„Fluch des Pharao“ – Versionsunterschied
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Zahlreiche Filme wurden über fluchbeladene Gräber gedreht, meist in Verbindung mit auferstehenden Mumien. In der schwarzweißen Zeit des Kinos fing es mit einigen Horrorfilmen an, die vor einigen Jahren aufgegriffen wurden. |
Zahlreiche Filme wurden über fluchbeladene Gräber gedreht, meist in Verbindung mit auferstehenden Mumien. In der schwarzweißen Zeit des Kinos fing es mit einigen Horrorfilmen an, die vor einigen Jahren aufgegriffen wurden. |
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* 1932: "Die Mumie", mit [[Boris Karloff]] |
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* 1999: "Die Mumie", mit Rachel Weisz |
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* 2001: "Die Mumie kehrt zurück", Fortsetzung des oben Genannten |
* 2001: "Die Mumie kehrt zurück", Fortsetzung des oben Genannten |
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Version vom 6. Dezember 2006, 14:24 Uhr
Der Fluch des Pharao ist eine Bezeichnung für einen weit verbreiteten Aberglauben: dass die altägyptischen Könige ihre Gräber mit magischen Sprüchen gegen Eindringlinge schützten. Der bekannteste sogenannte 'Fluch des Pharao' bezieht sich auf den ägyptischen Pharao Tutanchamun. Die Hysterie in den Medien nach der Entdeckung des Grabes schlug sich in Literatur und Film nieder.
Grabflüche im alten Ägypten
Seit dem Alten Reich sind Grabflüche belegt; sie sollen bei Vernachlässigung des Totenkults oder des Gedächtnisses der Verstorbenen greifen. In ihnen werden sowohl irdische als auch jenseitige Strafen beschworen.
Der Fluch des Tutenchamun
Allgemein
Die Entdeckung seines Grabes 1922 und die Öffnung der Sargkammer 1923 weckte breites Interesse in der Öffentlichkeit, Folge der sogenannten Ägyptomanie, die eine Modeerscheinung dieser Zeit darstellt. Der junge Pharao war monatelang Schlagzeile auf der ersten Seite, und keine noch so unglaubwürdige Story war zu schade für die erste Seite. So wurde der Fluch des Pharaos dankbar aufgenommen, und durch verschiedene Persönlichkeiten der englischen Gesellschaft gestärkt.
Tontafel
Als der englische Archäologe Howard Carter am 26. November 1922 das Grab von Tutanchamun öffnete, soll er neben vielen Schätzen und Beigaben, nach anderen Quellen auch schon am Grabeingang, eine Tontafel gefunden haben, auf der geschrieben stand:
- "Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen,
- der die Ruhe des Pharao stört!"
Die Wissenschaft hält die Tontafel für eine Erfindung. Es gibt keinerlei Bilder, obwohl jeder gefundene Gegenstand fotografiert wurde; es sind auch keine Notizen über eine solche Tafel gemacht worden. Die Tafel wurde nie gefunden. Die Wortwahl ist vollkommen unägyptisch, das Bild des Todes mit Schwingen wäre hier zum ersten Mal belegt.
Angebliche Opfer des Fluches
Es starben einige an der Ausgrabung Beteiligte und frühe Besucher der Grabes, auf mehr oder weniger mysteriöse Weise:
1922
- Als am 26. November das Grab geöffnet wurde, tötete eine Schlange den Wellensittich von George Herbert, 5th Earl of Carnarvon; Schlangen gelten als Beschützer des Pharaos.
1923
- Carnarvon (Gönner von Howard Carter) war bei der Graböffnung am 8. März anwesend. Als er das Grab verließ, wurde er von einem Moskito gestochen; der Stich wurde beim Rasieren aufgeschnitte, und dies führte zu einer Blutvergiftung, die zusammen mit einer Lungenentzündung am 5. April 1923 zum Tode führte. Zum Zeitpunkt des Todes (2.00 Uhr morgens) fiel in ganz Kairo der Strom aus (allerdings waren noch Jahrzehnte später Stromausfälle in Ägypten sehr häufig), und in derselben Nacht starb in Highclere Castle der Lieblingshund von Carnarvon.
1924
- Der Konservator des Louvres Paris, George Benedit, stirbt angeblich am selben Tag, an dem er zum ersten Mal das Grab betrat.
- Gardian La Fleur (Literaturwissenschaftler der McGill University, Kanada) besuchte das Grab und starb zwei Tage danach
- Der Begleiter und Assistent La Fleurs beging Selbstmord durch Erhängen; in seinem Abschiedsbrief machte er den Fluch des Pharaos dafür verantwortlich.
- George Jay Gould (Millionär aus den USA) besuchte die Grabstätte und erkältete sich dabei. An der daraus entstandenen Lungenentzündung starb er kurze Zeit später (nach anderen Quellen starb er noch am selben Tag)
- Douglas Archibald Reed (Röntgenologe) röntgte und photographierte Tutenchamun und brach dabei zusammen. Er starb später an einer Lungenstauung und einem unbekanntem Fieber (einer anderen Theorie nach, starb er noch am Fundort)
- Arthur C. Mace (Konservator des New Yorker Metropolitan-Museums) und Sekretär Howard Carters war bei der Ausgrabung anwesend und starb plötzlich und unerwartet
- Colonel Aubrey Herbert (Halbbruder von Carnarvon) war beim Öffnen des Sarkophags anwesend und starb einige Wochen später an einer Bauchfellentzündung (nach anderen Quellen beging er, bedingt durch einen depressiven Anfall, Selbstmord)
- Woolf Joel war ebenfalls beim Öffnen anwesend und fiel auf der Schiffsreise nach Luxor von Bord und ertrank
- Evelyn Greely war bei der Öffnung des Grabes anwesend. Sie beging zu Hause in Chicago, Illinois Selbstmord, nachdem sie ihren Sohn ermordet hatte
- H. G. Evelyn-White (Ägyptologe der University Leeds) erhängte sich nach intensivem Studium pharaonischer Papyrus-Rollen. In seinem Abschiedsbrief machte er „den Fluch“ dafür verantwortlich
1929
- Richard Bethel (der Sekretär Howard Carters) wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Suizid gilt heute als wahrscheinlich, konnte aber nicht nachgewiesen werden
- Lady Almina, die Ehefrau Carnarvons infizierte sich durch einen Moskitostich und starb kurze Zeit darauf
- Ali Farmy Bey gab sich als ägyptischer Prinz aus und behauptete von sich, in direkter Linie von Tutenchamun abzustammen. Er wurde in seinem Hotelzimmer in London ermordet aufgefunden. Kurze Zeit später beging sein Bruder Selbstmord
1930
- Lord Westbury, der Vater von Richard Bethel stürzte im Februar aus dem Fenster seines Londoner Domizils. Ob Selbstmord oder Unfall konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Auf dem Weg zum Friedhof wurde der Leichenwagen in einen Unfall verwickelt und dabei ein Kind getötet. Da Westbury in seiner Wohnung Alabastervasen aus dem Besitz Tutenchamuns besaß, war für viele eindeutig „der Fluch“ daran schuld.
1966
- Dr. Mohammed Ibrahim (Leiter des ägyptischen Museums, Kairo) wollte verhindern, dass seine Regierung eine Ausstellung der pharaonischen Schätze in Paris ausrichtete. Er hatte geträumt, dass er zu Beginn dieser Ausstellung bei einem Autounfall sterben würde. Ibrahim wurde vor seinem Museum in Kairo von einem Taxi überfahren und starb zwei Tage später.
1969
- Richard Adamson (Kollege von Howard Carter) äußerte sich in einem Interview sehr despektierlich über „den Fluch des Pharao“. Einen Tag später starb plötzlich und unerwartet seine Ehefrau und eine Woche später hatte sein Sohn einen sehr schweren Unfall
1992
- Als ein Filmteam der BBC einen Dokumentarfilm über Tutenchamun drehte, kam es an den Original-Schauplätzen immer wieder zu merkwürdigen Unfällen
Die Mehrheit der Besucher und der anderen Personen, die mit der Mumie Kontakt hatten, starb viel später auf natürliche Art und Weise. Howard Carter selbst hatte seit der Ausgrabung bis zu seinem Tod (1939) Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und weitere gesundheitliche Probleme.
Kritik
Die meisten der mit dem Fluch in Verbindung gebrachten Opfer verstarben im Alter von 70, 80 Jahren, wie der Ägyptologe Professor Georg Steindorff 1993 herausarbeitete. Der australische Forscher Mark Nelson von der Monash University wiederum analysierte die Lebensläufe und Teamzugehörigkeiten der Mitarbeiter Carters von 1923 bis 1926. Er kam zu dem Ergebnis, dass die bei der Graböffnung aktiv Beteiligten keinem höheren Risiko ausgesetzt waren als die nur bei den Expeditionen mitwirkenden Personen. Es besteht kein Hinweis, dass die Ausgrabungen sich negativ auf die zu erwartende Lebenszeit der Grabschänder ausgewirkt hätte. Vielmehr ist die britische Presse ihrer Sensationssucht erlegen, indem sie das Ideengut von Louisa May Alcotts Novelle "Lost in a Pyramid: The Mummy's Curse", aufgriff.
Eine statistische Untersuchung ergab, dass die beteiligten Personen im Durchschnitt ein Jahr älter wurden als andere Personen ihres Alters und ihrer sozialen Umstände. Die Todesfälle sind also im Rahmen des Üblichen und der Fluch nach Ansicht der Wissenschaft eine Erfindung der Sensationspresse.
Aspergillus flavus
Seit 1973 glaubt man, einige Todesfälle auf den Schimmelpilz Aspergillus flavus oder auf andere in der Grabkammer konservierte, heute ausgestorbene oder seltene Bakterien, Pilze oder Viren zurückführen zu können, gegen welche der neuzeitliche Mensch über keine oder nur geringe Abwehrkräfte verfügt. Insbesondere Lungenerkrankungen oder Blutvergiftungen führt man darauf zurück.
Auch anderen Pharaonengräbern und weiteren Gräbern außerhalb Ägyptens werden Flüche zugeschrieben.
Der Fluch in der Literatur
1828 veröffentlichte die englische Schriftstellerin Jane W. Loudon ihren Roman The Mummy 324. Sie thematisiert darin den Rachefeldzug einer Mumie im 22. Jahrhundert. 1869 baute die us-amerikanische Schriftstellerin Louisa M. Alcott darauf auf, als sie ihre Geschichte Der Fluch der Mumie schrieb. Als 1923 Mary Mackay (Pseudonym: Marie Corelli) von der Entdeckung Carters hörte, warnte sie die Welt, dass „... die schlimmste Strafe ...“ auf die Störung der Totenruhe folgen würde.
Der Fluch im Film
Zahlreiche Filme wurden über fluchbeladene Gräber gedreht, meist in Verbindung mit auferstehenden Mumien. In der schwarzweißen Zeit des Kinos fing es mit einigen Horrorfilmen an, die vor einigen Jahren aufgegriffen wurden.
- 1932: "Die Mumie", mit Boris Karloff
- 1999: "Die Mumie", mit Rachel Weisz
- 2001: "Die Mumie kehrt zurück", Fortsetzung des oben Genannten