Tilo Wesche
Tilo Wesche (* 1968 in Wolfenbüttel[1]) ist ein deutscher Philosoph und Hochschullehrer. Er ist Professor für Praktische Philosophie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Kritische Theorie, Eigentumstheorie, Hegel und Nachhaltigkeit.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wesche studierte von 1989 bis 1996 Philosophie, Politikwissenschaften und Germanistik an der Freien Universität Berlin, unter anderem bei Michael Theunissen. 2001 promovierte er an der Universität Tübingen mit einer Arbeit über Kierkegaard. 2008 habilitierte er sich an der Universität Basel mit der Arbeit „Wahrheit und Werturteil“. Nach Stationen als Lehrbeauftragter hatte er zwischen 2009 und 2016 diverse Vertretungsprofessuren inne, unter anderem in Freiburg, Basel, Jena und Frankfurt am Main. Er wurde 2018 als Professor für Praktische Philosophie an die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg berufen und ist assoziierter Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt.[2] Dort ist er Mitglied des Sonderforschungsbereichs 294 zum Strukturwandel des Eigentums.[3]
Wesche ist Autor zahlreicher Bücher, unter anderem Einführungen zu Theodor W. Adorno, Sören Kierkegaard und Theorien des Eigentums. In einer 2023 bei Suhrkamp erschienenen Monographie mit dem Titel Die Rechte der Natur. Vom nachhaltigen Eigentum legt er einen Ansatz vor, der dafür argumentiert, Ökosysteme mit Eigentumsrechten auszustatten, um die ökologische Blindheit des traditionellen Rechts zu überwinden: Naturgüter seien bisher rechtlich als Sachen kodiert und dabei mit anderen Gebrauchsgegenständen gleichgesetzt worden.[4] Dabei argumentiert Wesche im Gegensatz zu anderen Ansätzen dieser Richtung weder ökozentrisch noch anthropozentrisch, sondern auf der Grundlage von Hegels Eigentumstheorie: Ökosysteme gehören ihre Ressourcen, weil durch sie zur Wertschöpfung beigetragen wird:[5] Wenn Eigentumsrechte für Menschen durch deren Arbeit begründet werden, dann stehen auch der Natur Eigentumsrechte zu, weil sie einen Beitrag zur Wertschöpfung leistet. Damit könnte ein robustes rechtliches Instrument geschaffen werden, um Ökosysteme vor dem destruktiven Zugriff ökonomischer Interessen zu bewahren: Wenn Menschen Naturgüter nutzen, dann nutzen sie fremdes Eigentum, das sie zur nachhaltigen Nutzung und dessen Erhalt verpflichtet.[5]
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Umkämpftes Eigentum. Eine gesellschaftstheoretische Debatte. Herausgeber gemeinsam mit von Niklas Angebauer und Jacob Blumenfeld, Suhrkamp, Berlin 2025, ISBN 978-3-518-30050-3.
- mit Niklas Angebauer: Theorien des Eigentums zu Einführung. Junius, Hamburg 2024, ISBN 978-3-96060-340-5.
- Die Rechte der Natur. Vom nachhaltigen Eigentum. Suhrkamp, Berlin 2023, ISBN 978-3-518-30014-5.
- Adorno. Eine philosophische Einführung. Reclam, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-15-019506-2.
- Wahrheit und Werturteil. Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-150879-0.
- Kierkegaard. Eine philosophische Einführung. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-15-018260-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tilo Wesche auf der Website der Universität Oldenburg
- Literatur von und über Tilo Wesche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Tilo Wesche bei Perlentaucher
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jung & Naiv: Philosoph Tilo Wesche über die Rechte der Natur, Eigentum & Kolonialismus - Jung & Naiv: Folge 829. 23. Mai 2026, abgerufen am 28. Mai 2026.
- ↑ Biographische Angaben auf der Seite der Universität Oldenburg
- ↑ Biographische Angaben auf der Seite des Sonderforschungsbereichs 294 - Strukturwandel des Eigentums
- ↑ vgl. Tilo Wesche, Niklas Angebauer: Theorien des Eigentums zu Einführung Junius, Hamburg 2024. ISBN 978-3-96060-340-5, S. 249
- 1 2 vgl. dazu Angebauer, Wesche (2024), S. 256, ausführlicher: Wesche (2023), S. 195–230
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wesche, Tilo |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Philosoph und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 1968 |