Yunmen

Yúnmén Wényǎn (chinesisch 雲門文偃 / 云门文偃, jap. Ummon Bun’en; * 864; † 949) ist ein Meister des Chan, der am Ende der Tang-Dynastie lebte. Er gilt als Gründer der Wolken-Tor Schule, die eine der „Fünf Schulen“ im alten China ist, auf die sich alle heute noch existierenden Zen-Traditionen begründen.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft und Jugend
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Yúnmén wurde im Jahr 864 in Jiaxing in die in einfachen Verhältnissen lebende Familie Zhang geboren. Die Stadt liegt an der Küste zwischen Shanghai und Hangzhou. Dort ging er in das Kongwang-Kloster zur Schule, wo er die Mönchsweihe und den Namen Wenyan erhielt.[1]
Wanderjahre als Mönch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fünf Jahre später suchte er den zwischenzeitlich im Laienstand lebenden Zen-Meister Muzhou Daoming/Daozong (780–877) auf. Er wurde nach seinem Wohnort genannt: Meister Muzhou, in anderen Quellen auch Bokuju[2] oder Ch'en Tsun-su,„einem exzentrischen Jünger des Huang-Po“.[3] Der wollte ihn zunächst nicht empfangen, ließ ihn nach mehrfachen Versuchen aber ein und fragte: „Wozu kommst du denn immer wieder?“ „Ich bin mir über mich selbst nicht im Klaren“ erwiderte Yúnmén. „Absolut unnützes Zeug!“ rief der Meister und stieß ihn von sich. Einige Quellen sagen, er habe ihm dabei sogar das Bein gebrochen. In diesem Augenblick wurde Yúnmén erleuchtet und als Schüler akzeptiert. Fünf Jahre später, 894 begab er sich im Alter von 30 Jahren für 17 Jahre auf Pilgerschaft zu anderen Meistern, darunter Xuefeng-Yicun (822–908)[4], der das Schneekoppen-Kloster (Xuefeng-Chongsheng)in der Region Fujian leitete. Nach längerer Zeit dort begab er sich erneut auf Pilgerschaft, unter anderem nach Caoqui, wo sich zuvor auch Huineng – der Sechste Patriarch des chinesischen Zen – aufgehalten hatte. 911 nahm ihn Meister Rumin (Lingshu Zhiqin)[5] mit 47 Jahren in das von ihm geleitete Kloster als Vorsteher auf.[6]
Abt des Wolkentor-Klosters
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dessen Tod wurde er 918 Abt des Klosters. 923 gab ihm der Kaiser den Auftrag, in einem unweit entfernten Hochtal in der Nähe der Stadt Shaoguan das Wolkentor-Kloster zu errichten, das 928 eingeweiht wurde und noch heute existiert.[7] Jetzt änderte er seinen Namen in den des Klosters.[8] Er leitete es bis zu seinem Tod, der am 10. Mai 949 nachts zwischen 11:00 Uhr und 1:00 Uhr eintrat.[9]
Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Yúnmén »strahlte jenes „Licht“ aus«, von dem er sagt, dass „jeder Mensch es in sich hat, wenn aber einer es zu sehen sucht, ist alles Finsternis“.[10] Seine Schule gehört zu den fünf Richtungen, die in der Tang-Dynastie begründet wurden: Guiyang, Linji, Caodong, Fayan und Yúnmén.[11] Sie entwickelte sich in der Song-Dynastie weiter und ging 300 Jahre später (etwa 1100) in der Linji-Schule auf.[12]
Yunmen antwortete auf die Fragen seiner Schüler oft nur mit kurzen Kommentaren, die als »Yunmens-Ein-Wort-Schranken« bekannt wurden.[13] Auf die Frage:„Was ist Zen?“ Antwortete er:„Das hier!“ Die weitere Frage: „Was ist der Weg?“ beantwortete er mit dem Wort: „Erfassen“.[14]
Er gilt als Urheber vieler bekannter Zen-Zitate und Koans, wie des bekannten Spruchs „Jeder Tag ist ein guter Tag!“. Bekannt wurde z. B. auch die Geschichte, in der ein Mönch fragte: „Was ist Buddha-Natur?“ Yunmen antwortete sinngemäß: „ein getrockneter Stab mit Scheiße“ (jap. „Kanshiketsu!“; Bezeichnung für Holzspachtel zur Reinigung des Afters nach dem Stuhlgang in Ostasien bis zur Einführung des Toilettenpapiers). Yunmen sah hier die Anhaftung des Mönchs an einem überhöhten und kategorisch reinen Begriff von Buddha. Das Nirvana-Sutra lehrt aber, dass die letzte Wirklichkeit in allen Dingen ist.
Diese Destruktion des Begriffs Buddha als heiliges Objekt findet sich auch in dieser überlieferten Geschichte des Zen-Meisters:
„Unmittelbar nach seiner Geburt wies der Buddha mit der einen Hand gen Himmel und mit der anderen zur Erde, ging sieben Schritte in einem Kreis, blickte in alle vier Himmelsrichtungen und sagte: ‚Im Himmel und auf Erden bin ich der einzig Verehrte.‘ Meister Yunmen sagte: ‚Hätte ich das damals miterlebt, so hätte ich ihn mit einem Stockhieb niedergestreckt und ihn den Hunden zum Fraß vorgeworfen – ein hehres Unterfangen für den Frieden auf Erden.‘“
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Yunmen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Urs App: Zen-Worte vom Wolkentor-Berg. Darlegungen und Gespräche des Zen-Meisters Yunmen Wenyan (864–949). Otto Wilhelm Barth Verlag, Bern, München, Wien 1994, ISBN 3-502-64640-6, S. 24–30 (Biografische Skizze).
- ↑ Muzhou Daozong. ZENline by terebess, abgerufen am 6. September 2026 (englisch).
- ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 239.
- ↑ Xuefeng Yicun. ZENline by terebess, abgerufen am 6. September 2026 (englisch).
- ↑ Lingyun Zhiqin. ZENline by terebess, abgerufen am 6. September 2026 (englisch).
- ↑ Urs App: Zen-Worte vom Wolkentor-Berg. Darlegungen und Gespräche des Zen-Meisters Yunmen Wenyan (864–949). Otto Wilhelm Barth Verlag, Bern, München, Wien 1994, ISBN 3-502-64640-6, S. 30–34 (Biografische Skizze).
- ↑ Yunmen Temple. Canton Buddhism, abgerufen am 6. September 2026.
- ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 239.
- ↑ Urs App: Zen-Worte vom Wolkentor-Berg. Darlegungen und Gespräche des Zen-Meisters Yunmen Wenyan (864–949). Otto Wilhelm Barth Verlag, Bern, München, Wien 1994, ISBN 3-502-64640-6, S. 38 (Biografische Skizze).
- ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 241, 242.
- ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 220.
- ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 226 ff.
- ↑ Huang Wenchang (Layman Jingzhi): The Letters of Chan Master Dahui Pujue. Chisokudo.org, S. 13, FN 18, abgerufen am 6. September 2026 (englisch).
- ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 239, 240.
- ↑ Urs App: Zen-Worte vom Wolkentor-Berg. Darlegungen und Gespräche des Zen-Meisters Yunmen Wenyan (864–949). Otto Wilhelm Barth Verlag, Bern, München, Wien 1994, ISBN 3-502-64640-6, S. 208.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Yunmen |
| ALTERNATIVNAMEN | Ummon |
| KURZBESCHREIBUNG | Meister des Chan, Urheber vieler Zen-Zitate |
| GEBURTSDATUM | 864 |
| STERBEDATUM | 949 |