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The First Homosexuals

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Begründung: SLA mit Einspruch in LA umgewandelt. Der SLA-Grund ist womöglich berechtigt, doch ich sehe bei Swissdox über 100 Einträge, darunter ein Interview vom srf im Kulturplatz von Mitte April und weitere namhafte Erörterungen. „Werbeflyer“ ist kein SLA-Grund. ※Lantus 07:22, 2. Jun. 2026 (CEST)

The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939 ist eine Ausstellung im Wrightwood 659[1] in Chicago und im Kunstmuseum Basel. Sie widmet sich der frühen Sichtbarkeit gleichgeschlechtlichen Begehrens und der Geschlechtervielfalt in der Kunst.

Die Ausstellung wurde ursprünglich von der Alphawood Foundation im Wrightwood 659 in Chicago, organisiert.[2] Dort wurde sie von Jonathan D. Katz und Johnny Willis recherchiert und kuratiert.[3] Vorausgehend betrieb Katz eine umfassende und langjährige Recherche. Ausserdem erscheint ein gleichnamiger Ausstellungsführer.

Die Ausstellung wird für Basel von den Kuratoren Rahel Müller und Len Schaller adaptiert. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Katz und Willis. Die Ausstellung wurde hier mit Werken und Archivmaterialien aus der Region erweitert.

Selbstverständlich gab es homosexuelles Begehren schon vor dem Begriff «homosexuell» aus dem Jahr 1869. Dieser Raum widmet sich Darstellungen von queerer Sexualität aus unterschiedlichen Regionen, bevor dieses Wort dafür verwendet wurde. In Europa herrschte zwischen 1500 und 1800 eine ablehnende Haltung gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe. Dennoch findet man in der Kunst Darstellungen homoerotischer Szenen. Unter dem Deckmantel antiker Mythologie erkundeten Künstler:innen Motive, ohne diese explizit als homoerotisch benennen zu müssen.

Ausserhalb Europas war gleichgeschlechtliche Sexualität vielerorts gesellschaftlich akzeptiert. Beispiele solcher Werke finden sich ebenfalls in diesem Raum.

Vom Begriff zum Bild

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Mit der Etablierung des Begriffs bildete sich eine neue Identität. Der zweite Raum widmet sich Selbstdarstellungen, aber auch wie Künstler:innen ihre queeren Freund:innen, Liebhaber:innen und Beziehungspersonen abbildeten. Neu wurde Homosexualität auch nicht mehr als einzelne Handlungen gesehen, sondern konnte identitätsbildend sein. Zugleich entwickelte sich eine gemeinsame Bildsprache.

Körper im Wandel

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Männliche Körper durchliefen einen auffallenden Wandel in Darstellungen homoerotischer Kunst. Während Ende des 19. Jahrhunderts noch bevorzugt schlanke, jugendliche Körper dargestellt wurden, verschob sich dies zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt auf muskulöse, betont maskuline Körperformen. Dies geht einher mit der zeitgleich in Europa stattfindenden Veränderung von Körperidealen. Verschiedene Bewegungen verherrlichen die Gesundheit und Stärke des männlichen Körpers, beispielsweise in der Armee oder zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit. Im Unterschied dazu ging es in der homoerotischen Kunst weniger um die Abbildung athletischer Körper. Der Wandel weist auf ein neues Verständnis von Homosexualität selbst. Homosexualität wurde bis anhin nicht als sexuelle Orientierung gelesen, sondern als drittes Geschlecht. Homosexuellen Menschen wurde nachgesagt, im Körper des einen und in der Seele des anderen Geschlechts geboren zu sein. Der jugendliche Körper wurde zur bevorzugten Verkörperung, da Jugendliche die körperlichen Merkmale beider Geschlechter zeigen würden. Mit der zunehmenden Verwendung des Begriffs «homosexuell» für gleichgeschlechtliche Beziehungen änderte sich auch dieses Verständnis und es wurde wieder auf die normative Geschlechtsdarstellungen zurückgegriffen. In den Darstellungen von Frauenkörpern in queerer Kunst ist dieser Wandel weniger zu beobachten.

Verschlüsselte Zeichen

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Queere Lebensweisen wurden in vielen Gesellschaften kriminalisiert und verfolgt – oder werden es bis heute. Daraus entstand die Notwendigkeit, verschlüsselte Codes und Hinweise zu verwenden, die nur von Personen innerhalb der Community gelesen werden können. Dabei wird auf verschiedene Traditionen zurückgegriffen: Motive aus Mythologie, Religion und der Kunstgeschichte tarnen die wahren Aussagen der Bilder.

Weibliche Homosexualität wurde früh mit Freundschaft geknüpft. In verschiedenen Kunstrichtungen finden sich daher Werke, die die sogenannte «Freundschaften» zwischen zwei Frauen sowohl als Hinweis als auch als Deckmantel verwenden. Die teilweise explizit erotischen Darstellungen legen nahe, dass die Intimität solcher Beziehungen nicht immer versteckt wurde.

Die Vielfalt der Geschlechter

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Die Geschichte von Homosexualität ist eng an die Vorstellungen von Geschlecht geknüpft. 40 Jahre nach dem Aufkommen des Begriffs «homosexuell» tauchen die 1869 die ersten Bezeichnungen für trans Menschen auf. Also Personen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Mit zunehmend differenzierter Sprache entwickelt sich auch die Möglichkeit, Geschlecht und Sexualität zunehmend voneinander zu trennen. In Europa endeten diese Entwicklungen abrupt mit dem Aufstieg des deutschen Nationalsozialismus und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Diese Zeit war für queere Menschen inklusive der ausgestellten Künstler:innen sehr prekär. Viele erlebten Verfolgung und die Zerstörung ihrer Werke. Dennoch hielt die künstlerische Auseinandersetzung mit Homosexualität und trans Identitäten dem Zeitgeschehen an und wurde immer wieder fortgeführt.

Koloniale Bilder und Gegenbilder

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Mit der kolonialen Ausbreitung europäischer Länder ab dem 15. Jahrhundert drückten die Kolonialstaaten ihre Wert- und Rechtsvorstellungen den Menschen in weiten Gebieten der Welt auf. So wurde in Regionen, in denen Homosexualität und diverse Geschlechtsidentitäten lange Zeit als selbstverständlich galten nun gezielt eine neue Feindseligkeit eingeführt. Nicht-europäische Kulturen wurden aufgrund ihrer angeblichen Zügellosigkeit verurteilt, gleichzeitig bediente man sich ihrer erotischen Fantasien für ein europäisches Publikum. Zahlreiche Künstler:innen entwarfen Gegendarstellungen zu dieser kolonialen Instrumentalisierung.

In der Online-Ausgabe der Basler Zeitung hob Julia Konstantinidis die «mutige Entscheidung» hervor, die Ausstellung zu zeigen in «Zeiten, in denen Rechte der LGTBQ±Community durch autoritäre und konservative Bewegungen weltweit Rückschläge erleiden».[4]

Weil Homosexualität in über 60 Ländern immer noch kriminalisiert ist, sei historisches Bewusstsein umso wichtiger – allein das mache die oft überraschenden Bilder der „ersten Homosexuellen“ im Kunstmuseum Basel absolut sehenswert, schrieb Kathrin Hondl, Südwestrundfunk.[5]

Die ausgewählten Kunstwerke seien durchweg großartig, Kurator Katz’ langjährige Pionierleistung auf diesem kunsthistorischen Gebiet verdiene ausdrücklich Anerkennung, urteilte Axel Krämer auf Queer.de. Dennoch werfe der ideologische Überbau der Ausstellungskonzeption an manchen Stellen Fragen auf – weniger in den Ausstellungstexten als bei der Lektüre des Katalogs. Dies betreffe etwa den globalen Blick und die Einschätzung des Kolonialismus, auch seine These von einer historisch einzigartigen modernen Identität, die angeblich mit der Erfindung des Begriffs „homosexuell“ einhergegangen sei.[6]

«Wo bleibt die Rebellion?», fragte Sandro Weilenmann im Schweizer Onlinemagazin Republik. Queerness werde hier primär als subjektive Eigenschaft verstanden, die sich darstellen lasse, und weniger als Art des Verbindens und Denkens. «Es geht mehr um Sein als um Tun: Wir begegnen diesen Künstlerinnen als Trägerinnen einer voran­schreitenden sozialen Bewegung hin zu mehr Sichtbarkeit, ohne dass bei der Wider­ständigkeit und der Rebellion der sexuellen Nicht­konformität verweilt wird.» [7]

  • Kunstmuseum Basel (Hrsg.): The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939. Ausstellungsbroschüre zur Ausstellung im Kunstmuseum Basel, 7. März–2. August 2026. Basel: Kunstmuseum Basel, 2026

Einzelnachweise

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  1. ein denkmalschutzgerechter Museumsumbau von Tadao Andō in den 2010er Jahren
  2. Rejected by Museums Around the World, This New Art Exhibition Explores the Historical Roots of the Term ‘Homosexual’, Smithsonian Magazine, 15. Mai 2025, abgerufen am 2. Juni 2026
  3. How “The First Homosexuals” Shaped an Identity, The New Yorker, 15. Juli 2025, abgerufen am 2. Juni 2026
  4. Julia Konstantinidis: Neue Ausstellung zeigt erstmals Kunst unter dem Blick queeren Begehrens. bazonline.ch, 5. März 2026, abgerufen am 2. Juni 2026.
  5. Kathrin Hondl: Ausstellung „The First Homosexuals“ in Basel: Queere Codes und Kunst im 19. Jahrhundert. SWR, 9. März 2026, abgerufen am 2. Juni 2026.
  6. Axel Krämer: Die ersten Homo­sexuellen? Kunst, Begriffe und offene Fragen in einer Schau in Basel. Queer.de, 7. März 2026, abgerufen am 2. Juni 2026.
  7. Sandro Weilenmann: Inventur der Identitäten. Republik.ch, 17. März 2026, abgerufen am 2. Juni 2026.