Er liegt inmitten einer hügeligen Landschaft in einem kesselförmigen großen Becken rund 370km nordwestlich von Addis Abeba und rund 70km südlich von Gonder in einer Höhe von ca. 1786m über dem Meeresspiegel.[3] Er ist ca. 70km lang und bis zu 65km breit und hat eine Fläche von mehr als 3000km². Seine Tiefe beträgt im Durchschnitt 8m, maximal nur etwa 14m.[4] Der Seespiegel schwankte vor der Regulierung entsprechend den Niederschlagsmengen um ca. 1,6m, wobei der Höchststand im August bei einem Niederschlag von 500mm (im Monat) erreicht wurde.[5] Dadurch wurden größere Flächen Uferland überschwemmt, was zur Fruchtbarkeit der Äcker beitrug.[6]
An der Südspitze des Sees liegt Bahir Dar, die Hauptstadt der Provinz Amhara und die drittgrößte Stadt Äthiopiens. In dem See befinden sich zahlreiche Inseln, deren Zahl je nach Wasserstand variiert. Neueste Zählungen gehen von etwa 30 Inseln aus.
Der Tanasee hat ein Einzugsgebiet von 15.054km²[7][8], nach anderen Angaben von 15.340km².[9] Die jährlichen Niederschläge betragen zwischen 1450mm in Bahir Dar und 1050mm in Gondar. Die Regenzeit dauert im Süden des Einzugsgebiets von April/Mai bis Oktober/November, in den nördlichen Bereichen ist sie etwas kürzer.[10]
Der See hat mehr als 30 Zuflüsse, die größten sind der Gilgel Abay (Kleiner Abbai), der Gumara und der Rib. Erwähnenswert ist außerdem der Kleine Angereb, an dem das Angereb Reservoir zur Trinkwasserversorgung der Stadt Gonder errichtet wurde.
Der natürliche Abfluss des Sees ist der Abbai (englischAbay oder Abbay), wie der Blaue Nil in Äthiopien genannt wird, bei Bahir Dar. Der Abfluss wird seit 1996 durch das 3m hohe Chara-Chara-Wehr reguliert, mit dem der Wasserspiegel des Sees zwischen 1784m und (einschließlich eine Überlaufs von 0,5m) maximal 1787,5m ü.d.M. reguliert werden kann.
Das Chara-Chara-Wehr wurde gebaut, um die starken Schwankungen der Höhe des Wasserspiegels aufgrund der Regenzeiten auszugleichen und ausreichend Wasser für die ca. 30km flussabwärts stehenden Tis-Abay-Kraftwerke auch in der Trockenzeit sicherzustellen.
Seit der Inbetriebnahme des Tana-Beles-Kraftwerks im Jahre 2010 hat der Tanasee einen weiteren Abfluss durch dieses Kraftwerk in den Beles, der kurz vor der sudanesischen Grenze in den Blauen Nil mündet.
Das Einzugsgebiet des Tanasees besteht aus kaum (noch) bewaldetem Bergland, das von der stetig zunehmenden Bevölkerung bis in immer größere Höhen zum Eigenbedarf auf meist weniger als einem halben Hektar pro Familie[13] bewirtschaftet wird. In dem Gebiet wohnen etwa 3 Millionen Menschen, die meist in äußerst bescheidenen Verhältnissen von Landwirtschaft und Fischfang leben.[14]
Gemäß dem Ethiopian Department of Fisheries and Aquaculture wurden 2002 insgesamt 1454 Tonnen Fisch in Bahir Dar angelandet. Dabei handele es sich nur um 15% der nachhaltig verfügbaren Menge.[15] Andere weisen darauf hin, wie leicht der Fischbestand gefährdet werden kann.[5]
Tourismus zu den Klöstern und den Wasserfällen spielt eine zunehmende wirtschaftliche Rolle.
Auf dem See verkehren 12 Schiffe der staatlichen Lake Tana Transport Enterprise, die Personen und Fracht befördern (Stand 2008). Vier der Schiffe stammen noch aus der Zeit von Italienisch-Ostafrika. Sie wurden 1941 von den abziehenden Italienern versenkt, anschließend auf äthiopische Initiative wieder gehoben und instand gesetzt und waren 40 Jahre lang die einzigen Boote des Unternehmens.[16]
Daneben werden die traditionellen Tankwas benutzt, aus Papyrus hergestellte Boote unterschiedlicher Größe vom Ein-Mann-Kanu bis zum Lastkahn.
Der Tanasee ist ein wichtiges Regulativ für die Trockenzeit, er steuert in der Trockenzeit 25% des Wassers des Abbay an der sudanesischen Grenze bei. Wegen seiner geringen Tiefe ist er jedoch anfällig für Ereignisse, die sonst nicht vergleichbare Auswirkungen hätten. Während der Dürre im Jahr 2003 fiel der Wasserspiegel des Sees um 2m, teilweise auch infolge des Bedarfs der Tis-Abay-Kraftwerke. Seine Oberfläche wurde dadurch um 35km² reduziert, die Schifffahrt musste für drei Monate eingestellt werden. Während der Flut im Jahr 2006 wurden dagegen mehr als 15.000 ha überschwemmt, 10.000 Personen wurden vertrieben und 2500 Haustiere fortgeschwemmt.[13] Die zunehmende Erosion beschleunigt dabei die Verlandung des Sees.
Nachdem das Tana-Beles-Kraftwerk zusätzlichen Bedarf an abfließendem Wasser geschaffen hat, dürfte die Zukunft des Tanasees und seiner Bewohner erheblich von der richtigen Steuerung des Chara-Chara-Wehrs abhängen.
↑In äthiopischen Quellen wird heute der regulierte Wasserstand zwischen 1784 und 1787m ü.d.M. angegeben. Frühere Höhenangaben schwankten: Ein Weltatlas, Gondrom, 1994 und Eshete Dejen: 1.830 m; Brockhaus und englische WP: 1.840 m ü.M.
↑Laut Brockhaus von 1934 werden in der Regenzeit 600km² überschwemmt, was der Grund für die sehr unterschiedlichen Oberflächenangaben sein dürfte: Eshete Dejen: 3.050 km²; englische WP: 3.000–3.500 km², www.tiscali: 3.600 km², www.encyclopedia2: 3.620 km².
↑Das Einzugsgebiet des Tanasees ist ein Teil des Einzugsgebiets des Blauen Nils, das in Äthiopien rund 200.000km² umfasst.
12Martin de Graaf, Eshete Dejen, Jan W. M. Osse u. F.A. Sibbing: Adaptive radiation of Lake Tana's (Ethiopia) Labeobarbus species flock (Pisces, Cyprinidae). Januar 2008, Marine and Freshwater Research 59(5), DOI: 10.1071/MF07123
↑Martin de Graaf, Hendrik-Jan Megens, Johannis Samallo, Ferdinand Sibbing: Preliminary insight into the age and origin of the Labeobarbus fish species flock from Lake Tana (Ethiopia) using the mtDNA cytochrome b gene. Mol Phylogenet Evol. 2010 Feb;54(2):336-43. doi: 10.1016/j.ympev.2009.10.029