Stistait kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und konnte bisher nur in Form von würfelähnlichen Kristallen von 0,02 bis 0,15 Millimetern Größe sowie in Mineral-Aggregaten mit Zinn gefunden werden. Das Mineral ist undurchsichtig (opak) und zeigt auf den hellgrauen, auf polierten Flächen auch cremeweißen, Oberflächen einen metallischen Glanz. Aufgrund den bisher gefundenen zu geringen Probengrößen konnte noch keine Strichfarbe ermittelt werden.
Entdeckt wurde Stistait in Schwermineral-Fraktionen aus Seifenlagerstätten im Bereich der rechten Nebenflüsse des Elkiaidai-Stroms (russischЕлкиайдай), genauer an der äußersten Ostspitze des Nordens, im Nuratau-Gebirge in der Viloyat Sirdaryo im Osten von Usbekistan. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch E. P. Nikolajewa, W. A. Grigorenko, S. D. Gagarkina und P. Je. Zypkina (russischЭ. П. Николаева, В. А. Григоренко, С. Д. Гагаркина, П. Е. Цыпкина), die das Mineral in Anlehnung an dessen Zusammensetzung aus Antimon (lateinischStibium) und Zinn (lateinischstannum) und dem bei Mineralen üblichen Anhang „it“ Stistait nannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1969 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1969-039[1]), die den Stistait als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Jahr darauf im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russischЗаписки Всесоюзного Минералогического Общества) veröffentlicht.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht definiert beziehungsweise nicht dokumentiert.[5][6]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[7]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stistait in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Legierungen und legierungsartige Verbindungen“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Verbindungen von Halbmetallen mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.AA.45 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stistait die System- und Mineralnummer 01.03.01.05. Das entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Halbmetalle und Nichtmetalle“ in der „Arsengruppe“, in der auch Arsen, Antimon, Stibarsen und Bismut eingeordnet sind.
Stistait ist unlöslich in Salzsäure (HCl), wird in verdünnter Salpetersäure (HNO3) teilweise gelöst und in konzentrierter HNO3 unter Erosion vollständig gelöst.[8]
Weitere bisher dokumentierte Fundorte sind der „Rapid shipwreck“ im Exmouth Shire in Westaustralien, die Antimon-Lagerstätte „Dzhalama“ (auch Jalama) im Tschatkalgebirge in Kirgisistan, der Fluss Tamaña in der Gemeinde (Municipio) Nóvita im kolumbianischen Departamento del Chocó, die Seifenlagerstätte „Baimka“ im Rajon Bilibinski und die Goldlagerstätte „Kubaka“ im Rajon Ochotsk des Autonomen Kreises der Tschuktschen, das Kovdor-Massiv auf der Halbinsel Kola in der Oblast Murmansk, der Kimberlitschlot in West-Ukukit am Olenjok in der Republik Sacha (Jakutien) und Flussseifen des Shamsha nahe Iwdel in der Oblast Swerdlowsk in Russland sowie eine schichtförmige Intrusion am Sonju Lake im Beaver-Bay-Komplex im Lake County des US-Bundesstaates Minnesota.[9]
G. Hagg, A. G. Hybinette:X-ray studies on the systems of tin-antimony and tin-arsenic. In: The London, Edinburgh, and Dublin Philosophical Magazine and Journal of Science. Band20, 1935, S.913–929 (englisch, rruff.info[PDF; 712kB; abgerufen am 29.November 2024]).
Э. П. Николаева, В. А. Григоренко, С. Д. Гагаркина, П. Е. Цыпкина:О новых природных интерметаллических соединениях олова, сурьмы и меди. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band99, Nr.1, 1970, S.68–70 (russisch, rruff.info[PDF; 208kB; abgerufen am 29.November 2024] englische Übersetzung: E. P. Nikolaeva, V. A. Grigorenko, S. D. Gatarkina, P. E. Tsypkina: New natural intermetallic compounds of tin, antimony, and copper. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva.).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band56, 1971, S.358–362 (englisch, rruff.info[PDF; 343kB; abgerufen am 29.November 2024]).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.91 (englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Stistaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 49kB; abgerufen am 29.November 2024]).