Profos (Militär)
Der Profos (auch Profoss, früher auch Profoß, Provost und Profot) war ein für Strafverfolgung bzw. Strafvollstreckung zuständiger Militärbeamter.


Die Bezeichnung leitet sich von lateinisch praepositus ‚Vorsteher‘, wörtlich ‚Vorgesetzter‘, her. Sie entwickelte sich über mittellateinisch propostus und althochdeutsch prōbōst[1] zum heutigen Profos. Im Mittelniederländischen schrieb der Begriff sich provoost, im Französischen prévôté. Im Ancien Régime gab es den prévôt, von dessen altertümlicher Schreibweise sich der Familienname Prévost herleitet. Das ebenfalls vom lateinischen praepositus abgeleitete Amt des Propstes ist hingegen ein kirchliches Amt.
Der Profos war im 16. Jahrhundert ein mit der Regimentspolizei beauftragter Militärbeamter, der sich in seinem Regiment um die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung unter den Landsknechten zu kümmern hatte. Zum Stab größerer Landsknechtsheere gehörten zudem der „Oberste Feldprofos“ und der „Oberste Feldprofandmeister“. Den Profosen in Landsknechtheeren waren der Stockmeister (etwa als Leiter der Gefängnisverwaltung), der „Steckenknecht“ und der „Nachrichter“ unterstellt.[2] Bis in den Dreißigjährigen Krieg war der Profos einer Kompanie bzw. einem Fähnlein zugeordnet und mit der Strafverfolgung, polizeilicher Aufsicht und Ausführung bzw. Delegation von Disziplinarstrafen beauftragt.[3]
Im österreichischen Heer wurde die Stellung der Profose bis 1867 von altgedienten Unteroffizieren („Herr Vater“) ausgeübt, die ehrenrührige Ausführung der Körperstrafen wurde durch die Steckenknechte besorgt. Im altpreußischen Heer gab es bis zu den Reformen Scharnhorsts bei jedem Regiment einen Profos, der jedoch Körperstrafen selbst vollstreckte (wie der bereits im Landsknechtsheer zu den Profosen gehörende Stockmeister bzw. Steckenknecht[4]) und daher wie der Henker einen „unreinen Beruf“ mit ausgesprochen niedrigem Ansehen ausübte.
In Preußen erhielten 1719 die Profose als Parodie auf die vom Soldatenkönig verachtete französische Régence-Mode graue Uniformen mit farbigen Abzeichen und weißen Knöpfen. Der Generalprofos als Generalpolizeimeister der Armee hingegen darf mit den Regimentsprofosen nicht verwechselt werden. Als Stabsoffizier trug er den normalen blauen Rock mit roten Abzeichen und gelbmetallenen Knöpfen. Auch bei den Truppen der verschiedenen Reichskreise hatten Profose ein höheres Ansehen, das ihrer Machtposition eher entsprach.
Provost Marshal
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im englischsprachigen Raum lebt das Wort Profos als Provost (Militärpolizist) weiter. Dort wie auch bei NATO-Missionen ist der Provost Marshal der Kommandeur der zugeordneten Militärpolizei (Feldjäger) ab Brigadeebene oder für einen Missionsraum (Mission theater).
Bei der United States Army ist der Provost Marshal General der Chef des Criminal Investigation Command, der direkt dem Chief of Staff of the Army untersteht.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. 10. Auflage. F. A. Brockhaus, Leipzig 1853.
- Duden. Ausgaben ab 5. Auflage 1897.
- Hans-Michael Möller: Das Regiment der Landsknechte. Untersuchungen zu Verfassung, Recht und Selbstverständnis in deutschen Söldnerheeren des 16. Jahrhunderts (= Frankfurter Historische Abhandlungen. Band 12). Wiesbaden 1976 (zugleich Philosophische Dissertation, Frankfurt am Main 1973), S. 144–165.
- Hans Bleckwenn: Die friderizianischen Uniformen. Band 4. Osnabrück 1984, S. 51–52.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Herkunft von Probst duden.de
- ↑ Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 81 (zu „Oberster Feldtprofoß“ und „Oberster Feldtprofandmeister“) und 82 (zum Profoß bzw. „Profoß der Reisigen und Ritterschafft“ und zum „Profoß der Arckelley“, das heißt der Artillerie).
- ↑ Vgl. Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 94–100, insbesondere S. 96 und 101.
- ↑ Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 1566, Blatt 82.