Ukami
Ukami ist eine historische Landschaft im küstennahen Hinterland von Ostafrika, die heute Teil von Tansania ist. Das Gebiet war der Siedlungsraum der Wakami und zählt zu den ersten ostafrikanischen Gebieten, die durch Deutschland kolonisiert wurden.
Geografie und Geologie
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Ukami lag etwa 90 Kilometer von der Küste entfernt und erstreckte sich in West-Ost-Richtung von den Nordwesthängen des Uluguru-Gebirges bis zum Unterlauf des Kingani.[1] Das Gebiet umfasste eine Fläche von etwa 4600 Quadratkilometern.[2] Die Landschaft wird im Norden und Nordwesten durch den Fluss Ngerengere (auch Gerengere) begrenzt, im Südosten durch den Mgeta und im Süden durch die Hochlagen des Uluguru-Gebirges.[2][3.1] Das Gelände ist stark durch Gebirgsformationen geprägt, zu denen neben dem Uluguru auch die Gebirge Kigambwe und Kihindo gehören. Die Gipfel können Höhen von bis zu 2500 Metern erreichen. Das Gebiet wird von den Quellflüssen des Ngerengere, Ruvu und Mgeta durchströmt.[1]
Geologisch besteht die Westhälfte von Ukami überwiegend aus Gneisformationen, während die Osthälfte, etwa ab dem Ort Ngerengere, aus Sandsteinen, Kalken und Tonen der Jurazeit aufgebaut ist.[4] Das Klima galt unter Europäern im Vergleich zur Küste (Mrima) und Usagara als gesünder und angenehm mit kühlen Nächten.[1][5]
Fauna und Flora
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Vegetation Ukamis ist in Zeitzeugnissen als üppig und vielfältig beschreiben: von Hochwald und dichtem Urwald in den Talgründen bis zu Buschland und alluvialen Grassteppen am Ruvu.[2] In den Bergen fanden Reisende Blumenwiesen, klare Bäche und bewaldete Abhänge.[3.2] Die Tierwelt wurde durch das Vorkommen von Tsetsefliegen geprägt, was die Tierhaltung erschwerte.[1] Zu den verbreiteten Nutzpflanzen gehörten neben Getreide (Mais, Sorghum, Hirse) auch Bananen, Zuckerrohr, Bohnen, Maniok, Bataten und in wasserreichen Gebieten Reis.[2] Quellen aus der Zeit um 1900 berichten zudem von Mango- und Melonenbäumen sowie Kokospalmen und Vanille.[5]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die politische Struktur von Ukami veränderte sich ungefähr in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als das Oberhaupt Kisabengo vom benachbarten Volksgruppe der Waseguha (auch Zigula) das Land nach harten Kämpfen und mit Unterstützung des Sultans von Sansibar unterwarf. Nach historischen Berichten gründete er seine Residenz in Morogoro (heute Morogoro) und befestigte sie mit einer vier Meter hohen Steinmauer. Nach seinem Tod um das Jahr 1867 übernahm seine Tochter Simbamweni (die Löwen-Fürstin) die Herrschaft, nach der auch einer der Hauptorte benannt wurde.[3.3]
Am 14. Dezember 1884 schlossen Carl Peters und Karl Ludwig Jühlke für die Gesellschaft für deutsche Kolonisation (die spätere DOAG) Verträge mit lokalen Dorfvorstehern im Südosten Ukamis ab. Daraufhin wurde das ganze Gebiet am 27. Februar 1885 unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt.[6.1][7] Es waren ungleiche Verträge, ohne Rücksicht auf das afrikanische Rechtsverständnis und die Machtverhältnisse in Ostafrika.[6.2][8][9] Vagen Schutzversprechen und minderwertigen Geschenken an örtliche Unterzeichner stand die weitreichende Abtretung von Landrechten gegenüber, die diese jedoch meist gar nicht besaßen.[10] Der arabisch-sansibarische Machthaber Bwana Heri von Saadani betrachtete Ukami als Teil seines Einflussbereichs und suchte örtliche Unterstützer.[6.3] Im Aufstand der ostafrikanische Küstenbevölkerung stellte er sich gegen die DOAG, wurde aber besiegt. Im Anschluss machten die Deutschen Ukami zum Bestandteil des Bezirks Morogoro in der nunmehr unter direkter Reichsverwaltung stehenden Kolonie Deutsch-Ostafrika.[5]
Bevölkerung
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Die Bewohner der Landschaft wurden Wakami genannt und den Bantu zugerechnet.[1] Die Anzahl wurde 1913 auf etwa 26.000 Personen geschätzt.[2] Sie lebten traditionell in meist kleinen, durch befestigte Tore geschützten Dörfern aus Rundhütten.[3.4] Die Bevölkerung konzentriert sich besonders dicht um den Hauptort Morogoro.[2] In zeitgenössischen Artikeln werden die Wakami als friedfertige Ackerbauern beschrieben.[3.4][1] Die Hauptorte waren Kinole, Simbamweni und Morogoro.[1] Nahe Morogoro wurde zudem eine französische Missionsstation gegründet.[3.3]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die wirtschaftliche Basis bildete der Ackerbau auf den fruchtbaren Gebirgshängen und in den Tälern. Da die Rinderzucht aufgrund der Tsetsefliege scheiterte, beschränkte sich die Viehhaltung weitgehend auf Ziegen.[2] Neben den Grundnahrungsmitteln Mais und Reis wurden auch Exportgüter wie Kaffee und Kakao angebaut.[5] Historisch wurde die Entwicklung der Region durch Sklavenjagden und den Durchzug großer Karawanen beeinträchtigt.[3.5] Eine bedeutende wirtschaftliche Veränderung brachte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Bau der Zentralbahn von Daressalam ins Innere des Landes, die Ukami in seiner gesamten Länge durchquerte.[5][2]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 Autorenkollektiv: Brockhaus Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 16: Turkestan–Zz, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien 1903, S. 45 (Digitalisat der Bauhaus-Universität Weimar und online auf retrobibliothek.de).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Carl Uhlig: Ukami. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 2: H – O, Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 569 f.
- Brix Förster: Deutsch-Ostafrika: Geographie und Geschichte der Colonie. Brockhaus, Leipzig 1890 (Digitalisat der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen und online auf gutenberg.org).
- ↑ Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach: Die Geologie der deutschen Schutzgebiete in Afrika. R. Oldenbourg, München und Leipzig 1896, S. 24 f., 33 f.
- 1 2 3 4 5 Ukami. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 19: Sternberg–Vector. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S. 876 (Digitalisat. zeno.org).
- Jutta Bückendorf: „Schwarz-weiß-rot über Ostafrika!“: Deutsche Kolonialpläne und afrikanische Realität. LIT, Münster 1997, ISBN 3-8258-2755-0.
- ↑ Hans-Ulrich Wehler: Bismarck und der Imperialismus. 4. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1976, ISBN 3-423-04187-0, S. 341.
- ↑ Winfried Speitkamp: Deutsche Kolonialgeschichte. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-15-017047-2, S. 29 f.
- ↑ Bartholomäus Grill: Wir Herrenmenschen. Unser rassistisches Erbe: Eine Reise in die deutsche Kolonialgeschichte. 2. Auflage. Siedler, München 2019, ISBN 978-3-8275-0110-3, S. 34.
- ↑ Gisela Graichen, Horst Gründer: Deutsche Kolonien. Traum und Trauma. 4. Auflage. Ullstein, Berlin 2005, ISBN 978-3-550-07637-4, S. 283.