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Selig Cahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Selig Cahn
Personalia
Geburtstag 3. August 1892
Geburtsort Hamburg, Deutsches Reich
Sterbedatum 11. Juli 1942
Sterbeort KZ Auschwitz, Generalgouvernement
Position Stürmer
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1912–1920er FC St. Pauli
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Selig Cahn (* 3. August 1892 in Hamburg; † nach 11. Juli 1942 im KZ Auschwitz) war ein deutscher Fußballspieler des FC St. Pauli und jüdisches Opfer des Nationalsozialismus.[1] Er gehörte zu den prägenden Offensivspielern des Vereins in der Zeit vor 1933 und wurde im Rahmen der historischen Aufarbeitung des FC St. Pauli im 21. Jahrhundert wiederentdeckt. Für ihn und seine Familie wurden 2024 Stolpersteine verlegt.

Selig Cahn wurde 1892 in Hamburg geboren und entstammte der dortigen jüdischen Gemeinde. Über seine frühe Kindheit ist wenig bekannt. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Soldat und wurde mehrfach verwundet.[2] Nach seiner Genesung wurde er für die Regimentsmannschaft aufgestellt, was als Auszeichnung für einen Soldaten zu bewerten ist, da nur sehr gute Fußballspieler berufen wurden, die in einer Hamburger Kaserne stationiert und nicht an die Front geschickt wurden.[1] Nach seiner Beförderung zum Unteroffizier im Frühjahr 1917 wurde er an die Westfront (Flandern) versetzt, wo er erneut verwundet wurde.

Nach dem Krieg lebte Cahn mit seiner Frau und seinen Kindern Bertha (* 1929) und Meno (* 1932) in der Brüderstraße 3 in der Hamburger Neustadt. Am 11. Juli 1942 wurde die Familie über Bielefeld und Berlin nach Auschwitz deportiert. Cahn wurde vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet; auch seine Kinder überlebten die Deportation nicht.[2]

Cahn trat im August 1912 der Fußballabteilung des Hamburg-St. Pauli-Turnvereins bei, aus dem später der FC St. Pauli hervorging.[2] Er spielte dort gemeinsam mit späteren Vereinsfunktionären wie Wilhelm Koch und Hans Friedrichsen sowie mit dem jüdischen Arzt und Fußballer Max Kulik. Zeitgenössische Presseberichte beschreiben die Offensivreihe Cahn–Koch–Kulik als eine der stärksten Angriffsformationen im Hamburger Fußball der 1910er und frühen 1920er Jahre.

Auch nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg lief Cahn weiterhin für Braun-Weiß auf. Mehrere Sportberichte aus den frühen 1920er Jahren belegen seine regelmäßigen Einsätze und seine Bedeutung für die Mannschaft.[3]

Möglicher Mitgründer der Schachabteilung

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In einer Jubiläumsschrift des FC St. Pauli von 1960 wird ein „Ali Cahn“ als Gründer der ersten, noch inoffiziellen Schachabteilung des Vereins im Jahr 1929 genannt.[4] Forschungsergebnisse des FC St. Pauli-Museums legen nahe, dass es sich dabei sehr wahrscheinlich um Selig Cahn handelt, da er Feldpostbriefe regelmäßig mit „A. Cahn“ unterschrieb und kein anderer Sportler dieses Namens im Hamburger Vereinswesen nachweisbar ist.[2]

Cahn lebte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Hamburger Neustadt. Die gesamte Familie wurde 1942 deportiert und ermordet. Über das Schicksal seiner Frau ist lediglich bekannt, dass auch sie nicht überlebte.[2]

Forschungsgeschichte

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Die Biografie Cahns war über Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Erst im Rahmen des Projekts „FC St. Pauli vor 1945“ begann das FC St. Pauli-Museum, systematisch nach jüdischen Vereinsmitgliedern und Sportlern zu recherchieren. Dabei wurden Archivmaterial, Feldpostbriefe, zeitgenössische Presseberichte sowie Dokumente aus dem „Online-Lexikon verfolgter jüdischer Fußballer“ ausgewertet.[5]

Die Ergebnisse führten zu einer umfassenden Rekonstruktion von Cahns Leben und seiner Rolle im Verein.

Stolperstein für Selig Cahn in der Brüderstraße 3, Hamburg

Am 16. Mai 2024 wurden in der Brüderstraße 3 mehrere Stolpersteine für Selig Cahn und seine Familie verlegt. Die Initiative ging vom FC St. Pauli-Museum aus, das die Verlegung gemeinsam mit Angehörigen der jüdischen Gemeinde und lokalen Initiativen organisierte.[2]

Der FC St. Pauli erinnert seitdem regelmäßig an Cahn und andere verfolgte jüdische Mitglieder. Seine Biografie ist Teil von Ausstellungen, Bildungsprogrammen und Gedenkveranstaltungen des Vereins.

Cahn gilt heute als Beispiel für die lange verdrängte Geschichte jüdischer Sportler in Deutschland. Seine Wiederentdeckung wird in Medienberichten und wissenschaftlichen Projekten als wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Vereinsgeschichte des FC St. Pauli bewertet.[6][7][8][1]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Andreas Bellinger, Katrin Hafemann, Marie Teresa Lasserre: Selig Cahn: Von den Nazis ermordet - bei St. Pauli lange vergessen. In: NDR.de > Sport > Fußball. Norddeutscher Rundfunk, 12. Mai 2026, abgerufen am 19. Mai 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 FC St. Pauli-Museum erinnert an jüdischen FCSP-Fußballer Selig Cahn. In: fcstpauli.com. 5. Juni 2024, abgerufen am 10. Mai 2026.
  3. Hamburger Abendblatt – Archivsuche (Ergebnisse zu FC St. Pauli 1920er). Abgerufen am 10. Mai 2026.
  4. 75 Jahre FC St. Pauli. FC St. Pauli, Hamburg 1960.
  5. Online-Lexikon verfolgter jüdischer Fußballer. In: Deutsches Fußballmuseum. Abgerufen am 10. Mai 2026.
  6. Hamburg Journal 18:00 Uhr. Bericht über jüdische Fußballer in Hamburg (ab 5:30). In: Hamburg Journal. NDR, 7. Mai 2026, abgerufen am 19. Mai 2026.
  7. Katrin Hafemann, Marie Teresa Lasserre: Vom Hakenkreuz zum Totenkopf – Der FC St. Pauli und seine Geschichte. Norddeutscher Rundfunk, 10. Mai 2026, abgerufen am 19. Mai 2026.
  8. Andreas Bellinger, Katrin Hafemann, Marie Teresa Lasserre: St. Paulis Geschichte: Der lange Weg vom Hakenkreuz zum Totenkopf. In: NDR.de > Sport > Fußball. Norddeutscher Rundfunk, 11. Mai 2026, abgerufen am 19. Mai 2026.