Zu Beginn des 16. Jahrhunderts geriet das Hochstift in Konflikte mit Teilen des Hildesheimer Stiftsadels sowie dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Dies führte 1519 zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, zur sogenannten Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523). Sie endete mit dem Quedlinburger Rezess vom 13. Mai 1523. Dieser Vertrag schrieb die militärischen Erfolge der Welfen auf hildesheimischem Territorium fest.
Für das Hochstift Hildesheim bedeutete der Vertrag den Verlust des Großen Stifts und die künftige Bescheidung auf das sogenannte Kleine Stift. Die bis zur Stiftsfehde aus 22 Ämtern bestehende bischöfliche Landesherrschaft beschränkte sich nunmehr auf die Ämter Steuerwald, Marienburg und Peine sowie die Städte Peine und Hildesheim, das aber in seiner weitgehenden Selbständigkeit dem besonderen Schutz des Herzogs Erich von Calenberg unterstellt wurde. Ferner gehörte dazu noch die Dompropstei mit einigen wenigen Dörfern nördlich Hildesheims, wie Borsum, Harsum, Achtum und Algermissen. Das Amt Peine war zudem seit 1522 in Pfandbesitz der Stadt Hildesheim gekommen, in dem es die folgenden achtzig Jahre verbleiben sollte. Die Welfen konnten auf Kosten des Stifts ihre Territorien vergrößern. Das Hochstift Hildesheim aber, auf ein Viertel seines ursprünglichen Territoriums reduziert, hatte aufgehört, ein eigenständiger Machtfaktor unter den norddeutschen Landesherrschaften zu sein.[2]
Die Hildesheimer Bischöfe Balthasar Merklin (1528–1531) und Valentin von Teutleben (1537–1551) suchten das Hochstift Hildesheim nicht auf. Dies begünstigte die Ausbreitung der lutherischen Glaubenslehre im Kleinen Stift. 1542 schloss sich die Stadt Hildesheim der Reformation an. Bürgerrechte erhielt fortan nur noch, wer sich zur lutherischen Konfession bekannte.[3] Im Amt Steuerwald führte Adolf von Holstein, der das Amt in Pfandbesitz hatte, 1556 die lutherische Lehre ein. Unter Fürstbischof Ernst von Bayern (1573–1612) setzte im zwischenzeitlich eingelösten Amt die Rekatholisierung ein. In vielen Orten widersetzte sich die Bevölkerung zunächst. Einige Orte wie z.B. Kemme und Schellerten blieben letztlich lutherisch.
1643 wurden die Streitigkeiten zwischen dem Stift Hildesheim und den Herzögen zu Braunschweig und Lüneburg mit dem Hildesheimer Hauptrezess beigelegt.[4] Das Große Stift fiel zurück an das Hochstift Hildesheim. Die Verwaltung erfolgte in 16 Ämtern.[5] Rund 90% der Untertanen des katholischen Fürstbischofs von Hildesheim waren fortan lutherischer Religion. Den Bischöfen gelang es aufgrund des Normaljahres (Westfälischer Friede) nicht, dieses Verhältnis nennenswert zu ändern. Die sogenannten Stiftsdörfer (Algermissen, Bettmar, Borsum, Detfurth, Diekholzen, Dinklar, Förste, Giesen, Harsum, Ottbergen u.a.) blieben dagegen mehrheitlich katholisch.[6]
1802 verlor das Hochstift seine Souveränität an Preußen, dem es bis 1807 angehörte.
Nach dem Ende des Hochstifts wechselte sein Territorium noch mehrmals die politische Zugehörigkeit:
Aufgrund des preußisch-britischen Vertrages vom 14. Juni 1813, wie in Art. 27 des Hauptvertrags zum Abschluss des Wiener Kongresses vom 8. Juni 1815 (6. Beilage: Vertrag zwischen Preußen und Hannover vom 29. Mai 1815) bestätigt, kam das ganze Gebiet an das Königreich Hannover.Digitalisat
Nach dem Deutschen Krieg wurde das Königreich Hannover 1866 von Preußen annektiert.
Seit 1946 gehört das Gebiet des alten Stiftes zu Niedersachsen.
Blasonierung[9]: Das Wappen des Fürstentums Hildesheim ist gespalten von Rot und Gold. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Helmdecken ein von rot und gold gespaltener Spitzhut, oben mit goldenem Knopf zwei Straußenfedern in rot-gold. Der gleichfarbige Hutstulp besteckt mit zwei Fahnen an goldenen stahlbespitzten Spieße, von der ab das rechte gold-rot, das linke rot-golden gespalten.
Das Bistum Hildesheim führte das Wappen seit Bischof Heinrich (1310–1318) auf Siegeln. Hier war aber vorn Gold und hinten Rot. Der Hutstulp war rot-gold gespalten.
Das Wappen erscheint als Grundmotiv auch heute noch in einigen aktuellen Gemeindewappen:
Karl Janicke, Hermann Hoogeweg (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe, 6 Bände, Hannover 1896–1906.
Peter Bahrdele: Die Kopfsteuerbeschreibung des Hochstifts Hildesheim von 1664. Ergänzt durch die Landschatzbeschreibung von 1665, Hildesheim 1976, ISBN 3-7848-2721-7.
Thomas Klingebiel (Bearb.): Landtagsabschiede und Landtagsresolutionen des Hochstifts Hildesheim 1689-1802, Hannover 2008, ISBN 978-3-7752-6043-5.
Thomas Klingebiel: Ein Stand für sich? Lokale Amtsträger in der Frühen Neuzeit. Untersuchungen zur Staatsbildung und Gesellschaftsentwicklung im Hochstift Hildesheim und im älteren Fürstentum Wolfenbüttel, Hannover 2002, ISBN 3-7752-6007-2.
Justus Lücke: Die landständische Verfassung im Hochstift Hildesheim, 1643–1802. Ein Beitrag zur territorialen Verfassungsgeschichte, Hildesheim 1968.
Christian Plath: Konfessionskampf und fremde Besatzung. Stadt und Hochstift Hildesheim im Zeitalter der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges (ca. 1580 – 1660), Hildesheim 2005, ISBN 3-931987-12-4.
Jürgen Stillig: Jesuiten, Ketzer und Konvertiten in Niedersachsen. Untersuchungen zum Religions- und Bildungswesen im Hochstift Hildesheim in der frühen Neuzeit, Hildesheim 1993, ISBN 3-87065-745-6.
Christian M. Zachlod: Die Staatsfinanzen des Hochstifts Hildesheim vom Ende des Siebenjährigen Krieges bis zur Säkularisation (1763-1802/03), Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08978-4.
↑Die Karte stellt das Hochstift in seinen Grenzen vor der Stiftsfehde dar. Bei der Restitution 1643 verblieben die Ämter Aerzen, Grohnde, Coldingen-Lauenberg, Lutter am Barenberge, Westerhof und Lindau – in der Karte sämtlich als hildesheimisch dargestellt – bei den Fürstentümern Calenberg und Braunschweig-Wolfenbüttel, vgl. Artikel Hildesheimer Stiftsfehde.
↑Franz Anton Blum: Geschichte des Fürstenthums Hildesheim. Band2, Wolfenbüttel 1805, S.72ff.
↑Herbert Reyer: Historische Dokumente aus dem Stadtarchiv (Folge61). In: Aus der Heimat – Heimatbeilage der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 5.Januar 2002.
↑Christian Plath: Konfessionskampf und fremde Besatzung, Stadt und Hochstift Hildesheim im Zeitalter der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges (ca. 1580–1660), Stadt Hildesheim, Stadtarchiv, Hildesheim 2005.
↑Johann Christian Lüning, Das Teutsche Reichsarchiv, Tom. V, Leipzig, 1713.