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Sebaldusgrab

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Sebaldusgrab

Das Grabmonument des Heiligen Sebaldus von Nürnberg in der gleichnamigen Nürnberger Kirche wurde zwischen 1507 und 1517 von Peter Vischer und seiner Nürnberger Gießerwerkstatt geschaffen. Es entstand im Auftrag der Kirchenpflegschaft von St. Sebald. Das mit reichem Figurenschmuck versehene Grabmal umhüllt als offenes Gehäuse den älteren Reliquienschrein.

Für die Reliquien des Sebaldus von Nürnberg, den seit dem 11. Jahrhundert in Nürnberg verehrten Heiligen, der zum Stadtpatron avancierte und 1425 heiliggesprochen wurde, hatte schon gegen 1397 ein Nürnberger Goldschmied[1] einen mit Silberblech beschlagenen kastenförmigen Schrein gefertigt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts schien es notwendig, dieses Reliquiar mit einem Gehäuse zu sichern. Aus dem Jahr 1488 existiert ein Riss, der mit seinen spätgotischen Formen so eng mit dem Stil des steinernen Sakramentshauses von Adam Kraft verwandt ist, dass die Zeichnung ebenfalls diesem Bildhauer zugeschrieben wird. Für die Ausführung war wahrscheinlich die Vischersche Erzgießerhütte vorgesehen, doch starb im gleichen Jahr 1488 Hermann Vischer der Ältere. Dies verzögerte wohl den Beginn der Arbeiten, denn erst 1507 erhielt sein Sohn Peter Vischer den Auftrag zur Ausführung. 1508 müssen laut einer Inschrift die ersten Teile gegossen worden sein. Eine Inschrift auf dem Sockel nennt 1519 als Jahr der Vollendung. Seitdem umschließt das Werk den silbernen Schrein im Chor der Sebalduskirche. Vorübergehend stand das Grabmal im 19. Jahrhundert im Westchor. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstand das Sebaldusgrabmal unter einem Schutzmantel aus Beton. 1957 wurde es um ein Joch nach Osten verschoben.

Im Gegensatz zum stark vertikal ausgerichteten Entwurf von 1488 beschränkt sich das ausgeführte Werk auf eine Höhe von 4,71 m. Geblieben ist von der älteren Idee, dass eine rechteckige, mit Reliefs umgebene Tumba als Sockel für den Schrein von einem allseitig offenen Arkadengebilde aus drei Jochen umfasst wird, das oben von Gewölben aus Architekturelementen bekrönt wird. Diese mit architektonischen und figurativen Details geschmückt, die zum Teil auf Zeichnungen den Nürnberger Hofmalers Jacopo de’ Barbari zurückgehen bzw. Vorbilder in der (nord-)italienischen Kunst des 15. Jahrhunderts besitzen. So bekommen beispielsweise die Säulchen Balusterform.

Die Sockelplatte lagert auf vollplastisch gegossenen Schnecken und Delphinen. Auf den Ecken sitzen nicht immer eindeutig benennbare biblische und mythologische Helden in „heroischer Nacktheit“. Personifikationen, Putten, Tritone und andere allegorische Kleinfiguren bevölkern diese Zone. Einige der Figuren, z. B. die Frau, die sich als Symbol der Eitelkeit im Spiegel anschaut, haben ein unmittelbares Vorbild in Zeichnungen von Jacopo de’ Barbari, wie Paul Johanneis bemerkte. De Barbari war drei Jahre als königlicher Hofmaler in Nürnberg.[2] Zwölf vor die Säulchen des Baldachins gestellte Apostelfiguren umgeben in Augenhöhe den nur heraldisch dekorierten Schrein. Auf dessen Sockel bedecken Reliefs mit genrehaften Szenen aus der Heiligenlegende die Längsseiten: Eiszapfenwunder, Blindenheilung, Weinwunder und Ketzerbekehrung. In den Nischen der Schmalseiten stehen der hl. Sebaldus mit dem Kirchenmodell und, angetan mit dem Lederschurz des Gießmeisters, Peter Vischer selbst.

  • H. v. C.: Ein großer Meister und sein größtes Werk. In: Die Gartenlaube. Heft 32, 1867, S. 501, 502–504 (Volltext [Wikisource] mit Illustration von Rudolf von Seitz, nur noch von historischem Interesse).
  • Adolf Feulner: Peter Vischers Sebaldusgrab in Nürnberg. München 1924.
  • Georg Hammacher: St. Sebald, der Schutzpatron Nürnbergs. Zum fünfhundertjährigen Feste seiner Heiligsprechung 1425–1925. Nürnberg 1925.
  • Klaus Pechstein: Das Sebaldusgrab in Nürnberg (= Reclams Werkmonographien zur Bildenden Kunst. Band 126). Stuttgart 1967.
  • Kurt Pilz: Das Sebaldusgrab im Ostchor der St.-Sebalduskirche in Nürnberg. Ein Messingguß aus der Gießhütte der Vischer. Nürnberg 1970.
  • Gerhard Weilandt: Die Sebalduskirche in Nürnberg. Bild und Gesellschaft im Zeitalter der Gotik und Renaissance (= Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte. Band 47). Imhof, Petersberg 2007.
  • Herbert Bauer, Herbert Liedel: Freche Putten, verführerische Frauen, wilde Männer. Entdeckungen am Sebaldusgrab. context medien und verlag, Nürnberg 2010, ISBN 978-3-939645-28-3.
  • Martin Brons, Thomas Schauerte, Manuel Teget-Welz (Hrsg.): 500 Jahre Sebaldusgrab. Neue Forschungen zum Monument des Nürnberger Stadtpatrons. Regensburg 2021.
Commons: Sebaldusgrab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Der früher hier genannte Fritz Habeltzheimer gilt heute nicht mehr als Schöpfer des Schreins.
  2. Ausstattung der Kirche nach Daniela Crescenzio: Italienische Spaziergänge in Nürnberg – Band I: Nürnberg, Venedig des Nordens. Verlag IT-INERARIO, Unterhaching 2011, ISBN 978-3-9813046-3-3.