Truth Sandwich
Ein truth sandwich (Englisch, frei übersetzt: „In Wahrheit eingerahmt“, „Wahrheitssandwich“) ist eine journalistische Technik, um über Fehlinformationen zu berichten, ohne sie unbeabsichtigt zu fördern. Sie besteht darin, erst die Wahrheit über ein Thema zu präsentieren, dann über die Fehlinformation zu berichten, und zuletzt nochmals die Wahrheit zu beschreiben. Margaret Sullivan von der Washington Post fasste das 2018 zusammen als „Realität, Spin, Realität - alles in einer schmackhaften, die Demokratie nährenden Mahlzeit“[1]
Die Idee wurde von dem Linguisten George Lakoff entwickelt,[2] und die Bezeichnung wurde im Juni 2018 von Brian Stelter von CNN geprägt.[3]
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lakoff beobachtete, dass Medienorganisationen Fehlinformationen verbreiten, indem sie sie zitieren. Lakoff interessierte sich insbesondere für die Art und Weise, wie Journalisten über Donald Trump berichteten, der im Laufe seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten eine noch nie dagewesene Anzahl falscher und irreführender Aussagen machte.[4][5][6] Lakoff schrieb über Trumps effektiven Einsatz von Sprach- und Framing-Techniken. Er erkannte, dass die Medien, indem sie Trumps Äußerungen, Stereotypen und Lügen wiederholen und berichten, selbst Trumps Kritiker zu einem Teil seines Marketingapparats machen.[7][3] Manchmal sind Lügen jedoch zu weitreichend, um sie zu ignorieren, was Journalisten in eine schwierige Lage bringt.[8]
Selbst wenn man eine Lüge verschweigt und nur sagt, dass das Gesagte falsch war, hat man die Botschaft Lakoff zufolge immer noch verbreitet, „das Leugnen eines Framings aktiviert das Framing“.[9] Lakoff argumentiert, dass wir Wiederholungen nutzen, um die Welt zu verstehen.[7] Ein „Wahrheitssandwich“ stellt sicher, dass die falschen Informationen nicht das Erste sind, was die Leute lesen oder hören, und auch nicht ihr letzter Eindruck von einer Geschichte.
Lakoff erläuterte seine Taktik gegenüber Brian Stelter im CNN-Podcast Reliable Sources am 17. Juni 2018:[2]
„Lakoff: Im Moment erlauben die Leute in den Medien … Trump, sie zu manipulieren. Also … beginnen Sie mit der Wahrheit, die er zu verbergen versucht. Sie machen das klar, und dann weisen Sie darauf hin, dass der Präsident versucht, dies durch Lügen zu verbergen. Sie könnten in … ein paar Worten oder in ein paar Sekunden ein wenig darüber sagen, was die Lüge ist. Und dann zur Wahrheit zurückkehren. - Stelter: Es ist ein Wahrheitssandwich. - Lakoff: Sie haben es erfasst. Ein Wahrheitssandwich. Perfekt, um es sich vorzustellen.“
Nutzung durch Nachrichtenmedien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Sendergruppe PBS verankerte 2020 das Wahrheitssandwich in ihren redaktionellen Standards: „Zur Genauigkeit gehört mehr als nur zu überprüfen, ob eine Information korrekt ist; Fakten müssen in einen ausreichenden Kontext gestellt werden, um sicherzustellen, dass die Öffentlichkeit nicht in die Irre geführt wird.“[10] Roy Peter Clark schrieb 2020 für Poynter, dass das Wahrheitssandwichs der „emphatischen Wortfolge“ ähnele, bei dem jemand zur rhetorischen Verstärkung emphatische Wörter an den Anfang und das Ende eines Satzes setze.[8]
Truth Sandwiches wurden im Zusammenhang mit Themen diskutiert, in denen Fehlinformationen besonders verbreitet sind. So befürworteten Wissenschaftler Wahrheitssandwiches als Kommunikationsstrategie gegen Fehlinformation über Coronavirus-Impfstoffe.[11][12] Joseph Cummins auf Journalism.co.uk forderte Journalisten auf, diese Technik nicht nur beim Schreiben über Unwahrheiten zu nutzen, sondern auch bei den Bildern, Schlagzeilen, in sozialen Medien und anderen Elementen der Berichterstattung.[13]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Crispin Sartwell meinte im Wall Street Journal, die Verwendung von Wahrheitssandwiches sei manipulativ und herablassend.[3]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quellen und Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Margaret Sullivan: Perspective | Instead of Trump’s propaganda, how about a nice 'truth sandwich’? In: The Washington Post. 17. Juni 2018, ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 30. April 2025]).
- 1 2 Julia Waldow: George Lakoff says this is how Trump uses words to con the public. 15. Juni 2018, abgerufen am 30. April 2025.
- 1 2 3 Crispin Sartwell: 'Truth Sandwich’? Baloney! In: Wall Street Journal. 5. August 2018, ISSN 0099-9660 (wsj.com [abgerufen am 30. April 2025]).
- ↑ Glenn Kessler, Meg Kelly, Salvador Rizzo, Michelle Ye Hee Lee, Leslie Shapiro: Analysis | Tracking all of President Trump's false or misleading claims In: The Washington Post, Jan 20, 2021. Abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Peter Baker: Trump and the Truth: A President Tests His Own Credibility. In: The New York Times. 17. März 2018, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 30. April 2025]).
- ↑ Michael Finnegan: Scope of Trump's falsehoods unprecedented for a modern presidential candidate. In: Los Angeles Times. 25. September 2016, abgerufen am 16. Februar 2022 (amerikanisches Englisch).
- 1 2 George P. Lakoff, Gil Duran: Trump has turned words into weapons. And he's winning the linguistic war. In: The Guardian. 13. Juni 2018, abgerufen am 17. Februar 2022 (englisch).
- 1 2 Roy Peter Clark: How to serve up a tasty 'truth sandwich?' In: Poynter. 18. August 2020, abgerufen am 17. Februar 2022 (amerikanisches Englisch).
- ↑ How to make a 'truth sandwich’ | CNN. 17. Juni 2018, abgerufen am 30. April 2025 (englisch). Video auf YouTube (4:18 min)
- ↑ Marcia Apperson: What is a 'Truth Sandwich'? In: PBS Standards. 22. April 2020, abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Elizabeth Jensen: Injecting NPR's Vaccine Coverage With Respect — And Facts In: NPR, 8. März 2019. Abgerufen am 16. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Scientists create guide to building truth 'sandwich' to combat Covid misinformation. In: The Independent. 7. Januar 2021, abgerufen am 17. Februar 2022 (englisch).
- ↑ Joseph Cummins: The truth sandwich: how to cover falsehoods from official sources. 2. Februar 2022 (journalism.co.uk [abgerufen am 30. April 2025]).