Sliver (Roman)

Sliver ist ein Roman des amerikanischen Autors Ira Levin aus dem Jahr 1991. In dem Technikthriller geht es um die Bewohner eines Hochhauses in New York City und speziell um die zugezogene Lektorin Kay Norris. Der junge Hausbesitzer ist ein Voyeur, der in den Wohnungen Überwachungskameras installiert hat.
Der Roman wurde 1993 von Phillip Noyce leicht verändert als Erotikthriller verfilmt; die weibliche Hauptrolle spielt Sharon Stone.
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Roman folgt im Wesentlichen der Protagonistin Kay Norris, die zusammen mit ihrer Katze Felice in die 20. Etage eines vornehmen und wegen seiner Schmalheit als „Sliver“ (Splitter) bezeichneten Wohnhochhauses im New Yorker Stadtteil Manhattan zieht. Sie ist eine erfolgreiche Verlagslektorin, die sich erst vor Kurzem von ihrem Partner getrennt hat. Sie lernt relativ schnell einige ihrer Nachbarn kennen, darunter den ehemaligen Filmregisseur Sam Yale und die Schriftsteller Hubert Sheer und Jack Mulligan. Das Haus hat allerdings einen düsteren Ruf: Mehrere rätselhafte Todesfälle haben ihm den Charakter eines „Horror High-Rise“ gegeben. Sie erfährt zudem, dass sie eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Naomi Singer hat, der Vormieterin ihrer Wohnung, die durch einen Sturz vom Balkon zu Tode kam.
Kurze Zeit nach ihrem Einzug stirbt Hubert Sheer bei einem Duschunfall mit seinem Gipsbein. Kay beginnt eine intensive Affäre mit Pete Henderson, dem reichen und deutlich jüngeren Besitzer des Hauses und Nachbarn. Sie ist fasziniert davon, dass Henderson alles über sie und ihre Nachbarn weiß. Henderson ist zudem der Sohn der verstorbenen Schauspielerin Thea Marshall, die auch in einigen Filmen von Sam Yale gespielt und wahrscheinlich eine Affäre mit ihm hatte. Nach ihrem Tod gab Yale seine Karriere auf und wurde Alkoholiker, über eine geheime Stiftung verschaffte Henderson ihm eine Wohnung im Sliver.
Nachdem sich Henderson ernsthaft in die ältere Kay verliebt hat und die Beziehung über eine Affäre hinausgeht, gesteht er ihr, dass er in alle Wohnungen Überwachungskameras installiert hat und die Nachbarn darüber ausspioniert. Kay reagiert zunächst entsetzt, lässt sich von Henderson dann aber den Überwachungsraum zeigen, in dem die Bilder und Tonspuren aus sämtlichen Wohnungen zusammenlaufen. Obwohl sie das System zuerst ablehnt, beginnt sie sich bald selbst für die Beobachtung der Bewohner zu interessieren. Als Henderson eines Tages außer Haus ist, hält sie sich allein in dem Raum auf und entdeckt Videobänder, die zeigen, dass Hubert Sheers Tod kein Unfall war, und er von Henderson ermordet wurde. Damit wird ihr klar, dass auch die früheren Todesfälle im Haus mit ihm zusammenhängen. Er hatte auch Naomi Singer und weitere Bewohner des Hauses getötet, nachdem sie sein Überwachungssystem entdeckt hatten und ihm gefährlich werden konnten.
Henderson kommt ihr auf die Spur und bemerkt, dass Kay die Aufnahmen gesehen hat. Er hält sie in ihrer Wohnung fest und lockt Sam Yale unter einem Vorwand dorthin. Er will Sam töten, weil er ihn seit seiner Jugend für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht. Bevor Sam eintrifft, kommt es zwischen Kay und Henderson zum Kampf, bei dem Kay aus dem Fenster geschleudert wird und sich dort nur mit letzter Kraft an den Sims krallen kann. Als Henderson ihre Finger lösen will, greift Felice ein und springt ihn an. Sie verkrallt sich in sein Gesicht und verletzt seine Augen so schwer, dass er geblendet wird. Sam Yale findet die beiden so vor und hilft Kay durchs Fenster, danach rufen sie die Polizei und Henderson wird bewacht ins Krankenhaus gebracht. Zuletzt gehen Kay und Sam zurück in den Videoraum, um die vorher von ihr versteckten intimen Bänder zu holen.
Hintergrund und Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ira Levin schrieb Sliver, nachdem er 15 Jahre keinen Roman mehr veröffentlicht hatte.[1] Er siedelte den Roman Sliver in seinem eigenen Wohnviertel Carnegie Hill in Manhattan an und baute dabei viele reale lokale Einrichtungen wie „Feldman’s Housewares“, „The Corner Bookstore“, „Murphy’s Market“ in die Geschichte ein. Er wählte als Arbeitstitel für den Roman „1300 Madison“, eine tatsächliche Adresse in seiner Nachbarschaft ausgewählt allein wegen der unheimlichen Hausnummer.[2]

Das Buch wurde vor allem kurz nach dem Erscheinen und nach der Verfilmung von mehreren Fachmedien besprochen. Dabei schrieb etwa Thomas M. Disch in der Entertainment Weekly, dass Sliver ein ebenso fesselnder Pageturner sei wie Levins Debütroman A Kiss Before Dying vor 38 Jahren und er dazwischen zwei Bücher geschrieben habe, die zu Mythen der Popkultur geworden seien, Rosemary’s Baby und The Stepford Wives.[3] Das einfache Konzept des Romans, elektronischer Voyeurismus, wandle sich über die Affäre der beiden Protagonisten „von einem einfachen Hightech-Thriller zu etwas, das eher einer Liebesgeschichte gleicht.“ Dann werde es jedoch „so fesselnd, dass man sich am liebsten krankmelden würde“ und man weiß, „dass es, nachdem die Jungfrau in Not tief genug in Bedrängnis geraten ist, zu einem konventionellen Gothic-Finale kommen wird.“[3] Das gesamte Buch würde jedoch zugleich nicht einmal genug Ekelmomente bieten, um einen Absatz aus Bret Easton Ellis’ American Psycho zu füllen, und der Bösewicht sei zwar „ein Mehrfachmörder, aber kein Serienmörder“ und sei „eine glaubwürdige Person“, sodass sich der Leser zusammen mit der Hauptfigur Kay Norris auf seine voyeuristischen Spiele einlässt und „eine große Portion köstlichen, doppelt schokoladigen Eskapismus-Trash“ bieten.[3]
In Publishers Weekly wurde der Plot dagegen als „lahme, klischeehafte Geschichte“ tituliert, bei der die Katze, die die Hauptfigur „in einem rasanten Finale“ rettet, „mehr Lebenskraft besitze“ als die Geschichte selbst.[4] Laut The Guardian kam das Gespür von Levin für Zeit und Ort in Sliver „erneut geschickt zum Tragen, als er eine Mordgeschichte in einem meisterhaft geschilderten, schmalen Gebäude in Manhattan ansiedelte, in dem jede Bewegung überwacht wird.“ Dies sei „auf dem Papier […] wirklich unheimlich, doch die Verfilmung von 1993 mit Sharon Stone in der Hauptrolle kam unter der Last von Joe Eszterhas’ schäbigem Drehbuch nur schwer in Gang.“[1]
Auf der offiziellen Website des Autors werden verschiedene Stimmen zum Roman gesammelt, darunter etwa eine Bewertung von Stephen King, nach der Levin den für die Bewohner eines solchen Gebäudes schlimmsten Alptraum beschreibe und dass „die Erzählweise so schnörkellos und prägnant wie eine automatische Waffe“ sei.[2] Sliver sei der ultimative Fin-de-Siècle-Horrorroman, ein teuflischer Abschiedsgruß an das trendige Stadtleben im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.[5]
Verfilmung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Roman wurde 1993 unter dem Titel Sliver von Phillip Noyce als Erotikthriller verfilmt, die Hauptrollen spielten Sharon Stone, William Baldwin und Tom Berenger.[6] Die Namen und Rollen wurden dabei teilweise geändert: Aus Kay Norris wurde Carly Norris, und Pete Henderson Zeke Hawkins, der rivalisierende Schriftsteller heißt im Film Jack Landsford. Zudem wird der Fokus sehr stark auf die erotische Ebene und den Voyeurismus verschoben, um auf den Erfolg des Erotikthrillers Basic Instinct mit der gleichen Hauptdarstellerin aufzubauen.
Ausgaben (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Roman Sliver erschien zuerst 1991 bei Bantam Books in New York City und wurde in der Folge, vor allem nach der Verfilmung, in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die deutschsprachige Version erschien 1991 beim Goldmann-Verlag in einer Übersetzung von Klaus Fröba.
- Sliver: A Novel. Bantam Books, New York 1991. ISBN 978-0-553-07292-1.
- Sliver: A Novel. Bantam Books, New York 1992. ISBN 978-0-553-29507-8.
- Sliver: A Novel. Pegasus Books, New York 2011. ISBN 978-1-60598-182-6.
- Sliver. Michael Joseph, London 1991. ISBN 978-0-7181-3530-0.
- Sliver: Roman. aus dem Amerikanischen von Klaus Fröba. Goldmann, München 1. Aufl. 1991. ISBN 978-3-442-41159-7.
Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Christopher Hawtree: Obituary Ira Levin auf theguardian.com, 16 November 2007; abgerufen am 19. April 2026.
- 1 2 Sliver (Book) auf der Website iralevin.org, abgerufen am 19. April 2026.
- 1 2 3 Thomas M. Disch: Sliver, Rezension in Entertainment Weekly, 15. Februar 1991; abgerufen am 19. April 2026.
- ↑ Sliver, Rezension in Publishers Weekly, abgerufen am 19. April 2026.
- ↑ Sliver auf der Verlagsseite des britischen Verlags Hachette, abgerufen am 19. April 2026.
- ↑ View To A Kill: Sliver (1993). Medium, abgerufen am 20. April 2026