Ubierhaus
| Ubierhaus | ||
|---|---|---|
Eckansicht des Ubierhauses am Agrippinaufer und Ubierring (2026) | ||
| Daten | ||
| Ort | Köln-Neustadt-Süd | |
| Anschrift | Agrippinaufer 2–8, Trajanstraße 16–18 | |
| Architekt | Leopold Schweitzer, Jacob Koerfer | |
| Bauherr | Leopold Schweitzer, Jacob Koerfer | |
| Bauzeit | 1914–1915 | |
| Koordinaten | 50° 55′ 17,4″ N, 6° 58′ 2,4″ O | |
Ubierhaus ist die Bezeichnung für ein denkmalgeschütztes Wohngebäudeensemble im Kölner Stadtteil Neustadt-Süd. Es umfasst die Häuser Agrippinaufer 2, 4, 6 und 8 sowie Trajanstraße 16 und 18. Die Anlage entstand nach einer Darstellung des Architekturhistorikers Klemens Klemmer in den Jahren 1914 und 1915 nach Plänen von Leopold Schweitzer und Jacob Koerfer, die zugleich als Bauherren auftraten.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das als Ubierhaus bezeichnete Bauensemble wurde als zusammenhängender Gebäudekomplex mit drei Flügeln am Agrippinaufer, am Ubierring und an der Trajanstraße geplant. Klemmer bezeichnet die Anlage in seiner Monografie über Koerfer als „Ubierhaus“. Nach seiner Darstellung begann der Bau 1914 und wurde im Herbst 1915 abgeschlossen. Die Wohnanlage enthielt ursprünglich großzügige Mietwohnungen, die Klemmer als Luxuswohnungen beschreibt.[1]
Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Kriegsschadenskarte der Stadt Köln aus dem Jahr 1947 zeigt für die Häuser Agrippinaufer 2 und 4 leichte, für die Häuser Trajanstraße 16 und 18 mittlere sowie für die Häuser Agrippinaufer 6 und 8 schwere Kriegsschäden. Aus der kartografischen Einstufung lassen sich weder der genaue Umfang der Beschädigungen einzelner Bauteile noch Art und Zeitpunkt späterer Wiederherstellungsarbeiten ableiten.[2]
An die während der nationalsozialistischen Zeit verfolgten früheren Bewohner des Gebäudeensembles erinnern drei Stolpersteine. Vor dem Haus Agrippinaufer 2 befinden sich Stolpersteine für Adolf Jonas und Henriette Jonas, vor dem Haus Trajanstraße 18 ein weiterer für Otto Jonas.
Architektur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Ubierhaus besteht aus drei Gebäudeflügeln am Agrippinaufer, am Ubierring und in der Trajanstraße. Der Architekturhistoriker Dr. Klemens Klemmer beschreibt für die Fassaden 16 Fensterachsen am Agrippinaufer, neun in der Trajanstraße und fünf am Ubierring.
Die Fassaden des Gebäudeensembles sind in Werkstein ausgeführt und weisen eine einheitliche architektonische Gestaltung auf. Für das Haus Agrippinaufer 8 ist die Verwendung von Tuffstein dokumentiert. Die Fassadengestaltung ist durch regelmäßig angeordnete Fensterachsen und neoklassizistische Gestaltungselemente geprägt.
Agrippinaufer 6
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Haus Agrippinaufer 6 ist in der Denkmalliste als Wohn- und Geschäftshaus verzeichnet. Nach der amtlichen Denkmalbeschreibung besitzt es vier Geschosse, ein verputztes Attikageschoss und ein Satteldach. Die dreiachsige neoklassizistische Werksteinfassade wird durch eine Kolossalordnung gegliedert. Fenster, Haustür und Balkongitter sind laut Denkmalbeschreibung erneuert worden.[3]
Im Inneren nennt die Denkmalbeschreibung ein Vestibül mit Marmortreppen und Stuck, das Treppenhaus, historische Türgewände sowie teilweise erhaltene Türen und Stuckdecken.[3]
Lage und städtebaulicher Zusammenhang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Ubierhaus befindet sich am linksrheinischen Agrippinaufer im Kölner Stadtteil Neustadt-Süd, unmittelbar am südlichen Anfang der Kölner Ringe. Der Ubierring bildet deren ersten Abschnitt und verbindet das Rheinufer mit dem Chlodwigplatz.
Das Gebäudeensemble erstreckt sich entlang des Agrippinaufers, des Ubierrings und der Trajanstraße. Die langgestreckte Straßenfassade am Agrippinaufer ist dem Rhein und dem Rheinauhafen zugewandt. Die drei Gebäudeflügel bilden einen zusammenhängenden städtebaulichen Komplex.
In der näheren Umgebung befinden sich der mittelalterliche Bayenturm sowie der Römerpark und der Friedenspark. Bei der Rückeroberung des Bayenturms durch die Kölner Bürgerschaft im Jahr 1262 soll der Überlieferung nach erstmals der Ruf „Kölle Alaaf“ erklungen sein. Heute beherbergt der Turm den FrauenMediaTurm. Zum weiteren Umfeld zählt der Campus Südstadt der Technischen Hochschule Köln. Der nahe gelegene Chlodwigplatz ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Kölner Süden.[4]
Namensgebung des Agrippinaufers
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Agrippinaufer ist nach Iulia Agrippina, bekannt als Agrippina die Jüngere, benannt. Sie wurde im römischen Oppidum Ubiorum geboren und war die Mutter des späteren Kaisers Nero. Auf ihre Veranlassung erhob Kaiser Claudius den Ort im Jahr 50 n. Chr. zur römischen Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium.[5] Der angrenzende Ubierring erinnert an die Ubier.
Denkmalschutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gebäude des Ensembles sind in vier Einträgen der Denkmalliste der Stadt Köln erfasst:[6]
| Adresse | Denkmalnummer | Eintragung | Datierung laut Denkmalportal |
|---|---|---|---|
| Agrippinaufer 2–4 / Trajanstraße 18 | DE_05315000_A_2919 | 11. April 1985 | um 1914–1915 |
| Agrippinaufer 6 | DE_05315000_A_5246 | 1. September 1989 | 1914–1915 |
| Agrippinaufer 8 | DE_05315000_A_2921 | 11. April 1985 | um 1914–1915 |
| Trajanstraße 16 | DE_05315000_A_2977 | 7. Juni 1985 | 1917 |
Die Datierung des Hauses Trajanstraße 16 auf 1917 im Denkmalportal weicht von Klemmers Angabe zur Fertigstellung der Gesamtanlage im Herbst 1915 ab. Die unterschiedlichen Datierungen lassen sich anhand der hier verwendeten Quellen nicht abschließend erklären.[1][6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Klemens Klemmer: Jakob Koerfer (1875–1930). Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne. scaneg-Verlag, München 1987, ISBN 3-89235-013-2, S. 60–62.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Klemens Klemmer: Jacob Koerfer (1875–1930). Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne. scaneg-Verlag, München 1987, ISBN 3-89235-013-2, S. 60–62, insbesondere Abb. 14 auf S. 61.
- ↑ Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv der Stadt Köln: Kriegsschadenskarte von 1947, Best. 7102 P 1133-57.
- 1 2 Stadt Köln: Denkmalbeschreibung Agrippinaufer 6, Denkmalnummer 5246, Eintragung vom 1. September 1989; abrufbar über die Denkmalkarte der Stadt Köln.
- ↑ Ein Rundgang mit Tiefgang. In: stadt-koeln.de. Stadt Köln, abgerufen am 21. Oktober 2026.
- ↑ LVR: Agrippina die Jüngere.
- 1 2 Stadt Köln: Denkmalkarte. Angaben zu den Einträgen DE_05315000_A_2919, DE_05315000_A_5246, DE_05315000_A_2921 und DE_05315000_A_2977 (abgerufen am 18. Oktober 2026).
