Schloss Schliestedt

Das Schloss Schliestedt ist ein Schloss in Schliestedt im Landkreis Wolfenbüttel in Niedersachsen. Es wurde von 1748 bis 1760 im Stil des Rokoko an der Stelle einer Burg derer von Schliestedt errichtet. Dem Schloss wird die bedeutendste Rokokoausbildung im Braunschweiger Land zugeschrieben.
Vorgängeranlage
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Vorgängeranlage des Schlosses war eine Burg, deren Errichtungszeitpunkt nicht bekannt ist. Auf ihr saß das 1613 erloschene Geschlecht derer von Schliestedt. Ein Kupferstich von Merian aus dem Jahr 1654 zeigt die Anlage, bestehend aus einem Hauptgebäude mit Fachwerkobergeschoss sowie einem Nebengebäude mit steinernen Torhaus. Laut seiner Beschreibung war die Burg zu dem Zeitpunkt bereits sehr alt, hatte eine quadratische Form und war von einem Wassergraben umgeben.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits 1449 verzichteten die Herren von Schliestedt (Gutsbesitzer etwa 1147–1562) auf die Burg zugunsten des Braunschweiger Herzogs. Die Burg war bis 1527 im Besitz von vier Adelsfamilien und wurde danach an einen Kanzler des Braunschweiger Herzogs verlehnt. Als herzogliches Lehen kam die Burg 1562 an die von der Streithorst. Es folgten die von Badendorff (1663–1733), Lowisen (Luise) von der Planitz, verwitwete von Badendorff (1734–1741), 1747 kaufte Heinrich Bernhard Schrader von Schliestedt mit Erlaubnis von Herzog Karl I. die Burganlage. Er riss sie ab und errichtete unweit der Burgstelle nach Plänen von Martin Peltier de Belfort das heute vorhandene zweigeschossige Rokokoschloss. Als Besitzer folgten die von Bülow (1777–1846), die von Schwicheldt, u. a. Graf Carl von Schwicheldt (1808–1882),[1] und die von Adelebsen (1846–1929). Zuletzt bewohnte u. a. Anna von Adelebsen geb. von (Reichs)-Gräfin von Schwichfeldt, nach 1905, das Herrenhaus. Sie war sehr kunstinteressiert[2] und die Witwe[3] des Politikers Reinhard von Adelebsen. Als Gutsherrin vor Ort beinhaltete ihr Besitz 304 ha,[4] sie lebte bis mindestens 1921 im Haus.[5] Das Gut diente als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Familie von Adelebsen, 1924 fand ihr die Hochzeit des späteren Oberst Wolfgang von Zeschau mit Ernamarie Freiin von Uslar-Gleichen statt, deren Mutter eine von Adelebsen war.[6]
Nach verschiedenen Besitzerwechseln und unterschiedlichen Nutzungsarten ist Schloss Schliestedt seit 1950 ein Seniorenwohnheim.

Bei Baumaßnahmen im Jahr 1994 kam auf dem Gelände ein unterirdisches Tonnengewölbe aus Ziegel zutage. Es wurde vermutlich im 16. Jahrhundert angelegt und verband die Burg mit den Nebengebäuden.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gottlieb Schmidts: Das Schloß zu Schliestedt – Vergangenheit und Gegenwart. In: Heinz Gleitze, Heinz Ohlendorf (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Wolfenbüttel. 2. Jahrgang. Hans Oeding, Schöppenstedt 1956, OCLC 23370531, S. 51–55.
- Ernst Bergfeld: Heimweh nach Schloß Schliestedt. In: Heinz Gleitze, Heinz Ohlendorf (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Wolfenbüttel. 7. Jahrgang. Hans Oeding, Schöppenstedt 1961, OCLC 23370531, S. 74–79.
- Sigrun Ahlers: Topographisch-archäologische Untersuchungen zu ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen in den Landkreisen Gifhorn, Helmstedt und Wolfenbüttel sowie im Stadtkreis Wolfsburg. Hamburg 1988, OCLC 46147607, S. 330 (Titel – Dissertation).
- Gesine Schwarz: Die Rittersitze des alten Landes Braunschweig. MatrixMedia, Göttingen 2008, ISBN 978-3-932313-27-1, S. 64–68.
- Gerd Weiß (Bearb.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bremen, Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1992, ISBN 3-422-03022-0 (dehio.org).
- Wolfgang Braun: Schloss Schliestedt in: Rekonstruktionszeichnungen von Burgen Niedersachsens, 2012, S. 141 (Online, pdf, 29 MB)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Schloss Schliestedt im Denkmalatlas Niedersachsen
- Gudrun Pischke, Stefan Eismann: Schliestedt in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts
- Schliestedt, Gut mit Beschreibung des Herrenhauses und Malerei im Hauptsaal im Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland
- Beschreibung des Schlosses und des Ortes Schliestedt
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1906. Jahrgang 79, Justus Perthes, Gotha Nov. 1905, S. 809.
- ↑ Vgl. u. a. Heinrich Weizsäcker, Albert Dessow: Kunst und Kunstler in Frankfurt am Main im neunzehnten Jahrhundert. Hrsg. Frankfurter Kunstverein, Joseph Baer & Co. Carl Jügels Verlag Heinrich Keller F. A. C. Prestel, Frankfurt am Main 1909, S. 62.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Jahrgang 5, Justus Perthes, Gotha Nov. 1903, S. 1 f.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1908. Jahrgang 9, Justus Perthes, Gotha Nov. 1907, S. 1 f.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922. Jahrgang 23, Justus Perthes, Gotha Nov. 1921, S. 1 f.
- ↑ Christoph Franke: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 2005. Band XXVIII, Band 138 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 2005, ISSN 0435-2408, S. 509.
Koordinaten: 52° 8′ 11″ N, 10° 48′ 19″ O