Simone Téry

Simone Téry (geboren am 28. Januar 1897 in Carcassonne; gestorben am 12. Dezember 1967 in Paris) war eine französische Journalistin und Schriftstellerin.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Simone Téry wurde als Tochter der Journalistin Andrée Viollis und des Verlegers Gustave Téry geboren. Sie studierte Geisteswissenschaften, erwarb einen Abschluss in Philosophie und als Jahrgangsbeste die Agrégation de lettres[A 1]. Sie unterrichte zwei Jahre in einem Gymnasium in Rabat in Marokko. Danach wechselte sie in den Journalismus; sie begann mit Reportagen aus Irland.[1][2] Ihre Berichte vom Irischen Unabhängigkeitskrieg enthielten Interviews mit Mitgliedern der Sinn Féin, mit Éamon de Valera und Arthur Griffith. Sie gilt als einzige Journalistin, die jemals Michael Collins interviewt hat.[3]
1934 wurde sie in Spanien anlässlich einer Reportage über den Aufstand in Asturien von den Behörden festgenommen und fünf Tage lang inhaftiert, dann dank einer Kampagne der Kommunistischen Partei freigelassen. 1935 unterhielt sie eine Affäre mit dem Schriftsteller Paul Nizan, eine Episode, die sie in einem Buch Le Cœur volé romantisch verarbeitete.[2]
Dank eines Albert-Kahn-Stipendiums konnte sie um die Welt reisen, unter anderem nach China, Japan und in die Vereinigten Staaten.[2] Sie gehörte zur Redaktion der Wochenzeitung Vendredi und schrieb auch für Regards[4] und Messidor, insbesondere Reportagen von der republikanischen Seite während des spanischen Bürgerkriegs.[1] In Deutschland trat sie, als ihr die Veröffentlichung eines Artikels verweigert wurde in den Hungerstreik, was ihr einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt einbrachte. Ihr Theaterstück Dernière édition spéciale (1937) basiert auf diesem Vorfall[2].
Daraufhin reiste sie in die Sowjetunion, von wo aus sie ihren ersten Artikel für L’Humanité veröffentlichte, der sich mit dem Tod des Schriftstellers Henri Barbusse befasste. Zu diesem Zeitpunkt trat sie der Kommunistischen Partei bei.[2] 1939 heiratete sie in Madrid den spanischen Intellektuellen und linken Aktivisten Juan Chabás[5]. Chabás war Mitglied der literarischen Bewegung der Generation von 1927.[2] Sie emigrierten in die Dominikanische Republik und schließlich nach Mexiko.[1] Nach der Trennung von Chabás kehrte Simone Téry nach Frankreich zurück, wo sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit als Journalistin und Reporterin bei L’Humanité sowie als Buchautorin wieder aufnahm. Ihre Werke wurden vom Verlagsnetzwerk der Kommunistischen Partei veröffentlicht.
Nach dem Krieg wurde sie erneut in die Sowjetunion eingeladen; aus dieser Reise entstand das Werk Une Française en Union soviétique, das 1952 bei den Éditions sociales erschien. Laut François Forestier[6] lässt sich der Inhalt nur mit einem Roman vergleichen, da die Beschreibungen des Lebens in der Sowjetunion die Realität ausblende und lediglich die ideologische Fiktion zeige: „Ihr Buch ist ein schlichtes Zeugnis – mal bitterböse komisch, mal traurig-erschütternd – der ideologischen Dummheit eines Teils der Linken jener Jahre, die dadurch ihre Glaubwürdigkeit, ja sogar ihre Seele verlor.“[7]
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- En Irlande : de la guerre d’indépendance à la guerre civile (1914–1923), Reportagen, Flammarion, 1923.
- L’Île des bardes. Notes sur la littérature irlandaise contemporaine. Yeats, Synge, Joyce, Stephens, Flammarion, 1925.[8]
- Fièvre Jaune : (la Chine convulsée), Reisebericht, Flammarion, 1928.
- Passagère, Librairie Valois, 1930.
- Dernière édition spéciale, Komödie in 3 Akten, 1937.
- Le Cœur volé, Denoël, 1938.
- Front de la liberté : Espagne 1937–1938, Reportagen, Éditions sociales internationales, 1938.
- Où l’aube se lève, autobiographischer Roman, Brentano’s, 1945.
- La porte du soleil, Roman, Hier et aujourd’hui, 1948. ISBN 978-2-343-13532-8.
- deutsch: Tor zur Sonne[9]
- Ils se battent aux Thermopyles, Hier et aujourd’hui, 1948.
- Du soleil plein le cœur. La vie merveilleuse de Danielle Casanova, Biographie, Hier et aujourd’hui, 1949.
- Le Pays des vraies merveilles, aus dem russischen übersetzte Erzählungen, Éditeurs français réunis, 1949.
- Une Française en Union soviétique, Reisebericht, Éditions sociales, 1952.
- deutsch: Das Land voller Sonne : Eine Französin erlebt d. Sowjetunion[10]
- Beaux enfants qui n’hésitez pas, Roman, Éditeurs français réunis, 1957.[11]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Angela Kershaw: Simone Téry (1897–1967): Writing the History of the Present in Inter-War France. In: Feminist Review. 2007, doi:10.1057/palgrave.fr.94003.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nicole Racine, Anne Mathieu: TÉRY Simone. In: Le Maitron. (französisch).
- Adliger Offizier und proletarischer Schriftsteller. In: Sächsische. (französisch).
- Anne Mathieu: La reportrice Simone Téry en Irlande. In: HAL. (französisch).
- Angaben zu Simone Téry in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Diese ist eine hochwertige Form des Staatsexamens in klassischen Sprachen. Siehe dazu weiterführend Agrégation de lettres classiques in der frankophonen Wikipédia.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Nicole Racine, Anne Mathieu: TÉRY Simone. In: Maitron patrimonial. 2010 (maitron.fr).
- 1 2 3 4 5 6 Bertrand Matot: Petite anthologie des premières femmes journalistes. L'éveilleur éditions, 2019, ISBN 979-1-09601140-7, S. 90–95.
- ↑ Oliver O’Hanlon: Simone Téry, the Human Question Mark in Ireland. In: NLI. 14. Februar 2013, abgerufen am 4. Mai 2026 (französisch).
- ↑ Angaben zu Regards in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Juan Chabás in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu François Forestier in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ François Forestier: Caviar à gogo, usines de rêve et gentil Staline : Simone Téry, la journaliste qui prenait l’URSS pour le paradis. In: Nouvel Obs. 20. Mai 2022, abgerufen am 4. Mai 2026 (französisch).
- ↑ Simone Téry, L’Île des bardes (décembre 1925). In: Revue de Genève. Abgerufen am 4. Mai 2026 (französisch).
- ↑ DNB 458321966
- ↑ DNB 576654957
- ↑ Beaux enfants qui n’hésitez pas auf Gallica
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Téry, Simone |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Journalistin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 28. Januar 1897 |
| GEBURTSORT | Carcassonne |
| STERBEDATUM | 12. Dezember 1967 |
| STERBEORT | Paris |