Selma Rohn
Selma Rohn (* 3. Juni 1874 in Baden, Kanton Aargau; † 1. Dezember 1962 in Vinelz) war eine Schweizer Künstlerin und Kunsthandwerkerin. Sie wurde vor allem durch ihre Porzellanmalerei bekannt.
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kindheit und Jugendjahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Louise Selma Rohn kam in Baden zur Welt. Nach der Ernennung ihres Vaters zum Verwalter der Siedlung Cité-Marie zog die Familie nach Biel. Sie verbrachte einen Grossteil ihrer Kindheit und Jugend in Biel.[1] Sie hatte einen älteren Bruder, Albert Rohn (1873–1955), dem sie nahestand und mit dem sie über vierzig Jahre lang zusammenlebte. Bereits als Jugendliche begeisterte sie sich für die bildende Kunst. Im Alter von 19 Jahren musste sie sich wegen eines aggressiven Karzinoms einer Beinamputation unterziehen. Infolgedessen trug sie eine Holzprothese.
Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen 1897 und 1900 erwarb Selma Rohn erste Kenntnisse als Studentin für Kunstgewerbe bei Professor Émile Clottu (1850–1920) am Westschweizerischen Technikum in Biel. Dort begegnete sie Anna Haller (1872–1927), mit der sie eine enge Freundschaft verband. Sie nahm auch beim Bieler Maler Frank Louis Behrens (1883–1945) Unterricht in Ölmalerei. Ihre Behinderung zwang sie jedoch, eine weniger anstrengende Aktivität zu wählen. Sie widmete sich der angewandten Kunst, insbesondere dem Gravieren und Prägen.[2]
Kunsthandwerkerin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1902 machte sich Selma Rohn selbständig. Gemeinsam mit Anna Haller richtete sie in der Seevorstadt 65 in Biel, in einer ehemaligen Fabrik, ein Kunstgewerbeatelier ein.[3] Sie waren erfolgreich in ihrem Unternehmen. 1908 beendeten sie ihre Zusammenarbeit aufgrund persönlicher Unstimmigkeiten. Selma Rohn verlegte danach ihr Atelier an die Rüschlistrasse 31 in Biel. Am 5. September 1922 eröffnete sie in der Sesslerstrasse 1 in Biel ein Fachgeschäft für Kunstgewerbe und Hauskunst. Dieses vereinte Atelier, Verkaufs- und Ausstellungsraum in einem, was in der Schweiz neu war. Sie veranstaltete regelmässig Abendkurse in Metallplastik, Herstellung von Lampenschirmen, Brand- und Porzellanmalerei und Ziselieren. Zudem gab sie privat und an der Volkshochschule Kurse in Porzellanmalerei. Zu ihren Schülerinnen, welche meist aus gutbürgerlichen Familien stammten, zählten unter anderem Dora Neuhaus (1889–1975)[4] und Suzy Vaucher (1917–1995). 1927 eröffnete sie ein neues Atelier in der Plänkestrasse 30 in Biel und 1934 ein neues Ateliergeschäft in der Zentralstrasse 33 in Biel.
1947 verkaufte Selma Rohn ihr Geschäft an ihre Nichte und Schülerin Martha Schweizer-Rohn. Sie zog sich auf ihren Alterswohnsitz in Vinelz (BE) zurück und starb am 1. Dezember 1962.[1]
Privates
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Selma Rohn
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Ihr erfolgreiches Unternehmen ermöglichte es ihr, zu reisen, unter anderem nach Dalmatien und Ägypten. Die Bieler Bevölkerung schätzte sie als originelle, am künstlerischen Geschehen beteiligte Persönlichkeit. Sie beteiligte sich an den Umzügen der Braderie in Biel und entwarf Fasnachtskostüme.[5] Selma Rohn war unverheiratet und kinderlos.
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Selma Rohn war in verschiedenen kunsthandwerklichen Gebieten tätig: Metallplastik, Heimtextilien, Aquarell- und Porzellanmalerei. Sie fertigte Auftragsarbeiten wie bemaltes Porzellangeschirr[6], Wappenteller, Objekte aus getriebenem Metall sowie Lampenschirme und Vorhänge an. Ihr Spezialgebiet war die Porzellanmalerei. Neben Gebrauchsgeschirr verzierte sie auch Gedenkteller. Sie war mit ihrem Atelier erfolgreich und konnte von ihrer Kunst leben.
Ab 1923 schrieb und veröffentlichte sie im Bieler Verlag Andres & Cie die zweisprachige Monatsschrift Dekorative Hauskunst - Art décoratif.
Viele ihrer Objekte und Gegenstände sowie Blumenskizzen und -aquarelle befinden sich im NMB Neuen Museum Biel.[7]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Caroline Ferrazzo, Coraline Gajo: Bienne et les arts au féminin – Kunst und Kunstgewerbe von Frauen in Biel. Château & Attinger, Orbe 2024, ISBN 978-2-88256-359-0.
- Verein Frauenplatz Biel (Hrsg.): Bieler Frauen - grâce à elles: 20 Lebensgeschichten von Frauen und Bieler Frauengeschichte ab dem 19. Jahrhundert - 20 histoires de vie de femmes et histoire des femmes à Bienne dès le 19e siècle. eFeF, Biel/Bienne 2009, ISBN 978-3-905561-75-3.
Presseartikel
Deborah Balmer: Besuch bei besonderen Bielerinnen, in: Bieler Tagblatt, 8. März 2017; weitere Artikel: Bieler Tagblatt, 8. September 1920; 7. Oktober 1922; 11. Januar 1928; 3. und 4. Dezember 1962, 19. Juni 1971; 2. November 1972; 11. August 1978; 13. Juni 1989; Feuille officielle suisse du commerce, no 127, 3 juin 1935, p. 1406; Journal du Jura, 3. Mai 1927
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kiki Lutz: Rohn, Selma (1873–1962), Dictionnaire du Jura (DIJU), 4. August 2022, französisch
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Fräulein Selma Rohn, Kunstmalerin, Bieler Tagblatt, 4. Dezember 1962
- ↑ Caroline Ferrazzo, Coraline Gajo: Bienne et les arts au féminin - Kunst und Kunstgewerbe von Frauen in Biel. Château & Attinger, Orbe 2024, ISBN 978-2-88256-359-0, S. 68.
- ↑ Verein Frauenplatz Biel (Hrsg.): Bieler Frauen - grâce à elles: 20 Lebensgeschichten von Frauen und Bieler Frauengeschichte ab dem 19. Jahrhundert - 20 histoires de vie de femmes et histoire des femmes à Bienne dès le 19e siècle. eFeF, Biel/Bienne 2009, ISBN 978-3-905561-75-3, S. 159.
- ↑ Margrit Wick-Werder: Zum 100. Geburtstag von Dora Neuhaus In den Traditionen des Bürgertums verwurzelt, Bieler Tagblatt, 13. Juni 1989
- ↑ Caroline Ferrazzo, Coraline Gajo: Bienne et les arts au féminin – Kunst und Kunstgewerbe von Frauen in Biel. Château & Attinger, Orbe 2024, ISBN 978-2-88256-359-0, S. 73.
- ↑ Speiseservice, - Antiquitäten 13.01.2021 - Erzielter Preis: EUR 1.400 - Dorotheum. 13. Januar 2021, abgerufen am 25. Oktober 2026 ("handgemalt und signiert S. Rohn").
- ↑ Kunst und Kunstgewerbe von Bielerinnen, Ausstellung 17.01.2025–01.11.2026, nmbiel.ch, abgerufen am 25. Oktober 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rohn, Selma |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Kunsthandwerkerin und Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 3. Juni 1874 |
| GEBURTSORT | Baden AG |
| STERBEDATUM | 1. Dezember 1962 |
| STERBEORT | Vinelz |