Unterleib
Unterleib (von Leib: in älterer Bedeutung der Unterleib mit seinen Organen[1]) ist eine heute noch volkstümlich verwendete Bezeichnung für die Eingeweide des Beckens. Der Begriff wird in der Alltagssprache verwendet als unspezifische Sammelbezeichnung für innere Organe der Bauchhöhle, die Harnblase und bei Frauen die Gebärmutter, teilweise auch zur Umschreibung der Geschlechtsorgane.
Früher gab es auch in der Medizin noch den Sammelbegriff Unterleibserkrankung (oder Unterleibsaffektion[2]) für unterschiedliche Krankheitsbilder, die Darm, Blase oder die weiblichen Fortpflanzungsorgane betrafen.[3] Der Begriff wurde häufig als Euphemismus verwendet, um gesundheitliche Probleme nicht konkret benennen zu müssen.
Im Volksmund ist Unterleib vor allem ein Synonym für die Gebärmutter und entsprechend Unterleibsbeschwerden eine Umschreibung für sogenannte Frauenkrankheiten.
Unterleib kann umgangssprachlich auch die Bezeichnung für den gesamten Unterkörper samt Beinen sein. Als Attraktion auf Jahrmärkten gab es früher oft eine „Frau ohne Unterleib“[4], wobei mithilfe von Spiegeln eine optische Täuschung erzielt wurde, sodass es so aussah, als habe eine Frau keine Beine und sitze direkt mit der Hüfte auf einem Tisch.[5] Als eine der wenigen Schaustellerinnen, die tatsächlich keine Beine hatten, wurde Antonia Matt bekannt.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 415 (leib).
- ↑ Vgl. etwa Rudolf Virchow: Historisches, Kritisches und Positives zur Lehre der Unterleibsaffektionen. In: Archiv für praktische Anatomie. Band 5, 1853, S. 362 ff.
- ↑ Meyers Konversationslexikon, Artikel Unterleibskrankheiten, ca. 1890
- ↑ s. Bölls Erzählung So ein Rummel
- ↑ Gunhild Buse, „... als hätte ich ein Schatzkästlein verloren“, Berlin 2003, S. 170