Martyn Iwanowitsch Lazis

Martyn Iwanowitsch Lazis (lettisch Mārtiņš Lācis, Geburtsname: Jānis Sudrabs, russisch Мартын Иванович Лацис) (* 16. Dezember 1888 in Vecpiebalga, Russisches Kaiserreich, heute Lettland;[1] † 20. März 1938)[2] war ein kommunistischer Revolutionär, sowjetischer Politiker und hoher Offizier der Tscheka.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jānis Sudrabs war ein Sohn des Landarbeiters und Dienstboten Pidriķis Sudrabs und seiner Ehefrau Katrīne. Jānis Sudrabs besuchte die örtliche Gemeindeschule. Nebenher verdingte er sich als Hütejunge.[3] Nach der Schulzeit begann er eine Lehre als Tischler.
Lehrer und Kommunist
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Frühjahr 1905 trat Sudrabs der Lettischen Sozialdemokratischen Partei bei und beteiligte sich an der Revolution von 1905. 1907 erhielt er eine Stelle als Hilfslehrer an der Gemeindeschule in Krimulda. 1908 bestand er die Lehrerprüfung für Volksschulen. Er arbeitete als Lehrer an den Schulen in Lielstraupe und in Vecsalaca (östlich von Salacgrīva). Gleichzeitig war er als Propagandist im Untergrund für die Sozialdemokratie tätig. Da ihn die Ochrana, die Geheimpolizei im zaristischen Russland, beobachtete, zog er 1910 nach Riga. Die Partei verschaffte ihm im selben Jahr einen Pass mit dem Decknamen Mārtiņš Lācis. Um sich der Überwachung durch die Geheimpolizei zu entziehen, arbeitete er von 1911 bis 1913 unter dem Namen Mārtiņš Lācis als Vermessungsgehilfe im Nordkaukasus. 1913 entsandte die Partei ihn nach Moskau. Dort belegte er Kurse in Geschichte und Philosophie an der von Alfons Leonowitsch Schanjawski gestifteten Volksuniversität.
Im August 1915, während des Ersten Weltkrieges, spürte die Ochrana eine von Lācis betriebene Untergrunddruckerei auf. Er wurde verhaftet und in das Gouvernement Irkutsk verbannt, aus dem er im folgenden Jahr nach Petrograd flüchtete. 1917 war er einer der Organisatoren der Roten Garde in Wyborg. Während der Oktoberrevolution war er Mitglied des Petrograder Revolutionären Militärkomitees.
Tschekist
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit dem November 1917 gehörte Lācis zur Leitung des NKWD. Ab Mai 1918 gehörte er der Tscheka an und bekämpfte als Vorreiter des Roten Terrors in brutaler Weise die Konterrevolution. Im Sommer 1918 schrieb er an die Kommandantur der Tscheka in Kasan: „Es ist nötig, mehr Bourgeoisie zu vernichten. Sucht nicht nach juristischen Beweisen gegen die Gegner der Sowjetmacht. In erster Linie habt ihr diese Typen zu fragen, welcher Klasse sie angehören, welche Bildung und Ämter sie haben. Diese Fragen haben das Schicksal des Häftlings zu entscheiden. So ist das Wesen des Roten Terrors.“[4] Lācis leitete im russischen Bürgerkrieg vom Juni bis zum November 1918 die Tscheka an der Ostfront (im Osten des europäischen Teiles Russlands) sowie 1919 und 1920 in der Ukraine.[3] Dort wurde er als „Massenmörder von Kiew“ bekannt.[5] Zu dieser Zeit galten die beiden Letten Lācis und Jēkabs Peterss als linke und rechte Hand Dzierżyńskis.[6]
Funktionär
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Bürgerkrieg leitete Lācis verschiedene Betriebe und Verwaltungen. Von 1921 bis 1923 war er Vorsitzender der Hauptverwaltung für die Salzindustrie im Bergbauministerium Sowjetrusslands bzw. (ab 1922) der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik. Von 1923 bis 1928 war er Vorsitzender des Syndikats der Sowchosen im Volkskommissariat für Landwirtschaft und von 1928 bis 1930 stellvertretender Leiter der Abteilung für Landwirtschaft beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Von 1930 bis 1932 leitete er den Verband der Fischereibetriebe in Ostsibirien und von 1932 bis 1937 die Plechanow-Wirtschaftsakademie in Moskau. Zudem versuchte er sich als Literat und veröffentlichte eine Autobiografie sowie Theaterstücke und Gedichte.
Am 29. November 1937 wurde Lācis im Zuge der Lettischen Operation des NKWD unter dem Vorwurf der Zugehörigkeit zu einer „konterrevolutionären nationalistischen Organisation“ verhaftet. Er wurde zum Tode verurteilt und am 20. März 1938 erschossen.
Postume Rehabilitierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge der Entstalinisierung wurde Lācis 1956 juristisch rehabilitiert.
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zwei Jahre Kampf an der inneren Front (russisch: Два года борьбы на внутреннем фронте). 1920.
- Die Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution (russisch: Чрезвычайные комиссии по борьбе с контрреволюцией). 1921.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]in der Reihenfolge des Erscheinens
- Vilis Rudzītis, Ilga Rutmane: Mārtiņš Sudrabs-Lācis. Cēsu vēstures un mākslas muzejs, Cēsis 1977.
- Ilga Gore, Ojārs Niedre: Mārtinš Lācis – čekists un literāts. Avots, Riga 1989.
- Art. Latsis, Martyn Ivanovich (Lācis, Mārtiņš). In: Jonathan D. Smele: Historical dictionary of the Russian civil wars, 1916–1926. Rowman & Littlefield, Lanham 2015, Band 1, ISBN 978-1-4422-5280-6, S. 658.
Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ilga Gore, Ojārs Niedre: Mārtinš Lācis – čekists un literāts. Avots, Riga 1989, S. 7.
- ↑ Ilga Gore, Ojārs Niedre: Mārtinš Lācis – čekists un literāts. Avots, Riga 1989, S. 124.
- ↑ a b Art. Latsis, Martyn Ivanovich (Lācis, Mārtiņš). In: Jonathan D. Smele: Historical dictionary of the Russian civil wars, 1916–1926. Rowman & Littlefield, Lanham 2015, Band 1, ISBN 978-1-4422-5280-6, S. 658.
- ↑ Zitiert in: Igors Vārpa: Latviešu karavīrs zem Krievijas impērijas, Padomju Krievijas un PSRS karogiem. Latviešu strēlnieki triju vēstures laikmetu griežos. Nordik, Riga 2006, ISBN 9984-792-11-0, S. 290.
- ↑ Björn M. Felder: Lettland im Zweiten Weltkrieg. Zwischen sowjetischen und deutschen Besatzern, 1940–1946. Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76544-4, S. 130.
- ↑ Igors Vārpa: Latviešu karavīrs zem Krievijas impērijas, Padomju Krievijas un PSRS karogiem. Latviešu strēlnieki triju vēstures laikmetu griežos. Nordik, Riga 2006, S. 452.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lazis, Martyn Iwanowitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Lācis, Mārtiņš; Лацис, Мартын Иванович (russisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | sowjetischer Revolutionär, Politiker und Offizier der Staatssicherheit |
| GEBURTSDATUM | 16. Dezember 1888 |
| GEBURTSORT | Vecpiebalga |
| STERBEDATUM | 20. März 1938 |