Nach der russischen Revolution 1917 emigrierten viele zarentreue Kosaken und verteilten sich über Europa und die USA. (→Entkosakisierung) Zur Pflege ihrer Kultur, insbesondere der Lieder und Tänze, gründete Andrei Iwanowitsch Scholuch 1924 in Paris den „Ural Kosaken Chor“, der bald zu dem wichtigsten Vertreter dieses Musikgenres wurde.
Nach Kriegsausbruch stellte der Chor 1940 seine Tätigkeit ein, die Mitglieder wurden in alle Winde verstreut. In der Zeit von 1951 bis 1955 leitete Andrej Scholuch dann den Schwarzmeer Kosaken-Chor, mit dem er vorwiegend Kirchenkonzerte gab. Scholuch gründete aus einigen Mitgliedern des Schwarzmeer Kosaken-Chores und neuen Sängern den neu aufgestellten „Ural Kosaken Chor“. Berühmtestes Mitglied war Ivan Rebroff. Aufgrund von Scholuchs Alter und Überalterung der meisten Mitwirkenden führte der Chor 1972 seine letzte Tournee durch.
Michail Minsky, ehemaliger Solist des Don Kosaken Chores Serge Jaroff, versammelte im Jahr 1984 die jüngsten Mitglieder des alten Chores sowie einige neue Sänger um sich und belebte das „Ural Kosaken Ensemble“ wieder. Vier Jahre nach seinem Tod stellte das Ensemble wiederum seine Tätigkeit ein und wurde schließlich mit Hilfe von Wanja Scholuch, dem Sohn des Gründers, wieder aufgestellt. Für ein spezielles Tourneeprogramm von 2006 bis 2007 übernahm Alexander Skovitan, der Sohn der Sängerin Alexandra, vorübergehend die musikalische Leitung des Chores und wirkte als dessen Dirigent. Dann, nachdem Skovitan aus privaten Gründen den Chor verlassen musste, wurde die Leitung an Vladimir Kozlovskyy aus der Ukraine übertragen.[1]
Der „Ural Kosaken Chor“ gibt bis heute Gastspiele in ganz Europa. Zurzeit befindet er sich unter dem Motto „Erinnerungen an Ivan Rebroff“ anlässlich seines 10. Todestages auf Tournee. Gemeinsam mit der Sängerin Dorothee Lotsch[2] wird aber auch das Programm „Lieder der russischen Seele – Erinnerungen an Alexandra“ aufgeführt.
Pim den Boer, Heinz Duchhardt, Georg Kreis, Wolfgang Schmale (Hrsg.): Europäische Erinnerungsorte 2: Das Haus Europa. Oldenbourg Verlag, München 2012, ISBN 978-3-486-70421-1, S. 599.