Thaumistry: In Charm’s Way
| Thaumistry: In Charm’s Way | ||
| Entwickler | Bob Bates | |
|---|---|---|
| Leitende Entwickler | Bob Bates | |
| Veröffentlichung | 8. Oktober 2017 | |
| Plattform | Android, iOS, Linux, MacOS, Windows | |
| Spiel-Engine | TADS | |
| Genre | Textadventure | |
| Medium | Download | |
| Sprache | Englisch | |
| Altersfreigabe |
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Thaumistry: In Charm’s Way ist ein Computerspiel des US-amerikanischen Autoren Bob Bates aus dem Jahr 2017. Das Textadventure wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert und erschien 30 Jahre nach der Blütezeit dieses Computerspiele-Genres.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thaumistry spielt im New York der Gegenwart. Der Spieler übernimmt die Rolle von Eric Knight, einem ehemals erfolgreichen Nachwuchsforscher, der schon geraume Zeit keinen Erfolg mehr hatte. Seit fünf Jahren arbeitet er in einem kleinen Labor in Lower Manhattan, das ihm vom Gründerzentrum IncuLab finanziert wird, an der Entwicklung eines bahnbrechenden Lasers. Am Tag vor Spielbeginn erhielt Knight eine Mitteilung von IncuLab darüber, dass das Komitee des Gründerzentrums am Abend des Folgetages beschließen werde, dass Knight sein Labor räumen müsse, wenn er bis dahin nicht einen funktionsfähigen Laser präsentiere. Trotz dieser Drohung hat IncuLab Knight einen neuen Assistenten bewilligt und kündigt an, dass sich am nächsten Morgen Bewerber für die Stelle als Laborassistent an seinem Arbeitsplatz einfinden würden. An jenem Morgen beginnt das Spiel im Labor, in dem Knight mal wieder die Nacht verbracht hat.
Der einzige „Bewerber“ ist Jack, ein junger, energiegeladener Mann, der sich als „Bodger“ (auf Deutsch etwa „Stümper“) vorstellt, als Angehöriger eines Geheimbundes, einer Gruppe magiebegabter, aber wenig alltagstauglicher Menschen, der möglicherweise auch Eric angehöre, ohne es zu wissen. Er schlägt Eric vor, sich auf seine möglichen Magie-Fähigkeiten testen zu lassen, mit deren Hilfe er vielleicht einen Ausweg aus seiner misslichen Lage als Forscher finden könne. Ohne realistische anderweitige Perspektive willigt Eric ein. Nachdem er einen ersten Zauberspruch entdeckt und angewendet hat, bringt Jack ihn mit Hilfe eines geheimen unterirdisch verlaufenden Transportmittels zum Hauptquartier der Bodger.
Dort erfährt Eric von einem Problem der Gruppe: Das zentrale Element für die Sicherheit der Bodger ist, dass sie unentdeckt unter den Menschen leben können, und im Rahmen einer gerade in der Stadt stattfindenden Erfindermesse soll der „Thaumeter“ vorgestellt werden, eine Maschine, die Magie sichtbar machen kann. Das würde die Bodger der Verfolgung durch die „normalen“ Menschen preisgeben. Eric bekommt den Auftrag, die Maschine zu zerstören. Die Erfindermesse findet im fiktiven New York Museum of Technology statt, das sich über dem unterirdisch gelegenen Hauptquartier der Bodger befindet. Der „Thaumeter“ ist das Werk des verstorbenen Erfinders Henry Glick, dem auf der Messe ein eigener Raum gewidmet ist und dessen Witwe Sarah das Gerät, dessen Funktion niemandem außer den Bodgern bekannt ist, im Rahmen einer kleinen Feier in Betrieb nehmen soll. Sarah Glick wird außerdem von Darius Katz, einem Investor und Sponsor der Messe, bedrängt, ihm die Patente ihres Mannes zu verkaufen. Sarah Glick willigt ein, den Thaumeter durch den Spieler deaktivieren zu lassen, aber nur unter der Bedingung, dass die Bodger, um die Reputation ihres verstorbenen Mannes zu retten, eine andere seiner Erfindungen zum Laufen bringen: Den AquaMotor, eine Maschine, die Wasser in Energie umwandelt.
Vom Museum aus unternimmt der Spieler kurze Ausflüge in den Central Park Zoo, die Penn Station, den Zuccotti Park und das Javits Center. Der Spieler kann den AquaMotor aktivieren und buchstäblich in letzter Sekunde den Thaumeter sabotieren, so dass Katz die Existenz der Bodger nicht aufdecken kann. Glick verkündet, die Patente ihres Mannes zur Gründung einer Stiftung für junge Erfinder nutzen zu wollen. Jack bietet dem Spieler an, ihn in die Gruppe der Bodger aufzunehmen.
Charaktere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eric Knight
Der Spieler ist ein 23-jähriger Nachwuchsforscher, der im Alter von 13 Jahren mit einer schmutzabweisenden Beschichtung einen mit 100.000 US-Dollar dotierten Erfinderpreis gewann und seit drei Jahren erfolglos an einem speziellen Laser arbeitet.
- Jack
Ein Bodger, der den Spieler in die Welt dieser magiebegabten Gruppe einführt.
- Sarah Glick
Witwe des verstorbenen Erfinders des Thaumeters, Henry Glick. Sie ist für den Spieler wie für den Antagonisten des Spiels der Schlüssel zur Erreichung ihrer jeweiligen Ziele.
- Darius Katz
Der Antagonist des Spiels: Ein zwielichtiger Investor, der die Erfindermesse finanziert und die Patente von Henry Glick billig erwerben möchte.
- Bruce Simmons
Norwegischer Erfinder, der einen „Anagrammer“ entwickelt hat, ein Gerät, das Gegenstände in ein Anagramm ihrer selbst verwandeln kann.
- Charles Ardai
Ein betrügerischer „Erfinder“ einer Maschine, die angeblich Wasser aus Stein erzeugt.
- Jean und Jodi Carlson
Die Zwillinge und Firmengründerinnen haben eine Maschine zum Kopieren von Gegenständen auf Molekularebene erfunden, kämpfen aber damit, wegen ihrer Attraktivität in der Männerwelt nicht ernst genommen zu werden.
- Malcolm Douglass
Erfinder eines Teleporters, den er für den Transport medizinischer Hilfsgüter verwenden will.
- Mike Dornbrook
Ein Pizzaverkäufer auf dem Platz vor der Messehalle. Dem gleichnamigen ehemaligen Infocom-Angestellten nachempfunden.
Ein junger Investor auf der Suche nach sozial verträglichen Investitionsgelegenheiten.
- Paul „Skeez“ Vettenmyer
Erfinder einer als DeLorean DMC-12 getarnten Zeitmaschine, die Gegenstände fünf Minuten in die Vergangenheit senden kann.
- Vitas Varnas
Australischer Erfinder einer Maschine, die Dinge unsichtbar macht. Er wurde nicht zur Ausstellung zugelassen, da er die Maschine auf sie selbst anwandte, so dass sie nicht mehr sichtbar ist.
Spielprinzip und Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thaumistry ist ein Textadventure. Das Spiel stellt die jeweilige Spielumgebung sowie das Geschehen in Textform dar, die Visualisierung obliegt der Fantasie des Spielers. Das Spiel findet wie bei einem Pen-&-Paper-Rollenspiel zugweise statt. Der Spieler gibt einen Zug als Befehl in natürlicher Sprache ein, wobei er auf die Spielumgebung, computergesteuerte Spielfiguren („NPCs“) oder mit sich geführte Gegenstände („Inventar“) Bezug nimmt. Das Herzstück des Spiels, der Parser, wertet wie der Spielleiter bei einem Pen-&-Paper-Rollenspiel die Eingabe aus, modelliert gegebenenfalls die Spielwelt um, teilt dem Spieler in Textform mit, was sein Zug bewirkt hat. Auf diese Weise kann der Spieler die Spielwelt erforschen, Rätsel lösen und dadurch die Handlung vorantreiben, wobei durch das Lösen bestimmter Rätsel weitere Areale der Spielwelt freigeschaltet werden.
Thaumistry bietet zwei technische Darstellungsweisen: Standard ist der Vollbildschirm-Modus, in dem der gesamte Bildschirm genutzt wird und der eine rudimentäre grafische Oberfläche bietet, über die auf das Menü und eine Landkartenfunktion zugegriffen werden kann. Alternativ kann ein Retro-DOS-Fenster mit ausschließlich textlicher Darstellung genutzt werden, wie es zur Blütezeit der Textadventures in den 1980er-Jahren gängig war und das als Nebeneffekt von Screenreadern problemlos ausgelesen werden kann und das Spiel so behindertengerecht macht.
Zaubersprüche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Thaumistry gelangt der Spieler nach und nach an ein Arsenal von 21 Zaubersprüchen (drei davon nur temporär), die er auf seine Umgebung oder sich selbst anwenden kann. Die Verwendung des richtigen Zauberspruchs an der richtigen Stelle ist essenziell für das Vorantreiben der Spielhandlung, während das ausprobierende Verwenden der Zaubersprüche an unpassenden Stellen einen signifikanten Teil des Reizes des Spiels ausmacht.
- ACELA: Beschleunigt Dinge, Personen oder Vorgänge
- ACERTA: Reduziert Unsicherheit
- ADAGIA: Verlangsamt Dinge oder Lebewesen
- ADELA: Erzeugt Dampf
- AIRFULLA: Füllt ein Objekt oder eine Person mit Luft
- ALCATRAZA: Biegt Gitter auseinander
- ALOHA: Beschwört eine Gruppe Hula-Tänzer
- ALPACA: Beschwört ein Alpaca
- ALTA: Lässt den Spieler in der Luft schweben
- ALVA: Behebt Probleme mit der Elektrik
- AMANA (temporär): Bestrahlt ein Objekt mit Mikrowellen
- AMNESIA (temporär): Verursacht Gedächtnisverlust
- AMPHORA: Beschwört griechische Kellner
- AMPLIA: Lässt dem Spieler leise Geräusche lauter erscheinen
- ANACONDA: Drückt einen Gegenstand oder ein Lebewesen zusammen
- ANAMNESIA: Stellt verlorene Erinnerungen wieder her
- ANTARCTICA (temporär): Beschwört eine Herde Pinguine
- ARETHA: Beschwört die Queen of Soul
- ASBESTA: Dämmt Gegenstände gegen Hitze
- AURA: Bringt Dinge zum Leuchten
- AYKROYDIA: Begradigt Ströme
Entwicklungs- und Veröffentlichungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erste Ideen zu einem Textadventure, das später einmal Thaumistry werden sollte, hatte Bates bereits 2005. Zu diesem Zeitpunkt war er nach langjähriger Geschäftsführertätigkeit bei Legend Entertainment als selbständiger Berater in der Videospielebranche tätig und verspürte den Wunsch, zwölf Jahre nach Eric the Unready wieder ein eigenes, persönliches Spiel zu schreiben.[1] Das archaische Genre des Textadventures bietet Bates zufolge eine „intime Bindung“ zwischen Autor und Spieler, da der Autor mögliche Aktionen des Spielers antizipieren könne und der Spieler genau dieses Antizipieren der eigenen Gedankengänge erkennen und wertschätzen würde.[2] Außerdem wollte er versuchen, den Spaß, den er 1993 bei seiner Arbeit an Eric the Unready hatte, wiederaufleben zu lassen.[3] In einem Interview mit dem Branchenmagazin Gamasutra fasste Bates seine Designüberlegungen so zusammen:
“You need to ground players in the gameworld so they have a context for what’s going on; you need to hold their hand as they start to play, and not overwhelm them with too much too soon; and you need to constantly deliver whatever kind of fun you promised when you enticed them to start playing.”
Der Arbeitstitel des Spiels war Bodgers. Zwar ist Thaumistry im Kern ein auf Unterhaltung ausgelegtes Spiel mit einer fröhlichen Grundatmosphäre, jedoch bemühte sich Bates nach eigener Aussage, als Metathema im Hintergrund den Spieler herausfinden zu lassen, wie Entscheidungen im Leben getroffen werden und wie sie die eigene Identität formen und verändern.[4] In technischer Hinsicht plante er zunächst, sein Konzept mittels der Programmiersprache Inform umzusetzen, entschied sich später aber wegen der HTML-Unterstützung und der Nähe zu C für TADS. Er programmierte das Spiel über die nächsten zwölf Jahre hinweg in seiner Freizeit.
Im Januar 2017 startete Bob Bates eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter, um 25.000 US-Dollar für die weitere Produktion des Spiels einzunehmen.[5] Während Bates bis dahin alleine am Spiel gearbeitet hatte, sollte das Geld in freie Mitarbeiter investiert werden, um das Spiel technisch zu verbessern und an kommerzielle Plattformen anzubinden.[6] Eine Veröffentlichung wurde für Juli 2017 avisiert. Im Promotionsvideo zur Kampagne traten die Spieledesigner Al Lowe, Steve Meretzky und Tim Schafer auf, die Soundeffekte stammten von Chris Hülsbeck.[7] Im Rahmen der vierwöchigen Kampagne wurden gut 35.000 US-Dollar eingenommen. Damit wurde eines der sogenannten „Stretch Goals“ erreicht, eine für Crowdfunding-Kampagnen von Computerspielen gängige Erweiterung des Spielumfangs bei Erreichen bestimmter Geldbeträge. Für das Erreichen der 35.000-Dollar-Marke wurde die Erstellung von „digitalen Feelies“ versprochen, Spielbeilagen im Stile der alten Infocom-Spiele, die Hintergrunddetails für die Spielwelt liefern und so die Immersion des Spielers verstärken sollen. Im Falle von Thaumistry waren dies eine Informationsbroschüre für Bodger, eine Ausgabe der fiktiven New Bodge Times und ein Interview mit Eric Knight im fiktiven Invent! Magazine von September 2017. Für das Erreichen der 40.000- bzw. 50.000-Dollar-Marken wurden Umsetzungen für mobile Endgeräte mit dem Betriebssystem Android respektive iOS versprochen. Das Ziel wurde zwar nicht erreicht, aber beide Versionen wurden dennoch entwickelt und mit einiger Verzögerung veröffentlicht. Eine Besonderheit stellte dabei das geräteübergreifende Synchronisieren von Spielständen dar.[8]
Das Spiel erschien am 8. Oktober 2017 über die Vertriebsplattform Steam für Personal Computer mit den Betriebssystemen Linux, macOS oder Windows. Die Version für mobile Endgeräte mit den Betriebssystemen Android und iOS folgte im Februar 2019.
Rezeption
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