Tochilinit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt zylindrisch-nadelige Kristalle bis etwa einen Zentimeter Länge, die auch hohl sein können (Röllchenstruktur[9]). Er findet sich aber auch in Form von radialstrahligen Aggregaten, hauchdünnen krustigen Überzügen sowie verfilzten bis klumpigen Massen. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den bronzefarbenen bis schwarzen Oberflächen einen metallischen Glanz.
Erstmals entdeckt wurde das Mineral 1966 durch S. P. Molotkow bei der Untersuchung von Kernproben aus der Kupfer-Nickel-Lagerstätte „Nischnemamonskowo“ (russisch: Нижнемамонского) nahe der gleichnamigen Ortschaft Nischni Mamon („Nieder-Mamon“; russisch: Нижний Мамон) in der zentralrussischen Oblast Woronesch. Die Analyse und Erstbeschreibung des Minerals erfolgte durch ein Mineralogenteam, bestehend aus N. I. Organowa, Alexander Dmitrijewitsch Genkin (russischАлександр Дмитриевич Генкин; 1919–2010)[10][11], W. A. Driz, S. P. Molotkow, O. W. Kusmina und A. L. Dmitrik (russisch: Н. И. Органова, А. Д. Генкин, В. А. Дриц, С. П. Молотков, О. В. Кузьмина, А. Л. Дмитрик), die es nach dem ehemaligen Professor für Geologie an der Staatlichen Universität Woronesch Mitrofan Stepanowitsch Totschilin (russischМитрофан Степанович Точилин; 1910–1968) benannten. Im russischen Original lautet der Mineralname Точилинит. Von den Mineralogen wurde der Name selbst mit Tochilinite ins Englische übersetzt und soll entsprechend ausgesprochen wie „to-chi-lin-ait“ klingen.[3]
In den meisten deutschsprachigen Quellen wird nur das im Englischen übliche ‚e‘ weggelassen und der Mineralname lautet hier entsprechend Tochilinit.[9][12][7] Bei korrekter Transkription aus dem Russischen wäre die Schreibweise allerdings Totschilinit.[4][13]
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1971 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1971-002), die den Tochilinit noch im gleichen Jahr als eigenständige Mineralart anerkannte. Ebenfalls im selben Jahr folgte die Publikation der Erstbeschreibung zunächst im russischen Fachmagazin Записки Всесоюзного Минералогического Общества [Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa][3] und wurde 1972 durch die Publikation der New mineral names im englischen Fachmagazin American Mineralogist bestätigt.[14]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/C.23-40. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit [dem Stoffmengenverhältnis] Metall:S,Se,Te≈1:1“, wo Tochilinit zusammen mit Ekplexit, Ferrotochilinit, Ferrovalleriit, Haapalait, Kaskasit, Manganokaskasit, Valleriit, Vyalsovit und Yushkinit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[7]
Die seit 2001 gültige und von der IMA bis 2009 aktualisierte[15]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tochilinit dagegen in die Abteilung der „Sulfide von Arsen, Alkalien; Sulfide mit Halogeniden, Oxiden, Hydroxiden, H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Elementen bzw. Verbindungen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit O, OH, H2O“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.FD.35 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Tochilinit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 02.14.02 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden Hydroxyl- oder Hydratisierte Sulfide“ zu finden.
Als seltene Mineralbildung konnte Tochilinit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 60 Fundorte dokumentiert sind.[16] Seine Typlokalität „Nischnemamonskowo“ ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Oblast Woronesch. Allerdings trat das Mineral noch an anderen Stellen in Russland auf, so unter anderem in der Asbest-Lagerstätte „Baschenowsk“ bei Asbest und im Kosva-Massiv bei Karpinsk in der Oblast Swerdlowsk (Ural), Westsibirien, im Putorana-Gebirge nahe der Stadt Norilsk in der Region Krasnojarsk (Mittelsibirien) sowie in den Kimberlit-Schloten „Udatschnaja“ (englisch auch Udachnaya-Vostochnaya) bei Udatschny und Mir bei Mirny in der Republik Sacha (Jakutien, Ferner Osten).[17]
Paris – Gefunden 2001 durch Jean-Jacques Corré in einer in Paris ersteigerten Box aus dem Nachlass des französischen Bergbau-Ingenieurs Jean Simon Colonna-Cimera, der Gruben im Ausland und in den französischen Kolonien beaufsichtigte.[30][31]
Н. И. Органова, А. Д. Генкин, В. А. Дриц, С. П. Молотков, О. В. Кузьмина, А. Л. Дмитрик:Точилинит – Новый сульфид-гидроокисел Железа и Магния. In: Записки Всероссийского Минералогического Общества. Band100, Nr.4, 1971, S.477–487 (russisch, rruff.info[PDF; 965kB; abgerufen am 7.Januar 2022] englische Transliteration: N. I. Organova, A. D. Genkin, V. A. Drits, S. P. Molotkov, O. V. Kuz'mina, A. L. Dmitrik: Tochilinite, a new sulfide-hydroxide of iron and magnesium, In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva).
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Tochilinite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 31.Dezember 2021(englisch).
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12M. H. Hey, P. G. Embrey:Twenty-eighth list of new mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band39, 1974, S.929 (englisch, rruff.info[PDF; 2,0MB; abgerufen am 11.Januar 2022]).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.117 (englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Tochilinite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 107kB; abgerufen am 7.Januar 2022]).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.318.
↑Paul Ramdohr:Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen. 4., bearbeitete und erweiterte Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S.742.
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