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Ulrich Liebe

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Ulrich Liebe (* 1952 in Hannover) ist ein deutscher Kulturhistoriker mit dem Forschungsschwerpunkt der Film- und Theatergeschichte.

Ulrich Liebe wurde 1952 in Hannover geboren und ging in Springe und Bad Münder zur Schule. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger arbeitete er zunächst selbständig als Oldtimerrestaurator. Seinen Zivildienst leistete er 1978 bis 1980 im Krankenhaus Nordstadt ab. Von 1982 bis 1986 studierte er Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Altenarbeit an der Evangelischen Fachhochschule Hannover, bevor er sich als Quereinsteiger dem Bereich Schauspielerbiographien zuwandte.

Film- und Theatergeschichte

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1988 organisierte Ulrich Liebe eine dreitägige Veranstaltung zum 100. Geburtstags des Kritikers und Schriftstellers Herbert Ihering in dessen Geburtsort Springe am Deister. Im selben Jahr begann er eine vierjährige intensive Recherche zum Buch Verehrt, verfolgt, vergessen: Schauspieler als Naziopfer, welches in der Folge fünf Auflagen erlebte und den Sachbuchpreis der Süddeutschen Zeitung erhielt.[1] Dazu entdeckte er zuvor unbekannte Nachlässe und Archivdokumente in fünf Ländern, befragte Hinterbliebene und Nachgeborene.[2] Mit den daraus entstandenen sieben ausführlichen Lebensläufen und weiteren 40 Kurzbiographien lag erstmals der Versuch einer Gesamtdarstellung der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten oder in den Tod getriebenen Bühnenkünstler vor, wohingegen sich bisherige Ausstellungen, Retrospektiven und Bücher meist mit dem Schicksal der Emigranten beschäftigten.[3]

Mit der Herbert-Ihering-Gesellschaft, deren Gründer und Geschäftsführer Liebe ist[4], organisierte er zwei auf dem Buch basierende Wanderausstellungen. Ab 1993 tourte er mit zwölf Stellwänden durch 14 bundesdeutsche Landeshauptstädte, 55 weitere deutsche Städte sowie Wien, Graz und Linz und erreichte weit über eine Million Menschen (Stand 2005).[5][6] Ausstellungsorte waren meist die Theaterfoyers der Staats- und Stadttheater, Filmmuseen und -archive. Eine große Version der Ausstellung mit zusätzlichen Exponaten entstand 1996 in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Potsdam. Dabei bedauerte Bärbel Dalichow, Direktorin des Museums: „Wir müssen hauptsächlich Flachware anbieten: Fotos, Filmplakate, Programmhefte und Schellackplatten, einzige Existenz-Beweise längst vergessener Schicksale.“[6][7]

Im Jahr 2003 gelang Liebe die Rettung der originalen Fragebögen der Filmschaffenden für Glenzdorfs internationales Film-Lexikon (1961) aus dem Nachlass des verstorbenen Autors Wilhelm Rost aka Johann Caspar Glenzdorf. Hanns-Georg Rodek berichtete im Juli 2026 im Filmdienst, dass ein Erwerb dieses Nachlasses durch deutsche Filminstitutionen trotz zahlreicher Bemühungen Liebes bisher aussteht.[8]

2004 brachte Liebe mit Von Adorf bis Ziemann eine Bibliographie der Schauspieler-Biographien des 20. Jahrhunderts heraus. Erfasst wurden alle Biographien mit einem Umfang von mindestens 50 Seiten, die regulär im deutschsprachigen Buchhandel erschienen waren. Das Vorwort verfasste Henning Rischbieter.

Das Lübecker Burgkloster zeigte 2006 die von Liebe konzipierte Ausstellung „Ich war nie ein Star“ Günther Lüders – Schauspieler – Regisseur – Rezitator, welche in den Folgejahren unter anderem auch im Filmmuseum Potsdam[9] und im Theatermuseum Düsseldorf[10] stattfand. Das gleichnamige Buch erschien im Verlag Schmidt-Römhild.

Ulrich Liebe arbeitete an einigen Dokumentationen über verfolgte Schauspieler in Berater-Funktion mit, so zum Beispiel an den Filmen Der Profi: Kurt Gerrons Weg von der Traumfabrik bis Theresienstadt (1989) von Marion Schmidt und Unerwünschtes Kino (2005) von Petrus van der Let. Das eigene Projekt einer 30-teiligen Serie von Kurz-Dokumentationen Schauspieler aus Niedersachsen erhielt 2007 von Nordmedia Entwicklungsförderung, wurde jedoch nie realisiert.[11]

  • Verehrt verfolgt vergessen. Schauspieler als Naziopfer, Beltz Quadriga Verlag, Weinheim, Berlin 1992, ISBN 978-3886791972
  • Vorwort. In: Krützen, Michaela: Hans Albers. Eine deutsche Karriere, Beltz Quadriga Verlag, Weinheim, Berlin 1995, ISBN 978-3886792528
  • Otto, Hans, In: Neue Deutsche Biographie. Band 19. Nauwach – Pagel. Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8
  • Dorsay, Ehrlich, Gottschalk, Morgan, Wallburg. In: filmarchiv, Mitteilungen des Filmarchiv Austria. Ausgabe 03/03, S. 32 ff., Wien 2003
  • Von Adorf bis Ziemann: Die Bibliographie der Schauspieler-Biographien 1900–2000, Verlag Kultur & Kritik, 2004, ISBN 978-3980968300
  • Verehrt, verfolgt, vergessen: Schauspieler als Naziopfer, Beltz Verlag, 2005 (Neuausgabe Taschenbuch mit Audio-CD), ISBN 978-3407221681
  • „Ich war nie ein Star“. Günther Lüders – Schauspieler – Regisseur – Rezitator, Schmidt-Römhild, Lübeck 2006, ISBN 978-3795070311

Einzelnachweise

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  1. ↑ Kristina Maidt-Zinke: Von der Bühne in den Tod. In: Bremer Nachrichten. 5. November 1994, S. 8.
  2. ↑ Claudia Schülke: Fluchtpunkt Auschwitz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. März 1994.
  3. ↑ Anke Sterneborg: Zu Lebzeiten aus dem Gedächtnis getilgt. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 197, 27. August 1996, S. 12.
  4. ↑ filmportal.de - Service. Abgerufen am 1. November 2026.
  5. ↑ Heidi Jäger: Kultur: Dem Vergessen entrissen. In: Der Tagesspiegel. 4. März 2005, abgerufen am 1. November 2026.
  6. 1 2 Verehrt, verfolgt, vergessen – Schauspieler als Naziopfer. In: Filmmuseum Potsdam. 2005, abgerufen am 1. November 2026.
  7. ↑ Peter Zander: Das Fehlen der Exponate spricht Bände. In: Berliner Zeitung. Nr. 197, 23. August 1996, S. 25.
  8. ↑ Hanns-Georg Rodek: Kein Happy End für den „Glenzdorf“. In: Filmdienst. 17. Juli 2026, abgerufen am 5. November 2026.
  9. ↑ An der Seite von ... Günther Lüders in einer Filmmuseum-Ausstellung. In: Der Tagesspiegel Online. 19. April 2008, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de).
  10. ↑ Landeshauptstadt Düsseldorf: Günther Lüders: Ich war nie ein Star. Abgerufen am 1. November 2026.
  11. ↑ nordmedia unterstützt 34 Projekte mit 1,997 Mio. Euro. In: nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH. lifePF, 18. Juli 2007, abgerufen am 5. November 2026.