830 m im Ortsteil Mitte, 2100 m im Ortsteil Friedrichshain
Die Karl-Marx-Allee ist eine rund drei Kilometer lange, nach dem Philosophen und GesellschaftstheoretikerKarl Marx benannte, Straße in den Berliner Ortsteilen Mitte und Friedrichshain. Sie hat sich aus einem früheren Fernhandelsweg von Alt-Berlin nach Frankfurt (Oder) entwickelt. Im Laufe der Geschichte trugen einzelne Abschnitte verschiedene Namen. Baulich und verkehrstechnisch ist sie in zwei Abschnitte gegliedert. Der längere Friedrichshainer Abschnitt ist durch Wohnblöcke und Türme in einem Stilmix aus Sozialistischem Klassizismus und preußischer Schinkelschule geprägt, der in den 1950er Jahren errichtet wurde und von 1949 bis 1961 den Namen Stalinallee trug. Die Turmbauten am Frankfurter Tor und am Strausberger Platz vom Architekten Hermann Henselmann sind die städtebaulichen Höhepunkte der Anlage. Den kürzeren Abschnitt in Mitte dominieren Plattenbauten aus den 1960er Jahren.
Die Karl-Marx-Allee führt in West-Ost-Richtung vom Alexanderplatz über den Strausberger Platz bis hinter das Frankfurter Tor, wo sie an der Kreuzung mit der Proskauer/Niederbarnimstraße in die Frankfurter Allee übergeht. Sie ist Teil der Bundesstraße 1, die Berlin von Magdeburg in Richtung Küstrin-Kietz durchquert, sowie der Bundesstraße 5, die von Frankfurt (Oder) aus kommend nach Hamburg weiterläuft.
Die Straße ist zusammen mit der Frankfurter Allee eine der acht nach Norden, Nordosten und Osten führenden radialen Ausfallstraßen, die vom historischen Zentrum der Stadt, vom Hackeschen Markt und Alexanderplatz, ausgehen. Diese sind im Uhrzeigersinn:
Die Hausnummern sind nach Berliner Art vergeben, also die an der Südseite der Straße stehenden Gebäude erhielten ungerade Nummern, die Gebäude an der Nordseite gerade Hausnummern. Außer der Reihe erhielt das an der Nordwestseite gelegene Haus der Gesundheit aber die Hausnummer1.
Von 1919 bis 1930 lebte und praktizierte der Schriftsteller und Arzt Alfred Döblin im Haus an der Frankfurter Allee 340 (heute: Karl-Marx-Allee 131).[3]
Die Große Frankfurter Straße begann nicht am Alexanderplatz, sondern zwischen den Einmündungen der Schillingstraße und der in den 1960er Jahren aufgelösten Kleinen Frankfurter Straße.[4] Mit dem Bau der U-Bahn-LinieE (heute: LinieU5) von 1926/1927 bis 1930 wurde der Straßenzug bis zur damaligen Landsberger Straße verlängert und damit dem geraden Verlauf der U-Bahn-Trasse angepasst.[5] Dieser Abschnitt hieß wiederum Frankfurter Straße bis zur Mitumbenennung 1949 in Stalinallee.
Übersichtsplan Karl-Marx-Allee: Architekten und Bauphasen
Die Straße hieß ursprünglich westlich des Frankfurter Tores und westlich der Berliner Zollmauer (etwa Kreuzung mit der Straße der Pariser Kommune) Große Frankfurter Straße und wurde am 21.Dezember 1949 anlässlich der Feiern zu Josef Stalins 70.Geburtstag zusammen mit der östlich anschließenden Frankfurter Allee in Stalinallee umbenannt. Seit dem 13.November 1961 heißt sie Karl-Marx-Allee. Die Frankfurter Allee wurde gleichzeitig wieder unter ihrem alten Namen abgetrennt, allerdings beginnt sie seitdem nicht mehr am Frankfurter Tor, sondern weiter östlich.[6]
Vorläufer: Die Laubenganghäuser 1949/1950 Hausnummernbereiche 102/104 und 126/128
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Architekt Hans Scharoun ein Konzept für die völlige Neugestaltung ganz Berlins entwickelt, den Kollektivplan, der eine rigorose Neuaufteilung und Dezentralisierung der Stadt vorsah, dazu eine lockere Bebauung mit viel Grün zwischen den einzelnen Wohneinheiten. Im besonders stark zerstörten Stadtbezirk Friedrichshain im sowjetisch verwalteten Ostteil der Stadt sollte der Plan erstmals großflächig im Umfeld der Weberwiese in Form der Wohnzelle Friedrichshain realisiert werden. Entlang der Stalinallee wurden 1949/1950 für diese Wohnzelle zwei Laubenganghäuser gebaut, die auf Scharouns Vorstellungen zurückgingen (Karl-Marx-Allee 102/104 und 126/128) und vom Architektenkollektiv Ludmilla Herzenstein geplant wurden. Die Bauarbeiten führte die Firma Heimstätte Berlin aus.[7] Dann wurde der Kollektivplan außer Kraft gesetzt; die Ideen, die ihm zugrunde lagen, galten fortan als formalistisch, elitär und westlich-dekadent. Aus ideologischen Gründen kam infolge des fortgeschrittenen Personenkults und der Umbenennung nach Stalin eine beliebige Bebauung für diese Straße nicht mehr in Frage. Die Laubenganghäuser wurden im weiteren Baugeschehen entlang der Allee zu isolierten Objekten in einer völlig anders gearteten städtebaulichen und architektonischen Umgebung. Maßstab für das schwerpunktmäßige Bauvorhaben der Ende 1949 gegründeten DDR wurde nun die sowjetische Monumentalarchitektur– es entstand die Stalinallee als Repräsentationsmagistrale. Da die Laubenganghäuser etwas weiter südlich zur sonstigen Baufluchtlinie auf der Südseite der Straße gebaut wurden, ließ das Bezirksamt schnellwachsende Pappeln davor pflanzen, um die Gebäude gegen die anderen abzugrenzen und eine Art Bauflucht herzustellen.
Erste Bauphase: Sozialistischer Realismus/Nationale Bautradition 1950 bis 1959
Für Anregungen hinsichtlich einer repräsentativen Gestaltung der Allee, die ihrer vorgesehenen Bedeutung entsprach, reiste 1950 eigens eine Regierungsdelegation nach Moskau, Kiew, Stalingrad und Leningrad, um den Städtebau der Sowjetunion zu studieren. Aus dieser Studienreise gingen „16 Grundsätze des Städtebaus“ hervor. Den ersten Preis bei dem 1951 ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerb bekam Egon Hartmann. Obwohl er die städtebaulich beste Lösung anzubieten schien, wurde dann doch zusammen mit den anderen vier Gewinnern der Ausschreibung, den Architekten Richard Paulick, Hanns Hopp, Karl Souradny und Kurt W. Leucht der endgültige Bebauungsplan ausgearbeitet, zu dem auch der Moskauer Chefarchitekt Alexander W. Wlassow und Sergej I. Tschernyschew, der Vizepräsident der Akademie für Architektur, ihren Rat gaben. Die daraus entstandene Bebauung ähnelt stilistisch der Lomonossow-Universität in Moskau und dem Kulturpalast in Warschau.
Gedenktafel für Grundsteinlegung am 3.Februar 1952
Im November 1951 veröffentlichte die SED einen Aufruf für den Aufbau Berlins. Das „Nationale Aufbauprogramm Berlin“ sah die Stalinallee als Schwerpunkt eines Stadtteils von Wohn- und Hochhäusern sowie als Vorbild für die hauptstädtische Architektur und Stadtplanung vor. Dazu wurde die Bevölkerung zur Enttrümmerung des Ruinengeländes zu freiwilligen, unbezahlten Arbeitseinsätzen aufgefordert. Anfang 1952 begann der Aushub für den Block E-Süd zwischen den Laubenganghäusern, und am 3. Februar 1952[8] legte dort Ministerpräsident Otto Grotewohl den Grundstein symbolisch für den gesamten neugedachten Straßenzug:
„Der erste Hammerschlag für die Freundschaft des friedliebenden deutschen Volkes mit den Völkern der Sowjetunion!“
– Otto Grotewohl: Ansprache bei der Grundsteinlegung[8]
„Hier, liebe Hörer, scheidet sich das alte vom neuen Berlin. Hier endet das Bild der freudlosen alten Fassaden, der düsteren Hinterhöfe, der lichtlosen Fenster.– Hier beginnt die Helle, hier beginnt die Lichtfülle selbst an trüben Tagen, hier werden die heute nebelumsponnenen Silhouetten gewaltiger Bauten sichtbar, hier beginnt die Straße, die seinen Namen trägt: die Stalin-Allee.“
Das im Jahr 1951 fertiggestellte Hochhaus an der Weberwiese stellt den Prototyp dar, nach dessen Vorbild die ganze Straße bebaut wurde. Der Architekt Hermann Henselmann hatte mit diesem Gebäude den Baustil gefunden, den die politische Führung der DDR für den Wiederaufbau gesucht hatte: ein dekorativer regionaler Historismus.[9] Dieser orientierte sich am Vorbild des „Sozialistischen Klassizismus“ der Sowjetunion der Stalinzeit und an der sogenannten „nationalen Bautradition“, so etwa am maßgeblich durch Karl-Friedrich Schinkel geprägten Berliner Klassizismus. Der Antrag wurde nicht an die UNESCO weitergeleitet.[10]
Allerdings trägt das Haus gegenüber der hier behandelten Allee die Adresse Marchlewskistraße 25, gehört postalisch nicht zur Karl-Marx-Allee und kann von dieser auf einem Fußweg über die Hildegard-Jadamowitz-Straße erreicht werden.
Außer von den Laubenganghäusern wird das Friedrichshainer Ensemble unterbrochen durch zwei Blocks von Plattenbauten, die sich zwischen Andreasstraße und Koppenstraße befinden (heutige Hausnummern 69a–f), deren Eingänge auf der Straßenrückseite liegen. Hier stand auf der Allee-Nordseite ursprünglich die von Paulick entworfene monumentale neoklassizistischeDeutsche Sporthalle, die 1951 für die III.Weltfestspiele der Jugend und Studenten in nur 148Tagen errichtet wurde und in der Allee das erste fertiggestellte Gebäude dieses Stils war. Aus politischen Gründen wurden die speziellen Stahlträger für die aufwendige Dachkonstruktion nicht aus der Bundesrepublik Deutschland geliefert, sodass ein provisorisches Hilfsdach gebaut werden musste, dessen Säulen der Sichtbarkeit in der Halle nicht dienlich waren. Da während der Bauzeit das Berliner Stadtschloss beseitigt wurde, kamen Kopien von vier Monumentalplastiken aus dem Schlüterhof vor die Eingangsterrasse der als Repräsentativbau gedachten Sporthalle.[11] 1969 wurde die Halle wegen Bauschäden gesperrt und 1972 abgerissen.[12]
Das dem sowjetischen Staatslenker Josef Wissarionowitsch Stalin gewidmete Bronze-Denkmal des sowjetischen Bildhauers Nikolai Tomski stand zwischen 1951 und 1961 auf der Südseite der damaligen Großen Frankfurter Straße. Mit der Einweihung des Denkmals erhielt der gesamte Boulevard den Namen Stalinallee. Nachdem der XXII. Parteitag der KPdSU die Politik Stalins kritisiert hatte und nach und nach alle Ehrenmale verschwanden, ließ auch die DDR-Regierung dieses Monument kurzfristig abbauen und einschmelzen.
Besondere Bedeutung erlangte die Straße beim Aufstand vom 17. Juni 1953. Die Arbeiter auf den Großbaustellen der damaligen Stalinallee begannen am 16.Juni mit Streiks gegen die vom Zentralkomitee der SED angeordnete allgemeine Erhöhung der Arbeitsnormen. Die Demonstrationen breiteten sich schließlich in großen Teilen der Stadt aus und setzten sich in der gesamten DDR fort. Der Protest in der Stalinallee begann am Rosengarten, einer Freifläche bis zum Weidenweg mit dem Block 40, gegenüber dem westlichen Laubenganghaus (Block1) und der Weberwiese. – Seit den späten 1990er Jahren erinnert dort ein kleines schlichtes Denkmal daran. Es besteht aus einem Mäuerchen aus den damals hier hauptsächlich verbauten recycelten Ziegelsteinen. Die kleine sitzhohe unverputzte Mauerecke trägt zur Fußgängerseite hin auf einer metallenen Tafel die Inschrift „Wir wollen freie Menschen sein.“ Darunter erläutert folgender Text das Ensemble: „Am Rosengarten begannen die Bauarbeiter am 16.Juni 1953 ihren Protest gegen die Normerhöhung der SED-Regierung. Ihre Aktion führte am 17.Juni 1953 zum landesweiten Volksaufstand.“ Ausführlicher werden die Geschehnisse auf einer danebenstehenden Texttafel dargestellt.
Paradestrecke und Arbeiterpaläste Hausnummernbereiche 53–153 und 68–140
Die überdurchschnittlich breite Straße war nicht nur für den städtischen Verkehr vorgesehen, sondern sollte Ost-Berlins Anspruch als Hauptstadt gerecht werden sowie für Aufmärsche und Paraden dienen. So fand auf ihr jährlich ab 1977 die Demonstration zum 1. Mai und seit 1979 die alljährliche Ehrenparade der Nationalen Volksarmee (NVA) anlässlich des Feiertags der Gründung der DDR am 7.Oktober statt. Die Ehrentribüne für die Abnahme der Aufzüge stand im zweiten Abschnitt zwischen dem Strausberger Platz und dem Alexanderplatz. Die letzte derartige Parade wurde im Jahr 1989 abgehalten. Daneben war die Ost-Berliner Magistrale auch Teil der Protokollstrecke bei Staatsbesuchen.
Der Prachtboulevard zieht sich über zwei Kilometer schnurgerade hin, gesäumt von jeweils fünf groß dimensionierten Wohnblöcken mit bis zu 13 Stockwerken. Auf der Nordseite bildet ein breiter begrünter Streifen eine gute Luftschneise und hält außerdem einen Teil des Verkehrslärms fern. Die Fassaden erhielten –unter dem Schlagwort vom Historischen Erbe– etliche schmückende Stilelemente des Berliner Klassizismus, einer Epoche, die mehr als 120Jahre zurücklag. An vielen Stellen finden sich auch Rückgriffe auf antike Einzelformen, dorische oder ionische Säulen beispielsweise, Ziergiebel mit Architrav und Fries usw. Dies alles stand im Gegensatz zu dem nahezu zeitgleich in West-Berlin begonnenen und durchgeführten Großprojekt, dem Wiederaufbau des ebenfalls weitgehend zerstörten Hansaviertels in West-Berlin. Im Rahmen einer internationalen Bauausstellung versuchten sich dort namhafte Architekten am Konzept des lockeren, durchgrünten Städtebaues mit modern gestalteten Einzelbauten, das so ähnlich auch Scharoun vertreten hatte. Hier fand vor allem ein Richtungsstreit von Stadtplanern und Architekten neben einem Wettstreit der politischen Systeme statt. Stalinallee und Hansaviertel dienten beide als Demonstrationsobjekte für die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesellschaftssystems.
Den westlichen Abschluss des ersten Bauabschnitts bildet das Oval des Strausberger Platzes mit einem epochalen Schmuckbrunnen in der Mitte (siehe Bild). Zwischen den jeweils hier einmündenden Straßen (Nord-Süd: Straße am Friedrichshain/Lichtenberger Straße; West-Ost: Karl-Marx-Allee) stehen Wohnbauten mit Viertelrund-Grundrissen und Erdgeschoss-Gewerbeeinrichtungen. Zwei der 14-geschössigen Gebäude (nordwestlich und südwestlich) beherbergten über mehrere Etagen das Haus des Kindes (Kinderbekleidung) und das Haus Berlin (Gastronomie). Diese Bauten wirken wie ein Stadttor und sind an der amerikanischen Art-déco-Architektur der 1930er Jahre angelehnt.
Für die Baupläne und die Innenarchitektur beider Gebäude sorgten die Architekten Hermann Henselmann, Rolf Göpfert und Emil Leibold (20. Juli 1905–1996).[13] Das Haus Berlin beherbergte im Erdgeschoss eine Gaststätte, im ersten Obergeschoss ein Weinrestaurant und in der 12./13. Etage eine Bar.[14]
Die Bauten um den Platz herum gehören postalisch nicht zur Karl-Marx-Allee, das eh. Haus des Kindes verfügt über die Adresse Strausberger Platz 19, das eh. Haus Berlin hat die Adresse Strausberger Platz1.
Im Osten der Allee, kurz vor dem Ende der repräsentativen Bebauung an der Frankfurter Allee Ecke Proskauer Straße, bildet das Frankfurter Tor mit seinen zwei Türmen, die auch von Henselmann konzipiert wurden und 1957 bis 1960 entstanden, den zweiten architektonischen Höhepunkt. Die Kuppeln sind den Gontardschen Türmen des Deutschen und Französischen Doms nachempfunden. Sie sind rundum voll verglast und sollten anfangs Gemeinschafts- und Sporträume für die Bewohner bieten. Dazu kam es jedoch nicht, stattdessen quartierten sich hier bis zum Mauerfall Funktionseinheiten einiger Betriebe ein. An der nordöstlichen zurückgesetzten Ecke gab es das Warenhaus für Sport und Freizeit (nach dem Bebauungsplan Block G-Süd), das das Kollektiv Hanns Hopp geplant hatte.[15][16]
Eine Unterbrechung des klassizistisch geprägten Ensembles befindet sich den Laubenganghäusern genau gegenüber. Nahe der Kreuzung zur Warschauer Straße wird sie vom Kinogebäude Kosmos eingenommen, das ebenfalls zur Baufluchtlinie deutlich zurückgesetzt steht. Es wurde nach Plänen des Architekten Josef Kaiser 1961/1962 erbaut. Mit 1001 Plätzen war es das größte und modernste Filmtheater der DDR. Von 1996 bis Ende Juli 2005 befand sich hier ein von der UFA betriebenes Multiplex-Kino für 3400 Zuschauer. Seit März 2006 wird das Gebäude als Mehrzweckkomplex für Konferenzen, Abendveranstaltungen, Kino und Theater genutzt.
Entsprechend den Vorgaben wurde die Straße nicht bis hin zum Alexanderplatz einheitlich weiterbebaut. In der Vorplanung für den Abschnitt entstanden zunächst Vorschläge, die den Stil des ersten Bauabschnitts aufnahmen. Ein Gesinnungswandel ab Mitte der 1950er Jahre – wegen der hohen Baukosten sowie wegen eines zwischenzeitlich eingetretenen Stilwandels – führte jedoch zu einer Neuorientierung. Die neuen städtebaulichen Pläne arbeiteten die Kollektive Edmund Collein und Werner Dutschke aus[17], dazu kamen Hochhausentwürfe des Kollektivs Josef Kaiser sowie Freiflächen und Werke der bildenden Kunst. Die Ziegelsteinbauweise wurde durch Plattenbauweise abgelöst. So entstanden in der zweiten Phase zwischen dem Strausberger Platz und dem Alexanderplatz im Gegensatz zum ersten Abschnitt moderne acht- bis zehngeschossige Wohnhäuser mit weiten Grünflächen zur Straße und zwischen den Blöcken sowie mehrere Solitärbauten und Pavillons. Diese Bauphase endete im Jahr 1965.[18]
Eines der markantesten Bauwerke dieses Abschnittes ist das Restaurant Café Moskau (Nr.34). Es wurde 1961–1964 nach Plänen des Kollektivs Josef Kaiser und H. Bauer als zweigeschossiges Atriumgebäude mit einer umlaufenden luftigen Stahlkonstruktion errichtet. In einem der Innenbereiche dieses Restaurants befindet sich ein Springbrunnen mit einer Nirosta-Facettenkugel von Fritz Kühn.[19]
Das Kino International (Nr.31, 1961–1963) gehört auch zu den markanten Gebäuden dieses Straßenabschnitts. Der Bau beruht auf Plänen von J. Kaiser und von H. Aust und zeigt als Auffälligkeit ein weit vorkragendes Obergeschoss über der Eingangs- und Kassenhalle. Die seitlichen weißen Giebelflächen sind ornamental gestaltete Strukturflächen. Sie gestalten auch einige Symbolbauten Berlins und wurden von H. Schievelbein entworfen.[20]
Das 13-geschossige Gebäude Hotel Berolina (Nr.33), das hinter dem Kino gestanden hat, entstand auch nach Entwürfen des Kollektivs J. Kaiser und von G. Kunert. Es wies 375 Zimmer sowie Fest- und Konferenzräume auf. Erdgeschoss und erste Etage waren ein Beton-Monolith-Bau, die restlichen Etagen waren Großplatten. Die Fassade besaß eine Natursteinverkleidung, die oberen Etagen blaue Keramikplatten.[21] Das Hotel wurde später als Interhotel betrieben. Als sich nach der Wende kein neuer Betreiber fand, musste das Haus wegen etlicher Baumängel abgetragen werden. An gleicher Stelle ließ ein neuer Eigentümer das Rathaus Mitte errichten.
Zu der unter der künstlerischen Gesamtleitung von Josef Kaiser entstandenen Gebäudegruppe gehören zweigeschossige Verkaufspavillons nach Entwürfen seines Kollektiv, sowie von Walter Franek und Horst Bauer. Ursprünglich sollten entlang des gesamten Straßenabschnitts elf Verkaufspavillons errichtet werden, jedoch wurden nur fünf davon zwischen Strausberger Platz und Schillingstraße innerhalb des gleichen Gesamtzeitraums verwirklicht. Zu den bekanntesten zählen die Mokka-Milch-Eisbar (Nr.35); das Kunst im Heim (Nr.45), das Schuhhaus Zentrum (Nr.46), der Kosmetiksalon Babette (Nr.36) und der Modesalon Madeleine zusammen mit dem Südeingang zum U-Bahnhof Schillingstraße und dem Blumenhaus Interflor (Nr.32). Die Hallenbauten mit offenem Galeriegeschoss sind mit ihrer großflächigen Verglasung, die mit feinen, zweifarbigen Aluminiumprofilen eingefasst sind, und mit ihren gelben Keramikplatten und bunten Glasriemchen (in türkis, grau, blau und schwarz) als spezielle architektonische Gruppe erkennbar.[22][23][24] Sie sollen in den 2020er Jahren schrittweise um die ursprünglich geplanten sechs Pavillons komplettiert werden (siehe Abschnitt Zukunftsplanungen).
Im Gegensatz zum ersten Bauabschnitt umfassten die Arbeiten die Errichtung eines vollständigen Stadtviertels weit hinter der Karl-Marx-Allee bis zur Mollstraße. Die Landsberger Straße, die vom Alexanderplatz kommend, das Viertel diagonal durchschnitten hätte, wurde daher aufgehoben, von ihr blieb nur das Haus der Gesundheit erhalten. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurde der Aufbau des zweiten Abschnitts der Karl-Marx-Allee in Zusammenhang mit der Neugestaltung des Alexanderplatzes beendet. Die zwei letzten Wohnblöcke wurden 1967 an der Nordwestseite fertiggestellt. Zwischen ihnen und dem Fahrdamm standen noch zwei vier- bis fünfgeschossige Wohnzeilen aus der Zeit der neuen Frankfurter Straße, die erst Ende der 1960er Jahre abgerissen wurden. Als letzter Neubau wurde 1969 –rechtzeitig zum 20.Jahrestag der Gründung der DDR– gegenüber dem Haus des Lehrers das Haus der Statistik errichtet und erhielt die Hausnummer1.
Für die künstlerische Gestaltung des Freiraums und der Fassaden wurden bildende Künstler einbezogen, unter anderem Gustav Seitz. – Eine besondere Rolle bei der Fassadengestaltung bekamen die großen Gebäudeflächen der Häuser aus den 1950er Jahren, die mit Meißner Kacheln verkleidet wurden. Einige hunderttausend Kacheln („Keramikplatten“) waren mit einer Spezialmischung aufgeklebt worden. Einzeln gut sichtbare Keramikfassaden waren sogar mit Blumen oder Baumotiven angefertigt worden. Doch viele Kacheln sind in den Folgejahren abgefallen, weil sie den Erschütterungen und den Autoabgasen nicht standhielten.[10]
In den Erdgeschossen der langen Wohntrakte siedelten sich bald Gaststätten an, wie die Nationalitätenrestaurants Bukarest, Warschau und Budapest, aber auch renommierte Geschäfte wie Chemie im Heim oder die Karl-Marx-Buchhandlung. – Die breite Magistrale diente wie geplant als zentrale Route für die jährlichen Ehren- und Militärparaden der NVA sowie für Großdemonstrationen der Bevölkerung (z.B. zum Tag der Befreiung am 8. Mai oder zum Republikfeiertag am 7. Oktober)
In den 1970er und 1980er Jahren ließ der Ost-Berliner Magistrat in Abstimmung mit den Wohnungsverwaltungen zur Verdeckung der herabgefallenen Fassadenverkleidungen an den kahlen Ziegelmauern kleinteilige Kunststoffplatten aufkleben, die teilweise später auch wieder abfielen.[10]
Durch den chronischen Mangel an Baumaterialien und Unterhaltsmitteln in der späten DDR-Zeit verfiel die Bausubstanz spürbar. Im Jahr 1989 steigerten sich die beginnenden Proteste gegen die gesamte Politik und immer wieder versammelten sich Demonstranten auf und entlang der Karl-Marx-Allee. Durch den Wegzug ganzer Familien nach der Maueröffnung standen bald auch zahlreiche Wohnungen leer (siehe Weblinks unter tip-de).
Nach der Wiedervereinigung, Sanierungen, Umnutzungen
Nach der politischen Wende und der deutschen Wiedervereinigung wurde die gesamte Stadtverwaltung in einem neuen Senat zusammengeführt. Zunächst gab es Diskussionen über eine Umbenennung der Karl-Marx-Allee wie auch vieler weiterer zu DDR-Zeiten benannter Straßen Ost-Berlins. Die zuständigen Bezirke entschieden sich gegen eine Umbenennung der Karl-Marx-Allee. Eine im Herbst 1993 eingesetzte unabhängige Kommission erarbeitete unter andereem den Vorschlag, den westlichen Teil der Karl-Marx-Allee in Hegelallee umzubenennen, was letztendlich nicht umgesetzt wurde.[25]
Wie schon zuvor für das Hochhaus an der Weberwiese stellte der Berliner Senat im Jahr 2021 einen Antrag, die gesamte Karl-Marx-Allee – gemeinsam mit dem Hansaviertel – als Weltkulturerbe auszuzeichnen, was an der Kultusministerkonferenz scheiterte. Das Projekt Berlin war eines von 32 aus ganz Deutschland beantragten Weltkulturerbetitels, es war nicht in die engere Wahl gekommen.[10]
Die gesamte Nachkriegsbebauung der Karl-Marx-Allee wurde aber als „herausragendes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur“ unter Denkmalschutz gestellt, was den Grundstein für die umfassenden Sanierungen ab den 1990er-Jahren legte. Zahlreiche Wohngebäude der Allee wurden von verschiedenen Investoren gekauft und meist aufwändig saniert.
Das Problem der abfallenden Kachelelemente bezifferte der Berliner LandeskonservatorJörg Haspel Mitte der 1990er Jahre so: knapp 50.000 Quadratmeter Keramikplatten müssten neu hergestellt und montiert werden, fast die Hälfte aller ursprünglichen Verkleidungen, das hätte rund 1800 DM pro Quadratmeter gekostet. Nach einem Preisvergleich mit einer möglichen Putzlösung (für etwa 550 DM/m²) erfolgte in den Jahren 1999/2000 eine fast vollständige Abnahme der noch vorhandenen Kachelreste. Die Flächen wurden verputzt und davor kam eine Vorhangfassade aus neuen, auf vorgefertigte Glasfaserbeton-Trägerplatten aufgeklebten, Keramikfliesen. Viele von ihnen fallen seit 2007 auch wieder ab, es handelt sich nun, wie ein Gericht feststellte, um einen Verarbeitungsfehler der ausführenden Firma. Der Bauträger ist inzwischen insolvent und der gerichtliche Gutachter verstorben, deshalb bleibt es bei diesem unerfreulichen Zustand. Weil die gesamte Bebauung der Karl-Marx-Allee inzwischen neu unter Denkmalschutz gestellt worden ist, gilt das laut einem Gerichturteil aus dem Jahr 2025 auch für die erneuerte Fassade. Eine Änderung, beispielsweise durch Verschraubung der Platten mit den Trägern, wird deshalb nicht zugelassen.[10]
Neues Rathaus Mitte und ein Verwaltungsbau Hausnummern
Das Hotel Berolina wurde im Frühling 1996 abgerissen und anschließend durch einen in Form und Farbe ähnlichen Neubau ersetzt, in dem das Bezirksamt Mitte am 2.März 1998 seinen Betrieb aufnahm.[26][27] Im Jahr 1997 entstand als 14-geschossiges Bürohochhaus das Vitro Plaza, ein weiterer Neubau, zurückgesetzt hinter einem Vorplatz an der südöstlichen Ecke zur Straße der Pariser Kommune.[28]
Karl-Marx-Allee 45 (früher Kunst im Heim) nach Umbau zur Internationalen Kunstgalerie im Jahr 2008
Unter den neuen geschäftlichen Möglichkeiten nach dem Mauerfall fanden sich nach und nach Käufer oder neue Mieter der verschiedenen Pavillons; die Umnutzung erfolgt(e) in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt Berlin.
In zwei benachbarte Pavillons an der Ecke Schillingstraße/Karl-Marx-Allee 32, zuerst der Modesalon Madeleine und der Blumenladen Interflor, zog nach Umbau der Sportartikelanbieter Camp 4.[29]
Die Mokka-Milch-Eis-Bar konnte nach etlichen Jahren Leerstand minimalistisch saniert werden und im Herbst 2025 als Mokka-Milch neu eröffnen.
Der Kosmetikpavillon Babette (Karl-Marx-Allee 36) ist der kleinste der früheren Pavillons und auch baulich unterschiedlich. Nach 1990 wurde daraus eine Kult-Bar und Eventlocation unter Beibehaltung seines früheren Namens: Salon Babette. Er agiert nun gemeinsam mit dem Café Moskau.[31][32]
Und der ehemalige 'Schuhsalon Zentrum', Karl-Marx-Allee 46, angesiedelt gewesen auf zwei Etagen einschließlich Lederwarenverkauf[33], wurde vom Berliner Traditionsunternehmen Fahrrad Flöckner übernommen. Über zwei Jahrzehnte hinweg konnten hier hochwertige Fahrräder erworben oder Fahrräder repariert werden. – In den 2010er Jahren änderte sich das Geschäftsmodell, hier wird nun der CUBE-Store mit den Geschäftsbereichen Fahrräder, E-Bikes, Ausrüstung und Equipment betrieben.[34]
Das Gesamtbild der Straße bestimmten die von Paulick entworfenen 215 Kandelaber wesentlich mit. Allerdings waren sie seit ihrer Inbetriebnahme nicht gepflegt worden, sodass ihr maroder Zustand nach dem Mauerfall zu einer Sanierung führen musste. Dieser war ursprünglich für das Jahr 2006 geplant, konnte jedoch nicht pünktlich beginnen, weil die Ausschreibung zur Fertigung und Aufstellung neuer, an den ursprünglichen Entwürfen ausgerichtetenr, Laternen aus Kostengründen wiederholt werden musste.[35] Im Dezember 2007 wurde dann der erste originalgetreu rekonstruierte Kandelaber an der Kreuzung Karl-Marx-Allee/Lebuser Straße aufgestellt, allerdings etwas schlanker am Fuß und preiswertere Verkleidungen zeigend.[36]
Planungen zur Umgestaltung des zum Alexanderplatz liegenden Teils (Bauphase III) und der nördlich und südlich angrenzenden Bereiche werden seit den 2010er Jahren in einer eigenen Planwerkstatt koordiniert.
Im Mai 2018 wurde der Öffentlichkeit ein Projekt vorgestellt, nach dem die in den 1960er Jahren von den DDR-Architekten Josef Kaiser, Werner Dutschke und Walter Franek errichteten Pavillons komplettiert werden sollten. Elf waren laut B-Plan von 1959 geplant, aber nur fünf wurden tatsächlich gebaut (siehe Ladenpavillons); diese sind denkmalgeschützt.[37]
Nach einem im Jahr 2017 vom Bezirksamt Mitte und dem Eigentümer der Flächen, der WBM, durchgeführten Einladungs-Werkstattwettbewerb für weitere sechs Glaspavillons[38], sind fünf Entwürfe eingereicht und im Rathaus Mitte vorgestellt worden. Interessierte und Anwohner konnten sie beurteilen und auch über die spätere Nutzung mitbestimmen.[39] Danach wurde bekannt, dass sich ein Sonderbau nahe dem Kino International im VgV-Verfahren[40] durchgesetzt hat. Zwei Architektengruppen wollen ein kreislaufgerechtes Holzgebäude („Design for Disassembly“) und zirkuläres Bauen als Gegenakzent zur Beton- und Glasarchitektur der 1960er-Jahre errichten.[41] Bald hieß es, dass das Projekt der Nachverdichtung und zur städtebaulichen Attraktivierung[42] aufgegeben wird: „Es ist... weder eine Weiterführung der Planung noch eine Umsetzung des Projekts möglich“, erklärte Oliver Friederici, Staatssekretär des Berliner Kultursenators, im Jahr 2023.[43] Die Pläne wurden aber doch nicht stillgelegt, denn im Jahr 2024 war zu hören, dass für die Realiserung dieses Gebäudes und der übrigen Pavillons nach Schätzungen der Verwaltung gut 100 ausgewachsene Bäume im denkmalgeschützten Boulevard-Ensemble gefällt werden müssten. Außerdem sind weder die Finanzierung noch die konkrete Verwendung der Bauten geklärt. So liegt dieses Projekt doch weiterhin auf Eis (Stand Sommer 2026).[44]
Durchschnittliche Straßenbreiten: (zwischen den Bebauungen): 90 Meter[10]
Durchschnittliche Breite je Fahrbahn, getrennt durch einen etwa zwei Meter breiten Grünstreifen in der Mitte: rund 8 Meter
Breite des Grünstreifens: ca. 8 m
Durchschnittliche Breite der vorgelagerten Grünflächen: 40 m (nur nördlich)
Auf der Südseite liegen an einigen Stellen keine Grünstreifen, an anderen gibt es manchmal eine Baumreihe.
Zweiter Bauabschnitt
Gesamtlänge: 800 Meter
Durchschnittliche Straßenbreiten (zwischen den Bebauungen): 125 Meter[10]
im zweiten Bauabschnitt sind keine durchgängigen grünen Mittelstreifen angelegt. Die in der Mitte verlaufenden 10 m breiten Flächen werden meist als Parkplätze bewirtschaftet.
Durchschnittliche Breite der vorgelagerten Grünflächen: (nördlich): 40 m, südlich 35 m
Szene aus dem DEFA-Kulturfilm Die neue Wohnung mit dem Planer Richard Paulick an einem Modell der Stalinallee
Das volkseigene DDR-Filmunternehmen DEFA begleitete die Baumaßnahmen zur Stalinallee durch propagandistische Wochenschauen[46] und Kulturfilme. Im Jahr 1952 drehte die DEFA den Kulturfilm Die neue Wohnung. Dabei wirkte der Architekt Paulick in einer Filmszene mit, die in der Deutschen Sporthalle spielte. Mittels eines dort aufgestellten Modells der Stalinallee erklärte er darin die Bedeutung der im Bau befindlichen „sozialistischen Großbauten“. 1954 erschien der DEFA-Film Geschichte einer Straße, in dem das Filmkollektiv um Bruno Kleberg historische Stationen der Stalinallee schilderte– unter Auslassung des Aufstandes vom 17. Juni 1953.[47]
Die Karl-Marx-Allee wird auf der gesamten Länge von der U-Bahn-LinieU5 unterfahren, die den Hauptbahnhof mit Hönow verbindet. Die Linie wurde am 21.Dezember 1930 unter der damaligen Großen Frankfurter Straße/Frankfurter Allee mit den vier heutigen Stationen Schillingstraße, Strausberger Platz, Weberwiese und Frankfurter Tor eröffnet. Während der Nachtpause der U-Bahn werden diese Bahnhöfe von der Nachtbuslinie N5 bedient.
An der Kreuzung mit der Andreasstraße und Lebuser Straße wird die Allee von der Buslinie 142 und am U-Bahnhof Frankfurter Tor von den Straßenbahnlinien M10 und 21 gequert.
Auf der gesamten Länge der Karl-Marx-Allee weisen die Fahrspuren je Richtung immer mindestens zwei Fahrstreifen auf, an vielen Abschnitten sind darüber hinaus Längs-Parkbuchten vorhanden und, wo nötig, gesonderte Linksabbiegespuren angelegt. Lieferzonen sind nicht eingerichtet, weil die meisten direkt an der Allee liegenden Geschäfte von der Rückseite her erreichbar sind.
Die durchschnittliche werktägliche Verkehrsstärke (DTV/d) auf der Karl-Marx-Allee liegt je nach Abschnitt bei rund 40.000 bis knapp 60.000 Fahrzeugen. Konkret werden aus den Jahren 2019 und 2023 genannt[48][49]
Das westliche Ende (Nähe Alexanderplatz) wird pro Tag von ca. 58.300 bis 63.000 Fahrzeugen passiert. Der Knotenpunkt am Übergang zur Alexanderstraße (inklusive des dortigen Tunnels) gehört mit 58.368 Fahrzeugen pro 24 Stunden zu den am stärksten belasteten Straßenabschnitten in ganz Berlin.
Der mittlerer Abschnitt (z. B. Strausberger Platz) wird tagesdurchschnittlich von 40.000 bis 45.000 Fahrzeugen befahren. Hier verteilt sich der Verkehr etwas gleichmäßiger über die mehrspurige Allee.
Am östlichen Ende (Frankfurter Tor) konnten ca. 45.000 Fahrzeuge gezählt werden. Ab der Kreuzung mit dem Verkehrsweg Proskauer Straße−Niederbarnimstraße geht die Karl-Marx-Allee fließend in die Frankfurter Allee (B1/B5) über, wo das Verkehrsaufkommen stadtauswärts rapide ansteigt und weiter östlich Spitzenwerte von über 65.000 Fahrzeugen am Tag erreicht.
Der Fahrradverkehr wird zwischen der Kreuzung Niederbarnimstraße/Proskauer Straße und dem Alexanderplatz größtenteils bereits seit der Fertigstellung der Allee beiderseits auf einem abgesetzten Fahrradstreifen neben dem Kraftfahrstreifen geführt. Die Übersichtlichkeit der Straßenkreuzungen und damit die Sicherheit der Radfahrer ist auf der gesamten Länge sehr unterschiedlich.
Nach dem Verkehrskonzept des Senats sollte ab 2020 ein Umbau der Straße dahingehend erfolgen, dass bis zu vier Meter breite geschützte Radwege auf beiden Straßenseiten entstehen.[50] Ein erster abgepollerter Abschnitt zwischen dem Strausberger Platz und dem Alexanderplatz konnte 2021 eingeweiht werden. Im westlichen Bereich der Allee sind bisher jedoch noch keine Radwegverbreiterungen erfolgt.
Im Februar 2009 ergänzte ein damals anonymer Autor den Wikipedia-Artikel zur Straße um die Behauptung, die Straße sei zu DDR-Zeiten im Berliner Volksmund wegen der Fassadenfliesen auch als „Stalins Badezimmer“ bezeichnet worden.[51] Diese Bezeichnung griffen in der Folgezeit mehrere Medien auf und wiederholten, es handele sich um einen in der DDR gebräuchlichen Ausdruck.[52][53][54] Ein Beleg für die tatsächliche Verwendung dieses Begriffes in der DDR fehlte und konnte auch nicht nachgeliefert werden. Nachdem ein Leserbriefschreiber im Jahr 2011 in der Berliner Zeitung die Verbreitung dieses Ausdrucks im Volksmund bezweifelt hatte,[55] gab ein Journalist dieses Blattes, Andreas Kopietz, an, für die frei erfundene Einfügung in den Wikipediaartikel verantwortlich zu sein. Als Motiv nannte er seinen Ärger über verschiedene angebliche Berolinismen, die oft gar nicht im Volksmund verbreitet seien.[56]
Irma Leinauer: Magistrale der Moderne: Das Wohngebiet an der Karl-Marx-Allee im Zentrum von Berlin. Planungs- und Baugeschichte. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, 2023, ISBN 978-3-86732-410-6.
Thorsten Klapsch, Michaela Nowotnick: Mein Stalinbau – Eine Berliner Straße und die Geschichten ihrer Bewohner. Bebra Verlag, 2021, ISBN 978-3-8148-0248-0.
Peter Brock (Hrsg.): Berliner Straßen neu entdeckt. 33 Streifzüge durch die Hauptstadt. Jaron, Berlin 2003, ISBN 3-89773-114-2, S.87–92: Das längste Baudenkmal.
Tilo Köhler: Unser die Straße – Unser der Sieg. Die Stalinallee. Berlin 1993/1994, ISBN 3-88747-084-2; Taschenbuchausgabe: Aufbau, Berlin 1999, ISBN 3-88747-084-2.
Herbert Nicolaus, Alexander Obeth: Die Stalinallee. Geschichte einer Deutschen Straße. Verlag für Bauwesen, Berlin 1997, ISBN 3-345-00605-7.
Jörg Haspel: Zwischen Erhaltung und Erneuerung: Die Karl-Marx-Allee in Berlin. In: Stalinistische Architektur unter Denkmalschutz? (= ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees, XX), München 1996, S.17–24, ISBN 3-87490-667-1 (online).
Joachim Schulz, Werner Gräbner: Berlin. Hauptstadt der DDR. Architekturführer DDR. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1974, 2. Auflage; Objektnummern 61–65 und 71 Karl-Marx-Allee, 2. Bauabschnitt, sowie Objektnummern 141–143 Karl-Marx-Allee, 1. Bauabschnitt.
↑Alfred Döblin: Stettin 10.8.1878 – Emmendingen/Baden 26.6.1957.In:gedenktafeln-in-berlin.de.Abgerufen am 29.April 2026:„Bis 1913 wohnte der Arzt und Schriftsteller (Berlin Alexanderplatz, November 1918, Reise in Polen) in der Blücherstraße 18, anschließend hatte er Wohnung und Praxis in der Frankfurter Allee 104. 1919 zog er in die Frankfurter Allee 340 (heute: Karl-Marx-Allee 131, dort steht seit 1992 eine Büste von ihm) und 1930 schließlich […] in den Berliner Westen.“
↑Thomas Flierl: Zwei deutsche Architekturen – Karl-Marx-Allee und Interbau 1957. Konfrontation, Konkurrenz und Koevolution im geteilten Berlin in: Antrag zum UNESCO-Weltkulturerbe 2013.
↑Christin Baumeister, Karl Thomas Dietzsch:Camp 4 Pavillon.In:Website "Baumeister und Dietzsch", Architekten, Berlin.2016,abgerufen am 11.September 2025.
↑Christin Baumeister, Karl Thomas Dietzsch:Galerie Capitain-Petzel.In:Website "Baumeister und Dietzsch", Architekten, Berlin.2008,abgerufen am 11.September 2025.
↑Erläuterung: Ein VgV-Verfahren ist ein formalisiertes Vergabeverfahren nach der Vergabeverordnung (VgV). Es regelt, wie öffentliche Auftraggeber in Deutschland Liefer- und Dienstleistungsaufträge vergeben müssen, deren geschätzter Auftragswert die europaweiten Schwellenwerte (EU-Schwellenwerte) erreicht oder überschreitet.
↑Die Angaben wurden mit dem (Satelliten)-Messtool von Google Maps ermittelt. Die 44Pinguine.
↑Arnold Bartetzky: Stadtplanung als Glücksverheißung. Die Propaganda für den Wiederaufbau Warschaus und Ost-Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Arnold Bartetzky, Marina Dmitrieva, Alfrun Kliems (Hrsg.): Imaginationen des Urbanen. Konzeption, Reflexion und Fiktion von Stadt in Mittel- und Osteuropa. Lukas Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86732-022-1, S.73, books.google.de
↑Peter Neumann:Geschützte Radwege in Berlin: Hier sollen die nächsten XXL-Radwege entstehen. In: Berliner Zeitung. 27.Februar 2019 (berliner-zeitung.de).