 1492 – ca. 1568. In: Volker Leppin, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Das Luther-Lexikon. Bückle & Böhm, Regensburg 2014, S. 72–73.
  • Geschlechterkonstruktionen der Reformation: Wandel, Konstanz, Interpendenzen. In: Eva Labouvie (Hrsg.): Glaube und Geschlecht, Gender Reformationen. Böhlau, Wien 2019, S. 75–86.
  • Töchter Sareptas. Diakonissenleben zwischen Selbstverleugnung und Selbstbehauptung. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2019.
  • „Gott habe ihm gesagt, er solle mich zur Frau machen“. Missbrauch in der Evangelischen Kirche – eine Einzelfallstudie. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2024, ISBN 978-3-579-07230-2.

Als Herausgeberin

  • mit Barbara Heller und Jochen-Christoph Kaiser: Starke fromme Frauen? Eine Zwischenbilanz konfessioneller Frauenforschung heute (= Hofgeismarer Protokolle, Band 320). Hofgeismar 2000.
  • mit Cordula Lissner: Kosmos Diakonissenmutterhaus. Geschichte und Gedächtnis einer protestantischen Frauengemeinschaft (= Historisch-theologische Genderforschung, Band 1). Leipzig, 2. Aufl. 2005.
  • mit Stephanie Scholz: Ehe und Familie im Geist des Luthertums, Die Oeconomia Christiana (1529) des Justus Menius (= Historisch-theologische Genderforschung, Band 6). Leipzig 2012.
  • mit Thomas Söding, Wilhelm Damberg, Isolde Karle: Gottes Wort in der Geschichte, Reformation und Reform in der Kirche. Herder, Freiburg im Breisgau 2015.
  • mit Beate Ego, Ron Margolin und Dalit Rom-Shiloni: Theodicy and Protest, Jewish and Christian Perspectives (Studien zu Kirche und Israel, Band 13). Leipzig 2018.
  • mit Benedikt Bauer: Sündige Sexualität und reformatorische Regulierungen (= Studienreihe Luther, Band 20). Bielefeld 2020.

Einzelnachweise

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  1. Dekonstruktion der Reformation? In: Evangelische Theologie, Jg. 74 (2014), S. 87–95.
  2. „Du sollst ehelich sein“. Ehe und Familie in der Reformation. In: Carolin Küppers, Eva Harasta (Hrsg.): Familie von morgen, Neue Werte für die Familie(npolitik). Verlag Barbara Budrich, Opladen 2019, S. 35–46.
  3. Durchsetzung neuer Männlichkeit? Ehe und Reformation. In: Evangelische Theologie, Jg. 73 (2013), S. 326–338.
  4. https://www.eva-leipzig.de/reihen.php?id=14