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Schaffensphase

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Eine Schaffensphase oder Schaffensperiode bezeichnet einen mehr oder weniger genau definierten Abschnitt im Lebenswerk eines Menschen.[1] Verwendet werden die Begriffe meist im Zusammenhang mit dem Werk von Autoren und Künstlern, im Bereich der Kunst häufiger bei Bildender Kunst und Musik, seltener bei Darstellender Kunst.

Schaffensphasen können zeitlich („die Werke zwischen 1918 und 1933“), räumlich („die Pariser Arbeiten“) oder thematisch („die blaue Periode“) gegliedert sein. Diese Einteilungen erfolgen in der Regel nicht durch den Künstler selbst. Es handelt sich dabei meist um Zuschreibungen durch andere, beispielsweise Biographen, Literaturwissenschaftler oder Kunsthistoriker, die rückblickend erfolgen. Insofern können derartige Einteilungen eines Œuvres, eines Gesamtwerkes, in einzelne Abschnitte auch völlig unterschiedlich ausfallen. „Schaffensperioden“ sind interpretative Konstruktionen, die auf der nachträglichen Deutung zeitlicher Werkverläufe beruhen und daher eine subjektive bzw. hermeneutische Dimension enthalten.

Der Begriff „Schaffensphase“ steht in einer langen europäischen Tradition der werkbiographischen Periodisierung, die sich seit dem 19. Jahrhundert in der Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaft parallel in verschiedenen Sprachen herausgebildet hat (z. B. englisch period, artistic period, französisch période de création, italienisch fase creativa). Ein einzelner Urheber des Begriffs ist nicht nachweisbar.[2]

Der Begriff „Schaffensphase“ setzt eine zeitliche Gliederung des Werkes voraus, in der unterschiedliche Abschnitte eines Lebenswerks entlang einer linearen Abfolge voneinander unterschieden werden.[3]

Dabei werden bestimmte thematische, stilistische oder theoretische Schwerpunkte einzelnen Phasen zugeordnet. Diese Einteilung impliziert jedoch nicht notwendig eine kontinuierliche oder teleologische Entwicklung im Sinne eines Fortschritts, sondern dient vor allem der heuristischen Strukturierung komplexer Werkzusammenhänge.[4][5]

Der Begriff „Schaffensphase“ bezeichnet nicht lediglich eine objektiv gegebene zeitliche Abfolge von Werken, sondern beruht auf einer interpretativen Strukturierung des künstlerischen oder theoretischen Materials. Erst durch die nachträgliche Zusammenfassung einzelner Werke unter bestimmten thematischen oder stilistischen Gesichtspunkten entstehen Phasen als analytische Konstrukte. Insofern verweist der Begriff sowohl auf zeitliche Differenzierung als auch auf eine subjektiv-hermeneutische Ebene der Werkdeutung.

Frühwerk und Spätwerk

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Die Werke eines schöpferisch Tätigen werden häufig mit frühes, mittleres und spätes Werk voneinander abgegrenzt. Während das Erstlingswerk in der Regel klar zu ermitteln ist, sind die Einteilungen in Frühwerk und Spätwerk nicht genau definiert. Ihre spezifischen Bedeutungen erschließen sich nur aus dem Kontext ihrer jeweiligen Verwendung. Häufig findet man im Zusammenhang mit dem Spätwerk Begriffe wie „gereift“ und „abgeklärt“.

In der Musik hat diese Reife jedoch oft nicht zur „Süße“ des Ertrags geführt, sondern zu sehr herben, der Allgemeinheit ungenießbar scheinenden Früchten. Ein Beispiel ist Die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach (Kritik: „Geburt des aberwitzigen Altertums“). Zu den letzten Quartetten Beethovens, besonders op. 133, bemerkte Tschaikowsky: „Es ist ein Schimmer da, aber nicht mehr. Der Rest ist Chaos, über dem der Geist dieses musikalischen Jehova schwebt.“ Mahlers 7. und vor allem seine 10. Sinfonie greifen ebenfalls weit voraus.

Frühwerk und Spätwerk werden auch verwendet

  • zur zeitlichen Einordnung innerhalb eines Genres, einer kunstwissenschaftlichen Gattung („ein Frühwerk des Kriminalromans“)
  • zur genaueren Einordnung innerhalb eines Kunststils („ein Spätwerk des Klassizismus“)
Wiktionary: Schaffensperiode – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Spätwerk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise und Anmerkungen

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  1. Bertram Müller: Zur Psychologie des künstlerischen Schaffens. Düsseldorf, auf uni-muenster.de
  2. „Schaf­fens­zeit, die.“ Duden, auf duden.de
  3. Lea Finke: What drives artists? The 4 phases of creativity. artipool, Kunst und Kultur online, May 15, 2022, auf leafinke.de
  4. The Stages of Artistic Development Summarized from Creative & Mental Growth by Viktor Lowenfeld Prepared originally by Dr. Larry A. Kantner, University of Missouri-Columbia & Revised by Dr. Diane C. Gregory, Southwest Texas State University, August, 2002, auf makingartwork.wordpress.com
  5. Thomas DaCosta Kaufmann: Periodization and its discontents. Journal of Art Historiography, Number 2, June 2010, auf arthistoriography.wordpress.com