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Torres-Strait-Insulaner

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Die Flagge der Torres-Strait-Insulaner

Die Torres-Strait-Insulaner sind die indigene Bevölkerung der Torres-Strait-Inseln zwischen der Kap-York-Halbinsel im Norden Queenslands und Neuguinea. Sie bilden neben den Aborigines eine der beiden großen indigenen Bevölkerungsgruppen Australiens, unterscheiden sich von diesen jedoch ethnisch, sprachlich und kulturell. Viele Torres-Strait-Insulaner leben heute nicht mehr auf den Inseln, sondern auf dem australischen Festland, besonders in Queensland.

Die Kulturen der Torres-Strait-Inseln sind durch ihre Lage zwischen Australien und Neuguinea geprägt. Sie weisen enge Beziehungen zu melanesischen, papuanischen und austronesischen Kulturräumen auf. Traditionell waren die Torres-Strait-Insulaner seefahrende Gemeinschaften, die Handel trieben, Fischfang betrieben, Dugongs und Meeresschildkröten jagten und auf mehreren Inseln Gartenbau pflegten.

Begriff und Abgrenzung

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In Australien werden Torres-Strait-Insulaner und Aborigines häufig gemeinsam als Aboriginal and Torres Strait Islander peoples oder als indigene Australier bezeichnet. Diese Sammelbezeichnung verweist auf ihre gemeinsame rechtliche und politische Stellung als indigene Völker Australiens, darf aber nicht als kulturelle Gleichsetzung verstanden werden. Nach Angaben des Australian Institute of Aboriginal and Torres Strait Islander Studies (AIATSIS) bestehen Australiens indigene Völker aus zwei unterschiedlichen kulturellen Gruppen: den Aboriginal peoples und den Torres Strait Islander peoples.[1]

Auch innerhalb der Torres-Strait-Insulaner bestehen deutliche regionale, sprachliche und kulturelle Unterschiede. Die Identität vieler Menschen ist eng mit bestimmten Inseln, Meeresgebieten, Familienlinien, Sprachen, Totems und lokalen Traditionen verbunden.

Bevölkerung und Verbreitung

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Bei der australischen Volkszählung von 2021 identifizierten sich 812.728 Menschen als Aboriginal und/oder Torres Strait Islander. Davon gaben 4,2 Prozent an, Torres-Strait-Insulaner zu sein; weitere 4,4 Prozent identifizierten sich sowohl als Aboriginal als auch als Torres Strait Islander.[2]

Auf den Torres-Strait-Inseln selbst lebten 2021 nach Angaben des australischen Census 4.124 Menschen; der größte Teil der Torres-Strait-Insulaner lebt jedoch außerhalb der Inselregion auf dem australischen Festland. Wichtige Zentren der Diaspora befinden sich in Queensland, etwa in Cairns, Townsville und im Norden der Kap-York-Halbinsel. Dort bestehen auch mehrere Gemeinschaften von Torres-Strait-Insulanern und Aborigines, unter anderem in Bamaga, Seisia, Injinoo, Umagico und New Mapoon.[3]

Inselgruppen und regionale Gliederung

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Die Torres-Strait-Inseln bestehen aus zahlreichen Inseln, von denen nur ein Teil dauerhaft bewohnt ist. Häufig werden sie in fünf größere Inselgruppen eingeteilt: die Top-Western-Gruppe mit Boigu, Dauan und Saibai, die Western-Gruppe mit den Bellevue-Inseln, die Eastern-Gruppe mit Murray, Darnley und Stephen sowie die Inner-Islands-Gruppe um Thursday Island, Horn, Hammond, Prince of Wales und Friday Island.[3]

Eine weitere kulturell-sprachliche Einteilung unterscheidet unter anderem Saibailgal beziehungsweise Top Western Islanders, Maluilgal beziehungsweise Mid-Western Islanders, Kaurareg beziehungsweise Lower Western Islanders, Kulkalgal beziehungsweise Central Islanders und Meriam Le beziehungsweise Eastern Islanders.[4]

Vor der britischen Kolonisation

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Vor der europäischen Kolonisation bestanden in der Torres-Straße vielfältige lokale Gesellschaften mit eigenen politischen, sprachlichen und religiösen Traditionen. Die Insulaner waren in weiträumige Handels- und Austauschbeziehungen eingebunden, besonders mit benachbarten Gebieten in Neuguinea und mit der Kap-York-Halbinsel. Neben Fischfang, Jagd auf Meerestiere und Sammelwirtschaft spielte auf mehreren Inseln auch Gartenbau eine wichtige Rolle.[5]

Im Unterschied zu vielen Gesellschaften des australischen Festlands nutzten die Torres-Strait-Insulaner traditionell hochseetaugliche Boote, betrieben intensiveren Gartenbau und pflegten enge maritime Austauschbeziehungen. Diese Unterschiede erklären sich aus der geographischen Lage der Inseln zwischen Australien und Neuguinea sowie aus ihren kulturellen Beziehungen in den melanesisch-papuanischen Raum.

Kolonialzeit und Missionierung

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Im 19. Jahrhundert gerieten die Torres-Strait-Inseln zunehmend unter europäischen Einfluss. Die strategisch wichtige Lage der Inseln, die Perlen- und Perlmuttfischerei sowie missionarische Aktivitäten veränderten die lokalen Gesellschaften tiefgreifend. Besonders die Perlmuttindustrie wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig, in dem Torres-Strait-Insulaner, asiatische Arbeitskräfte und europäische Unternehmer miteinander in Kontakt kamen.

Ein zentrales Ereignis der neueren Kulturgeschichte ist die Einführung des Christentums. Am 1. Juli 1871 erreichten Missionare der London Missionary Society die Insel Erub, auch Darnley Island genannt. Dieses Ereignis wird von Torres-Strait-Insulanern als Coming of the Light erinnert und jährlich am 1. Juli begangen.[6] Die Christianisierung verdrängte ältere religiöse Praktiken nicht vollständig; viele Gemeinschaften verbanden christliche Elemente mit lokalen Traditionen, die heute oft unter dem Begriff Ailan Kastom zusammengefasst werden.[6]

20. Jahrhundert

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Im 20. Jahrhundert blieben die Torres-Strait-Insulaner in vielen Bereichen staatlicher Kontrolle unterworfen. Koloniale und später australische Schutz- und Verwaltungssysteme griffen in Bewegungsfreiheit, Arbeit, Einkommen und lokale Selbstverwaltung ein. Zugleich entstanden Formen politischen Widerstands und gewerkschaftlicher Organisation. In den 1930er Jahren kam es unter anderem zu Streiks in der maritimen Industrie; in den 1940er Jahren protestierten Torres-Strait-Insulaner gegen diskriminierende Soldregelungen im Militärdienst.[7]

Auf den Torres-Strait-Inseln werden traditionell zwei indigene Sprachen beziehungsweise Sprachgruppen gesprochen. Im Westen, Zentrum und Norden der Inselregion ist Kala Lagaw Ya mit mehreren regionalen Varietäten verbreitet. Auf den östlichen Inseln, darunter Mer, Erub und Ugar, wird Meriam Mir gesprochen. Daneben ist Torres Creole, auch Yumplatok genannt, als englischbasierte Kreolsprache weit verbreitet.[8]

Nach Angaben des Australian Bureau of Statistics war Yumplatok 2021 die am häufigsten angegebene Aboriginal- oder Torres-Strait-Islander-Sprache in Australien.[9] Insgesamt gaben 76.978 Aboriginal und Torres Strait Islander an, zu Hause eine indigene Sprache Australiens zu sprechen.[9]

Rituelle Gesichtsmaske aus den Torres-Strait-Inseln, 19. Jahrhundert

Die Kultur der Torres-Strait-Insulaner ist stark durch Meer, Inselwelt, Verwandtschaftsbeziehungen und lokale Überlieferungen geprägt. In mehreren Überlieferungen der Torres-Strait-Insulaner spielen Sterne und Sternbilder eine wichtige Rolle, etwa in Bezug auf Navigation, Jahreszeitenwissen und die Erzählungen um den Kulturheros Tagai. Der Begriff Ailan Kastom bezeichnet die Gesamtheit kultureller Praktiken, Werte, Bräuche, Zeremonien, Rechte und Pflichten, die von Insel zu Insel unterschiedlich ausgeprägt sein können.[10]

Traditionell spielten Fischfang, Jagd auf Schildkröten und Dugongs, Sammeln von Meeresfrüchten sowie Gartenbau eine wichtige Rolle. Viele dieser Tätigkeiten besitzen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale, zeremonielle und identitätsstiftende Bedeutung. Nahrung, Tanz, Gesang, Erzählung und rituelle Darstellung sind eng miteinander verbunden.

Die mündliche Überlieferung umfasst Mythen, Genealogien, Inselgeschichten, Seefahrtswissen und moralische Regeln. Sie wurde und wird durch Erzählungen, Lieder, Tänze und Zeremonien weitergegeben. Die Inselwelt, das Meer, Winde, Sterne und Meereslebewesen sind häufige Motive in Kunst und Erzähltraditionen.

Torres-Strait-Insulaner sind für eigenständige Kunstformen bekannt, darunter Masken, Schnitzarbeiten, Trommeln, Flechtarbeiten, Druckgrafik und Zeremonialschmuck. Besonders bekannt sind Masken aus Schildpatt beziehungsweise Schildkrötenpanzer, die in zeremoniellen Zusammenhängen verwendet wurden. Das Metropolitan Museum of Art bezeichnet diese Schildpattmasken als charakteristische Kunstform der Torres-Strait-Inseln.[11]

Ein weiteres wichtiges Symbol ist der dhari oder dari, ein traditioneller Kopfschmuck, der auch auf der Flagge der Torres-Strait-Insulaner dargestellt ist. In der zeitgenössischen Kunst der Torres-Strait-Insulaner spielen Druckgrafik, Skulptur und Installationen eine bedeutende Rolle; sie greifen häufig traditionelle Motive, Meeresbezüge, Familiengeschichten und politische Themen auf.

Vor der Christianisierung bestanden vielfältige lokale religiöse Vorstellungen, in denen Ahnen, Geistwesen, Totems, Inselgeschichten und rituelle Ordnungen eine wichtige Rolle spielten. Auf den östlichen Inseln war insbesondere die mit dem Gott oder Kulturheros Malo verbundene religiös-rechtliche Ordnung von Bedeutung.

Seit dem späten 19. Jahrhundert ist das Christentum ein zentraler Bestandteil vieler Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften. Das Coming of the Light erinnert an die Ankunft der London Missionary Society auf Erub am 1. Juli 1871 und wird von Torres-Strait-Insulanern auf den Inseln wie auch auf dem Festland gefeiert.[6] Christliche Frömmigkeit, lokale Traditionen und Ailan Kastom bestehen dabei vielfach nebeneinander oder sind miteinander verflochten.

Politische und rechtliche Stellung

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Heute wird die Region unter anderem durch lokale Councils sowie durch die Torres Strait Regional Authority vertreten, eine australische Behörde, die 1994 eingerichtet wurde. Sie besteht aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern und soll die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Menschen in der Torres-Strait-Region fördern.[12]

Eine herausragende Rolle in der australischen Rechtsgeschichte spielte der Torres-Strait-Insulaner Eddie Mabo von Mer. Im Verfahren Mabo v. Queensland (No. 2) erkannte der High Court of Australia 1992 die traditionellen Landrechte der Meriam People an und führte das Prinzip des Native Title in das australische Recht ein. Die Entscheidung widerlegte zugleich die Rechtsfiktion der Terra Nullius, nach der Australien vor der britischen Kolonisation als „niemandes Land“ gegolten habe.[13][14]

Bekannte Torres-Strait-Insulaner

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Zu den international bekannten Torres-Strait-Insulanern gehören der Landrechtsaktivist Eddie Mabo, die Sängerin und Schauspielerin Christine Anu, der Musiker Henry „Seaman“ Dan sowie mehrere Sportler, darunter Wendell Sailor, Sam Thaiday und Brent Webb.

Christine Anu wurde unter anderem durch das Lied My Island Home und durch Auftritte bei den Olympischen Sommerspielen 2000 bekannt. Henry „Seaman“ Dan veröffentlichte sein erstes Album erst im höheren Alter und wurde für seine Musik mehrfach ausgezeichnet.

Commons: Torres-Strait-Insulaner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Jeremy Beckett: Torres Strait Islanders. Custom and Colonialism. Cambridge University Press, Cambridge 1987, ISBN 0-521-33361-X; Nachdruck 1999, ISBN 0-521-37862-1.
  • Jeremy Beckett: Encounters with Indigeneity. Writing about Aboriginal and Torres Strait Islander Peoples. Aboriginal Studies Press, Canberra 2014, ISBN 978-1-922059-77-2.
  • Ian Crawshaw: Australia Walkabout – Reiseführer für das Australien der Aborigines und Torres Strait Islander. Sabine Muschter, Herausgeberin der deutschen Auflage, Intuitiv media, Kiel 2011, ISBN 978-3-00-029490-7.
  • Leah Lui-Chivizhe: Masked Histories. Turtle Shell Masks and Torres Strait Islander People. Melbourne University Publishing, Carlton 2022, ISBN 978-0-522-87795-3.

Einzelnachweise

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  1. Indigenous Australians: Aboriginal and Torres Strait Islander people. Australian Institute of Aboriginal and Torres Strait Islander Studies, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  2. Aboriginal and Torres Strait Islander people: Census, 2021. Australian Bureau of Statistics, 28. Juni 2022, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 About the Torres Strait. Torres Shire Council, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  4. Anna Shnukal: Torres Strait Islanders. (PDF) In: Multicultural Queensland 2001. Queensland Government, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  5. Our Region. Torres Strait Island Regional Council, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 The Coming of the Light. State Library of Queensland, 28. Juni 2021, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  7. Torres Strait Islander people in Queensland. (PDF) Queensland Human Rights Commission, 5. Mai 2018, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  8. Torres Strait Island Traditional Language History. Torres Strait Traditional Languages Association, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  9. 1 2 Language Statistics for Aboriginal and Torres Strait Islander Peoples. Australian Bureau of Statistics, 25. Oktober 2022, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  10. Torres Strait Islander cultures. Queensland Museum, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  11. Mask (Le Op). The Metropolitan Museum of Art, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  12. Torres Strait Regional Authority. Torres Strait Regional Authority, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  13. Mabo decision. National Museum of Australia, 16. November 2022, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
  14. The Mabo Case. Australian Institute of Aboriginal and Torres Strait Islander Studies, 23. Mai 2025, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).