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Streifenkuckuck

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Streifenkuckuck

Streifenkuckuck (Tapera naevia)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Kuckucksvögel (Cuculiformes)
Familie: Kuckucke (Cuculidae)
Unterfamilie: Erdkuckucke (Neomorphinae)
Gattung: Tapera
Art: Streifenkuckuck
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Tapera
Thunberg, 1819
Wissenschaftlicher Name der Art
Tapera naevia
(Linnaeus, 1766)

Der Streifenkuckuck (Tapera naevia), auch Vierflügelkuckuck oder Lerchenkuckuck genannt, ist eine Kuckucksart der Neotropis. Er ist der einzige Vertreter der Gattung Tapera.

Der Streifenkuckuck erreicht eine Körperlänge von 26 bis 29 cm. Es besteht kein Geschlechtsdimorphismus.[1]

Adulte Vögel sind oberseits überwiegend braun mit beiger und schwarzer Streifung. Der Kopf trägt eine schwärzliche Haube, die von rötlichbraunen Federn durchsetzt ist. Das Auge ist von einem unbefiederten, gelben Hautring umgeben. Die Iris ist bräunlich bis grünlich gefärbt, der Schnabel braun mit orangebrauner Basis. Der Überaugenstreif ist weiß, der feine Bartstreif schwarz. Die Unterseite ist überwiegend weißlich mit einer deutlichen, schwarzen Strichelung an den Seiten von Kehle und Brust. Der Unterbauch ist weiß. Aus dem zusammengelegten Flügel steht der vergrößerte Daumenfittich auffällig heraus. Beine und Füße sind graubraun gefärbt.[2]

Vögel im Jugendkleid sind insgesamt rötlicher gefärbt. Die Haube ist schwarz mit einer beigen Fleckung. Auf dem Rücken und den Oberflügeldecken finden sich ebenfalls beige Flecken. Die Unterseite ist beige gefärbt und trägt eine feine schwarze Strichelung. Auf dem weißen Unterbauch finden sich feine dunkle Flecken.[2]

Verbreitungsgebiet (grün) des Streifenkuckucks

Der Streifenkuckuck kommt in Süd- und Mittelamerika vor. Das Verbreitungsgebiet reicht von Mexiko entlang der Anden bis nach Argentinien und Brasilien.[3] Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes sowie der Häufigkeit der Art wird diese seitens der IUCN als nicht gefährdet (least concern) eingeschätzt. Die Populationsgröße wird auf 500.000–4.999.999 Individuen geschätzt. Zudem scheint der Bestandstrend positiv zu sein.[4]

Streifenkuckucke leben in Wäldern mit dichtem Unterwuchs, in tropischen Regenwäldern, Mangrovenwäldern, der Restinga sowie in verbuschten Sukzessionsflächen.

Streifenkuckucke fliegen selten, meistens bewegen sie sich am Boden fort. Als Hauptnahrung dienen Insekten wie z. B. Großlibellen, Schaben, Käfer und Raupen, es werden aber auch Früchte verzehrt. Die Nahrung wird hauptsächlich vom Boden gesammelt. Hierfür wiegt der Streifenkuckuck sich hin und her und stellt plötzlich seine großen Alula auf. Dies scheucht vermutlich die Beute auf, die er danach vom Boden pickt.[5]

Der Streifenkuckuck ist im Unterschied zu den meisten anderen Arten der Erdkuckucke ein Brutparasit. Die häufigsten Wirte sind Töpfervögel (Furnariidae). Das Kuckucksweibchen verbleibt etwa eine Woche in der Nähe der von ihr ausgewählten Wirtseltern und wartet, bis das Tonnest fertig gebaut ist. Danach versucht das Weibchen durch den tunnelförmigen Eingang das Nest zu betreten oder zerstört eine Seite des geschlossenen Nestes. Meist wird das Nest durch die Wirtsvögel nach der Eiablage repariert. Die Kuckucksjungen schlüpfen nach etwa 15 Tagen. Jungvögel der Wirtseltern werden durch Schnabelpicken getötet und durch die Eltern aus dem Nest transportiert. Das Kuckucksjunge verlässt das Nest nach etwa 16–18 Tagen, indem es die Außenwände des Tonnestes zerstört, da es meist zu groß für den normalen Eingang ist.[6]

Laut IOC World Bird List ist die Art monotypisch.[7] Tapera naevia (Linnaeus, 1766)[8] ist vom südlichen Mexiko über das nördliche Südamerika über Brasilien und Bolivien bis in den Norden Argentiniens präsent.

Die früher als Unterart anerkannte T. n. excellens (Sclater, PL, 1858)[9] soll heller sein und hat einen längeren, kräftigeren Schnabel als die Nominatform. Ihr Verbreitungsgebiet galt als vom Süden Mexikos bis nach Panama.[2]

Als weitere Synonyme werden Tapera brasiliensis Thunberg, 1819[10], Coccyzus chochi Vieillot, 1817[11], Diplopterus mexicanus Sclater, PL, 1858[12] und Tapera naevia major Brodkorb, 1940[13] betrachtet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

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Streifenkuckuck illustriert von Carl Peter Thunberg

Die Erstbeschreibung des Streifenkuckucks erfolgte 1766 durch Carl von Linné unter dem wissenschaftlichen Namen Cuculus naevius. Als Verbreitungsgebiet gab er Cayenne an.[8] 1819 führte Carl Peter Thunberg die neue Gattung Tapera für den Streifenkuckuck (Synonym Tapera brasiliensis) ein.[10] Dieser Name leitet sich aus der Tupi-Sprache ab. Dort ist Matim tapirera ein Kuckuck, dessen Schreie an einen Totenvogel wie beispielsweise eine Krähe erinnert.[14] Der Artname naevius hat seinen Ursprung in lateinisch naevius, naevus ‚fleckig, markiert, Fleck, Makel‘.[15] Brasiliensis bezieht sich auf das Land Brasilien[10], mexicanus auf Mexiko.[12] Excellens leitet sich von lateinisch excellere ‚übertreffen, hervortun‘ ab.[16] Chochi ist der Guaraní-Name für den Streifenkuckuck. Vieillot bezog sich bei seiner Beschreibung auf Cucillo del chochí[17] und Cucillo del chirri[18] von Félix de Azara.[11] Schließlich leitet sich major von lateinisch maior, maioris, magnus ‚größer, groß‘ ab.[19] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher in Puerto Sastre im Gran Chaco, zur Verfügung. In der Literatur sah er Nachweise in Lambaré durch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch[20], in Fortin Donovan[21] am Río Pilcomayo und Concepción[22] durch John Graham Kerr, in Sapucai[23] durch Charles Chubb, in Cabo Emma[24] durch Claude Henry Baxter Grant, im Nationalpark San Rafael[25] durch Roberto Dabbene, im Departamento Alto Paraná[26] durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in Trinidad[27] durch Elsie Naumburg als Nachweis für Paraguay. Laubmann erwähnte, dass Outram Bangs und Thomas Edward Penard die Art erneut in die Unterart Tapera naevia chochi[28] stellten, da die Exemplare aus Paraguay größere Flügel hätten. Dieses wäre im Einklang mit den Analysen von Frau Naumburg. Aufgrund einer Studie von Herbert Friedmann[29] aus dem Jahr 1933 zog Laubmann, aber den Unterartenstatus in Zweifel.[30]

  • Félix de Azara: Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band 2. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1805, S. 359–365, 369–373 (biodiversitylibrary.org).
  • Outram Bangs, Thomas Edward Penard: Notes on a collection of Surinam birds. In: Bulletin of the Museum of Comparative Zoology at Harvard College. Band 62, Nr. 2, 1918, S. 25–93 (biodiversitylibrary.org).
  • Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Systematisches Verzeichniss der von Herrn Ricardo Rohde in Paraguay gesammelten Vögel. In: Journal für Ornithologie (= 4. Band 15). Nr. 177, 1887, S. 1–37 (biodiversitylibrary.org).
  • Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni: Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay : peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band 59, Nr. 1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S. 1–86 (google.de).
  • Pierce Brodkorb: New Birds from Southern Mexico. In: The Auk. Band 57, Nr. 4, 1940, S. 542–549 (englisch, usf.edu [PDF; 420 kB]).
  • Charles Chubb: On the Birds of Paraguay Part II. In: The Ibis (= 9. Band 4). Nr. 13, 1910, S. 263–285 (biodiversitylibrary.org).
  • Roberto Raúl Dabbene: Contribucion a la Ornitología del Paraguay - Notas sobre las aves colectadas en Vila Rica por el Señor Félix Posner. In: Anales del Museo Nacional de Historia Natural de Buenos Aires. Band 23, 1912, S. 283–390 (biodiversitylibrary.org).
  • Johannes Erhitzøe, Clive F. Mann, Frederik P. Brammer, Richard A. Fuller: Cuckoos of the World (Helm Identification Guide). Christopher Helm, London 2012, ISBN 978-0-7136-6034-0.
  • Herbert Friedmann: A Contribution to the Life-history of the Crespín or Four-winged Cuckoo, Tapera nævia. In: The Ibis. Band 75, Nr. 3, 1933, S. 532–539, doi:10.1111/j.1474-919X.1933.tb03342.x.
  • Claude Henry Baxter Grant: List of Birds collected in Argentinia, Paraguay, Bolivia, and South Brazil, with Field notes Part II. In: The Ibis (= 9. Band 5). Nr. 18, 1911, S. 317–350 (biodiversitylibrary.org).
  • John Graham Kerr: On the Avifauna of the Lower Pilcomayo. In: The Ibis (= 6. Band 4). Nr. 13, 1892, S. 120–152 (biodiversitylibrary.org).
  • John Graham Kerr: On the Birds observed during a Second Zoological Expedition to the Gran Chaco. In: The Ibis (= 8. Band 1). Nr. 13, 1901, S. 215–236 (biodiversitylibrary.org).
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 191–192 (google.de).
  • Carl von Linné: Systema Naturae per Regna Tria Naturae, Secundum Classes, Ordines, Genera, Species, Cum Characteribus, Differentiis, Synonymis, Locis. 12. Auflage. Band 1. Imprensis Direct Laurentii Salvii, Stockholm 1766 (biodiversitylibrary.org).
  • Elsie Margaret Binger Naumburg: The birds of Matto Grosso, Brazil. A report on the birds secured by the Roosevelt-Rondon Expedition. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 60, 1930, S. i-vii, 1–432 (amnh.org).
  • Robert B. Payne: The Cuckoos (= Bird Families of the World. Nr. 15). Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 0-19-850213-3.
  • Robert B. Payne: American Striped Cuckoo (Tapera naevia) in Handbook of the Birds of the World. Hrsg.: Josep del Hoyo, Andrew Elliott, David Christie. 4 (Sandgrouse to Cuckoos). Lynx Edicions, Barcelona 1997, ISBN 84-87334-22-9, S. 605.
  • Philip Lutley Sclater: On a Collection of Birds Received by M. Sallé from Southern Mexico. In: Proceedings of the Zoological Society of London. Band 25, Nr. 341, 1857, S. 226–230 (biodiversitylibrary.org).
  • Carl Peter Thunberg: Tapera Brasiliensis, Et nytt Fogel-Slågte. In: Göteborgs Kongl. Wettenskaps och Witterhets Samhållets nya handlingar. Band 3, 1819, S. I–VI (google.de).
  • Louis Pierre Vieillot: Nouveau dictionnaire d'histoire naturelle, appliquée aux arts, à l'agriculture, à l'économie rurale et domestique, à la médecine, etc. Par une société de naturalistes et d'agriculteurs. Band 8. Deterville, Paris 1817 (biodiversitylibrary.org).
Commons: Streifenkuckuck (Tapera naevia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Payne, S. 183.
  2. a b c Payne, 1997, siehe Literatur.
  3. Erritzoe et al., S. 116.
  4. Tapera naevia in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013. Eingestellt von: BirdLife International, 2012. Abgerufen am 26. Juni 2013.
  5. Payne, S. 185.
  6. Erritzoe et al., S. 116–117.
  7. IOC World bird list Turacos, bustards, cuckoos, mesites, sandgrouse
  8. a b Carl von Linné (1766), S. 170.
  9. Philip Lutley Sclater (1858), S. 229–230.
  10. a b c Carl Peter Thunberg (1819), S. I–VI & Tafel.
  11. a b Louis Pierre Vieillot (1817), S. 272–273.
  12. a b Philip Lutley Sclater (1858), S. 230.
  13. Pierce Brodkorb (1940), S. 542–549.
  14. Tapera The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  15. naevius The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  16. excellens The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  17. Félix de Azara (1805), S. 359–365.
  18. Félix de Azara (1805), S. 369–373.
  19. major The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  20. Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 24.
  21. John Graham Kerr (1892), S. 129.
  22. John Graham Kerr (1901), S. 229.
  23. Charles Chubb (1910), S. 272
  24. Claude Henry Baxter Grant (1911), S. 325.
  25. Roberto Dabbene (1911), S. 297.
  26. Arnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 48.
  27. Elsie Margaret Binger Naumburg (1930), S. 167.
  28. Outram Bangs u. a. (1930), S. 50.
  29. Herbert Friedmann (1930), S. 532–539.
  30. Alfred Laubmann (1939), S. 191–192.