Der Turkana-See (auch noch unter seinem früheren Namen Rudolfsee bekannt) ist mit 6405km² das größte BinnengewässerKenias sowie einer der größten „Endseen“ der Erde, wobei der nördlichste Teil mit 22,7 km² zu Äthiopien gehört. Der Turkanasee versalzt immer mehr und sein Wasserspiegel sank bis zum Jahr 2010 ab, da der See mit Omo, Turkwel und Kerio zwar Zuflüsse hat, aber durch Verdunstung mehr Wasser verliert und sich die Mineralsalze anreichern („Versalzung“). Seit 2010 hat sich der See um etwa zehn Prozent ausgedehnt[2][3] und dabei rund 800 Quadratkilometer Land überflutet[4].
Nach der Unabhängigkeit Kenias wurde der See 1975 von der kenianischen Regierung in Turkana-See umbenannt – die Turkana sind die größte ansässige Volksgruppe.
Luftbild vom kenianischen Teil, links unten Central Island
Der See weist drei größere Inseln auf: North, Central und South Island. Er liegt im Ostafrikanischen Graben, einer geologischen Schwächezone der Erdkruste, an der sich der afrikanische Kontinent teilt. Der See hat eine größte Nord-Süd-Länge von 250,4 Kilometer und eine maximale Ost-West-Breite von 48,8 Kilometer. Rund um den See erheben sich aktive Vulkane. Das Klima im Norden Kenias ist sehr stark arid und die Vegetation somit sehr karg. Es herrschen Gräser vor, Bäume sind selten.
Das sodahaltige Wasser des Turkana-Sees ist äußerst fisch- und algenreich. An den Ufern leben Nilkrokodile. Größte Raubfischarten sind der Tigersalmler (Hydrocynus vittatus) und der Nilbarsch (Lates niloticus), der teilweise über 100Kilogramm schwer werden kann.
Viele Anwohner leben – wie schon ihre Vorfahren – vom Fischfang. Der See liefert jährlich etwa 1000 Tonnen Fisch; die Bestände der wichtigsten Speisefische – Nilbarsch, Tilapia und Tigersalmler – sind rückläufig. Um die Fangmenge auf dem gleichen Niveau zu halten, werden immer mehr Fischarten als Speisefische abgefischt. Der See wird auch von Anglern, hauptsächlich in Kenia, genutzt.
Der Turkana-See hat neben zahlreichen saisonalen Zuflüssen nur einen ständigen Zufluss, den Omo. Dieser entspringt in Äthiopien und speist den See zu rund 90 Prozent. 600 Kilometer stromaufwärts baute Äthiopien bis 2016 den Staudamm Gilgel Gibe III. Er ist nach Fertigstellung der zweitgrößte Staudamm in Afrika nach dem Assuan-Staudamm.
Im benachbarten Norden Kenias wird befürchtet, dass der Aufstau des Hauptzuflusses den Wasserspiegel des Sees um bis zu 12 Meter sinken lassen könnte – womit die Lebensgrundlage der regionalen Bevölkerung zerstört wäre.[10] Die entsprechenden gravierenden ökologischen Folgen könnten auch gewaltsame Konflikte zur Folge haben.[11] Manche Quellen besagen, der Wasserstand des Sees sei in den letzten 20 Jahren um acht Meter gefallen. „Wissenschaftler schätzen, dass der Staudamm den Zufluss der umliegenden Gewässer in den See in absehbarer Zeit um 70 Prozent reduzieren wird mit dem Effekt, dass der niedrige Wasserspiegel den Kollaps der Ökosysteme verursachen wird.“[12]
Satellitenbilder zeigen jedoch, dass sich, entgegen den Vorhersagen, zumindest bisher keine negativen Auswirkungen auf den Wasserspiegel des Turkana-Sees eingestellt haben. Gegenüber 2014, dem letzten Jahr vor dem Beginn des Einstaus, zeigte sich der Wasserspiegel 2016 leicht erhöht;[13] von 2010 bis 2020 hat sich der See um etwa zehn Prozent ausgedehnt[2][3] und dabei rund 800 Quadratkilometer Land überflutet[4].
Ursprünglich floss der Omo am Südende des heutigen Turkana-Sees in Richtung Indischer Ozean. Durch tektonisch verursachte Hebungen entstand vor etwa 4,1 Millionen Jahren ein Becken und der See staute sich auf. Zunächst floss der Omo nach dem Verlassen des Sees weiterhin zum Indischen Ozean. Der See verlandete nach etwa 100.000 Jahren. Vor etwa 3,5 Millionen Jahren entstand ein neuer See, der ebenfalls nach 60.000 Jahren verlandet war. Vor etwa 2,4 Millionen Jahren versperrten die Auswurfmassen eines Ausbruchs des Mount Kulal den Abfluss des Omo. Vor etwa 2 Millionen Jahren entstand ein dritter See, der etwa 400.000 Jahre überdauerte. Der heutige See entstand vor etwa 200.000 Jahren. Während der letzten Feuchtphase in Afrika vor etwa 10.000 Jahren lag die Seeoberfläche 130m über dem heutigen Niveau und der See floss im Nordwesten über die Lotigipi-Sümpfe und den Kangen, einen Quellfluss des Pibor, in das Nil-System. Vor 3250 Jahren schließlich war dann der Seespiegel so niedrig, dass der Turkana endorheisch wurde.[14][15]
Der Turkana-See. Dokumentarfilm, USA, Großbritannien, Frankreich, 2010, 43 Min., Regie: Richard Kirby, Produktion: arte France, Reihe: Naturparadiese Afrikas, deutsche Erstausstrahlung: 1. Januar 2012 bei arte, Film-Informationen von arte.
↑Petru Bănărescu: Zoogeography of Fresh Waters (= General distribution and dispersal of freshwater animals. Bd. 1). Aula-Verlag, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89104-480-1, S. 1139.
↑Jasmina Trifoni: Bedrohte Schätze der Welt, Eine Reise zu einmaligen Naturdenkmälern und Naturwundern, München: National_Geographic, 2018, S. 80, ISBN 978-3-86690-671-6