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Semelparität

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(Weitergeleitet von Semelpar)

Semelparität[1] oder Semelparie, seltener Semelparitie genannt (lateinisch semel einmal, pario gebären), bezeichnet einen Lebenszyklus, bei dem sich der betreffende Organismus nur einmal in seinem Leben sexuell fortpflanzt. In den meisten Fällen sterben semelpare Organismen kurz nach ihrer Fortpflanzung, die auch noch die Brutpflege mit einschließen kann, ab.[2]

Das Gegenstück von Semelparität ist die sogenannte Iteroparität, von lateinisch itero mehrmals.[3]

Aus ökologischer Sicht dient die Fortpflanzungsstrategie der Semelparität der jeweiligen Art dazu, sämtliche Ressourcen der Elterngeneration ungeteilt in den eigenen Nachwuchs zu investieren. Dagegen müssen iteropare Arten einen Teil ihrer Energie für den Selbsterhalt nutzen, sonst könnten sie sich nicht wiederholt fortpflanzen.[4]

Zum Ausgleich dafür, dass sie sich nur ein einziges Mal fortpflanzen, sorgen semelpare Arten in der Regel für mehr Nachwuchs, wie Insektenkundler an der University of Oxford nachweisen konnten.[5]

Semelpare Tiere

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Gelbfuß-Beutelmaus, ein semelparer Kleinsäuger
  • Einige Beuteltiere, wie die Breitfuß-Beutelmäuse, paaren sich über Stunden mit so vielen Partnerinnen wie möglich und legen zwischendurch weite Strecken zurück, um möglichst viele Weibchen zu erreichen. Bei den semelparen Männchen führt dieses Verhalten zur Auszehrung und zum Zusammenbruch des Immunsystems, woran sie schließlich sterben.[6]
  • Die Männchen des im nördlichen Australien lebenden Zwergbeutelmarders (Dasyurus hallucatus) sind die größten bekannten Säugetiere, die nach der Fortpflanzung sterben. Dies ist auf Überanstrengung und mangelnden Schlaf zurückzuführen. Die Weibchen paaren sich maximal vier Perioden lang.[7]
Rotlachse zählen zu den semelparen Pazifischen Lachsen
  • Pazifische Lachse (Oncorhynchus spp.), die als Wanderfische im Meer aufwachsen, schwimmen zum Ablaichen die Flüsse empor, paaren sich in Bächen in deren Oberläufen und setzen dort ihren Laich ab. Während der Laichwanderung verändern sich die Körper der Lachse und sie nehmen kaum noch oder gar keine Nahrung mehr auf, so dass die meisten von ihnen nach der Fortpflanzung entkräftet in den Laichgewässern verenden. Dieser „Fortpflanzungstod“ wird zusätzlich durch den extremen Anstieg des Cortisolspiegels begünstigt. Nur etwa 5 Prozent der pazifischen Lachse überleben und gehen erneut auf Laichwanderung.[8][9]
  • Aale, wie z. B. der Europäische Aal (Anguilla anguilla), pflanzen sich nur ein einziges Mal am Ende ihres Lebens fort, bevor sie sterben. Vorher legen sie mitunter 5000 Kilometer zurück, um zum Ablaichen ihren Geburtsort zu erreichen.[10]
Weiblicher Oktopus mit Gelege
Eintagsfliegen können als Imago keine Nahrung mehr aufnehmen und sterben spätestens unmittelbar nach der Paarung bzw. der Eiablage.
  • Adulte Libellen leben, im Gegensatz zu ihren mehrjährigen Larven, in der Regel nur wenige Wochen und pflanzen sich in dieser Zeit nur einmal fort.[15]
  • Eintagsfliegen (Ephemeroptera), wie die Theiß-Eintagsfliege Palingenia longicauda, können nach der Verwandlung zum Imago keine Nahrung mehr aufnehmen und sterben unmittelbar nach der Paarung bzw. der Eiablage.[16]
  • Fächerflügler (Strepsiptera), die als Endoparasiten andere Insekten befallen, produzieren in ihrer ersten und einzigen Paarungssaison bis zu 750.000 Larven.[17][5]
Blühende Natternköpfe (Echium Wildpretii) auf Teneriffa
Blühende Agaven, in Porto Covo, Portugal

Semelpare Pflanzen werden auch als hapaxanth (altgriechisch ἅπαξ hápax, deutsch einmal, ἄνθος ánthos, deutsch Blüte) bezeichnet und bilden in ihrer Lebenszeit nur ein einziges Mal Blüten und Früchte aus.[19]

Eine weitere Bezeichnung für diese Arten ist monokarpe Pflanzen. Innerhalb dieser Gruppe einmal blühender Pflanzen unterscheidet man nach Dauer, die bis zur Samenbildung und Ausreifung benötigt wird, zwischen einjährigen, zweijährigen und mehrjährigen Gewächsen.[20]

Einzelnachweise

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  1. Lexikon der Biologie. Band 7. Freiburg u. a. 1986, S. 403, sv. semelpar.
  2. semelpar. In: Lexikon der Biologie, Spektrum. Abgerufen am 8. September 2021.
  3. iteropar. In: Lexikon der Biologie, Spektrum. Abgerufen am 8. September 2021.
  4. Agrarökologie. Iteropar und semelpar. In: repetico. Abgerufen am 8. September 2021.
  5. 1 2 3 Liz Langley: 5 Tiere, die sich zu Tode paaren. In: National Geographic. 9. November 2017, abgerufen am 8. September 2021.
  6. Science. Why A Little Mammal Has So Much Sex That It Disintegrates. In: National Geographic. Abgerufen am 8. September 2021 (englisch).
  7. Joshua L. Gaschk, Kaylah Del Simone, Robbie S. Wilson, Christofer J. Clemente: Resting disparity in quoll semelparity. Examining the sex-linked behaviours of wild roaming northern quolls (Dasyurus hallucatus) during breeding season. In: Royal Society Open Science. The Royal Society Publishing, 2023, doi:10.1098/rsos.221180 (englisch).
  8. Lachse. In: Lexikon der Biologie, Spektrum. Abgerufen am 9. September 2021.
  9. 1 2 David Gems, Carina C. Kern, Joseph Nour, Marina Ezcurra: Reproductive Suicide. Similar Mechanisms of Aging in C. elegans and Pacific Salmon. In: Frontiers in Cell and Developmental Biology. Band 9, 27. August 2021, doi:10.3389/fcell.2021.688788 (englisch).
  10. Der Europäische Aal (Anguilla anguilla). BUND, abgerufen am 13. Oktober 2021.
  11. Reproduction and condition of female Octopus mimus (Mollusca: Cephalopoda). In: Marine Biology. Band 123. Springer, 1995, S. 505510, doi:10.1007/BF00349229 (englisch).
  12. Bruce Robison, Brad Seibel, Jeffrey Drazen: Deep-Sea Octopus (Graneledone boreopacifica) Conducts the Longest-Known Egg-Brooding Period of Any Animal. In: PLOS ONE. Band 9, Nr. 7, 2014, doi:10.1371/journal.pone.0103437 (englisch, open access).
  13. Arion subfuscus. Reproduction. In: Animal Diversity Web. Abgerufen am 9. September 2021 (englisch).
  14. Gary A. Wellborn, Jonathan D.S. Witt, Rickey Cothran: Class Malacostraca, Superorders Peracarida and Syncarida. In: James H. Thorp, D. Christopher Rogers (Hrsg.): Thorp and Covich's Freshwater Invertebrates. 4. Auflage. Band 1: Ecology and general biology, 2015, ISBN 978-0-12-385026-3, S. 781796, doi:10.1016/B978-0-12-385026-3.00031-0 (englisch).
  15. Wilco C. E. P. Verberk, Henk Siepel, Hans Esselink: Life-history strategies in freshwater macroinvertebrates. In: Freshwater Biology. Band 53, 2008, S. 1722–1738, doi:10.1111/j.1365-2427.2008.02035.x (englisch).
  16. Leben Eintagsfliegen wirklich nur einen Tag? In: Geolino. Abgerufen am 4. Januar 2022.
  17. Jeyaraney Kathirithamby, Michael Hrabar, Juan A. Delgado, Francisco Collantes, Stefan Dötterl, Donald Windsor, Gerhard Gries: We do not select, nor are we choosy: reproductive biology of Strepsiptera (Insecta). In: Biological Journal of the Linnean Society. Band 116, Nr. 1, September 2015, S. 221–238, doi:10.1111/bij.12585 (englisch).
  18. Unesco-Weltnaturerbe: Mehr Sex fürs Watt. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 4. Januar 2022.
  19. hapaxanthe Pflanzen. In: Lexikon der Biologie, Spektrum. Abgerufen am 9. September 2021.
  20. 1 2 3 Hapaxanthe Pflanze – Pflanzenfachbegriffe. In: pflanzen-bild.de. Abgerufen am 9. September 2021.
  21. Die Agave. Sie blüht nur einmal im Leben. Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, abgerufen am 8. September 2021.
  22. Die «Königin der Anden» in voller Blüte. In: Tagesanzeiger. Abgerufen am 20. Oktober 2021.
  23. Afghanischer Strandflieder. Bukiniczia cabulica Sarastro-Stauden, abgerufen am 8. September 2021
  24. Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides) > Ökologie & Lebenszyklus. Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 20. Oktober 2021.
  25. Truman P. Young: Semelparity and Iteroparity. In: Nature Education Knowledge. Band 3, Nr. 10, 2010, S. 2 (englisch, nature.com [abgerufen am 8. September 2021]).