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Satrapenstele

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Die Stele in die Sammlung des Ägyptischen Museum in Kairo

Die Stele Kairo CG 22182, bzw. JE 22263, besser bekannt als Satrapenstele, ist ein vollständig erhaltenes rundbogiges Granitmonument von 1,85 m Höhe, das in die Zeit bald nach der makedonischen Herrschaftsübernahme in Ägypten datiert. Die frühhellenistische Stele entstand im Jahr 7 des Alexander II./IV., also 311 v. Chr., und gehört damit in die frühe Diadochenzeit, als Ptolemaios, Sohn des Lagos, noch als Satrap von Ägypten fungierte.

Entdeckt wurde das Monument 1870 in Kairo in der Moschee des Amir Shaykhū al-ʿUmarī aus dem 14. Jahrhundert, wohin sie offenbar im Mittelalter gelangt war. Als wahrscheinlichster ursprünglicher Aufstellungsort gilt der Haupttempel von Buto im westlichen Nildelta, worauf sowohl ikonographische als auch textliche Indizien verweisen. Inhaltlich handelt es sich um ein hieroglyphisches Dekret, das die Rückgabe und Stiftung von Tempelgütern regelt. Die Inschrift reflektiert die politische Programmatik der frühen ptolemäischen Herrschaft, die ihre Legitimation bewusst aus der Anknüpfung an traditionelle ägyptische Religions- und Herrschaftsvorstellungen bezog. Besondere Bedeutung kommt dabei der rückblickenden Erwähnung persischer Untaten unter Xerxes zu, die als Negativfolie für die restaurative Politik des Satrapen dient. Zugleich nennt die Stele den quellenmäßig nur schwer greifbaren Gegenkönig Chababasch, der kurz vor der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen über weite Teile des Landes herrschte. Damit stellt die Stele ein zentrales Dokument für das Verständnis der politischen, religiösen und ideologischen Transformationsprozesse im Ägypten des ausgehenden 4. Jahrhunderts v. Chr. dar.

Die Stele wurde 1870 durch Mohammed Effendi Khourshîd, den „surveillant en chef“ des Museums von Boulaq im Fundament eines kleinen Raumes in der Moschee „Sheïkhoun“ in Kairo entdeckt.[1] Bei der genannten Moschee „Sheïkhoun“ handelt es sich mit einiger Gewissheit um die Moschee des Amir Sayf al-Din Shaykhū al-Umari an-Nasiri aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.[2] Diese befindet sich an der Sharia Ṣalība in einem Abschnitt zwischen der Moschee Ibn Tulun und dem ehemaligen Midan Rumayla (heute Midan Salah ad-Din) vor der Zitadelle. Später gelangte die Stele in die Sammlung des Ägyptischen Museums in Kairo.[3]

Aufstellungsort

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Als wahrscheinlichster Aufstellungsort der Stele gilt der Tempel von Buto. Alternativ ist auch eine Aufstellung in der Deltastadt Sais in Erwägung gezogen worden;[4] diese Annahme stützt sich auf die Nennung der Stadt in Zeile 11 des Stelentextes. Da der Text jedoch ausdrücklich die Götter von Buto als Empfänger der Stiftung nennt und Schenkungsstelen in der Regel im jeweiligen Tempelbezirk aufgestellt wurden, ist Buto insgesamt als der plausibelste Aufstellungsort anzusehen.[5]

Objektbeschreibung

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Die oben abgerundet ausgeführte, 1,85 m hohe und 1,18 m breite, schwarze Granitstele gliedert sich in ein oberes Bildfeld sowie ein darunter angeordnetes Textfeld. Abgesehen von leichten Beschädigungen in der Mitte der 14. und 15. Zeile und an den unteren Ecken ist der Erhaltungszustand hervorragend.[6] In der Stelenrundung befindet sich die Darstellung einer Flügelsonne, von deren Sonnenscheibe zwei Uräen herabhängen. Das darunterliegende Bildfeld ist in zwei antithetisch komponierte Szenen unterteilt, die jeweils den König im kultischen Vollzug vor einer Gottheit zeigen.

In der linken Szene erscheint der König mit einem Feldopfer vor Harendotes, während er in der rechten Szene vier unterschiedliche Gefäße auf einer Opferplatte vor Wadjet darbringt. Die Namenskartuschen des Königs sind nicht ausgefüllt, sodass letztlich unklar bleibt, wer hier repräsentiert werden soll. Den Abschluss bildet das Textfeld, das aus 18 horizontal angeordneten Schriftzeilen besteht.[7]

Inhaltsbeschreibung

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Das im Bildfeld hervorgehobene Feldzeichen verweist unmittelbar auf den zentralen Gegenstand der Inschrift: eine Landschenkung an die Priester von Buto. Auf das Bildfeld folgt der Haupttext, der sich in mehrere Abschnitte gliedert: Auf eine Einleitung mit Datierung und Darstellung der politischen Lage Ägyptens (Z. 1–2) folgen Lob auf Ptolemaios (Z. 2–3) sowie ein historiographischer Teil (Z. 3–6). Dieser behandelt die Rückführung der Götterbilder, Tempelgeräte und heiligen Schriften, die Verlegung der Residenz nach Alexandreia, einen Feldzug nach Osten, Deportationen und Beute, einen zweiten Feldzug sowie die Rückkehr des Herrschers nach Ägypten. Anschließend schildert der Stelentext die Inspektion des Nildeltas (Z. 7–13) mit einem Bericht der Priester über den Tempel von Pe und Dep in Buto, den Maßnahmen des Chababasch sowie den vorangegangenen Freveln des Xerxes und der darauf folgenden göttlichen Strafe. Den Abschluss bildet der Schenkungserlass des Ptolemaios (Z. 13–18) mit der eigentlichen Stiftung, der Bitte um Lohn und einer Fluchformel.

Die Stele ist als feierliche Stiftungsurkunde konzipiert und beginnt mit einer traditionellen Datierungsformel, die die vollständige Königstitulatur Alexanders II./IV., des postum geborenen Sohns Alexanders des Großen, anführt, sowie mit Preisungen der militärischen Fähigkeiten des Ptolemaios. Aus der Formel geht hervor, dass der Text in das siebte Regierungsjahr Alexanders II./IV., also in das Jahr 311 v. Chr., datiert.

Als Stifter erscheint Ptolemaios, der spätere Ptolemaios I. Soter, der zu diesem Zeitpunkt noch das Amt des Satrapen in Ägypten innehat. Im Text wird seine Herrschaft in gestufter Titulatur entfaltet: zunächst als „dieser große Fürst“, sodann als „Satrap Ptolemaios“ im Dekretwortlaut und schließlich (Z. 17) bereits als „großer Herrscher von Ägypten“. Diese abgestufte Selbstbezeichnung spiegelt eine politische Übergangsphase wider, in der Ptolemaios seine Stellung als Satrap allmählich in eine königliche Herrschaftsposition überführte.[8]

Die Schenkung selbst wird als religiös motivierter Akt dargestellt. Sie erscheint einerseits als Dank für militärische Erfolge in Syrien und der Kyrenaika, andererseits als Instrument zur Sicherung der Zustimmung der Priesterschaft. Ptolemaios wird dabei in typischer Weise als idealisierter Feldherr beschrieben: siegreich in Asien, das Chaos abwehrend, erfolgreicher Rückführer von Kultbildern und Tempelgerät sowie als Ordner politischer und religiöser Verhältnisse in Ägypten. Dass die Rückführung an erster Stelle steht, kann als Hinweis darauf gelesen werden, welch große Rolle die Priester von Buto dem Ereignis beimaßen.[9] Mit den Feldzügen im Land der Charouer sind wahrscheinlich die Kampagnen gegen Demetrios 312 v. Chr. gemeint.[10]

Die Satrapenstele ist die einzige Quelle, die die Verlegung der Residenz von der alten Hauptstadt Memphis nach Alexandreia erwähnt. Man darf annehmen, dass Ptolemaios seine Entscheidung nach wirtschaftlichen, politischen und militärischen Zielsetzungen traf, die vornehmlich auf den östlichen Mittelmeerraum ausgerichtet waren.

Im Zentrum der Inschrift steht die erneute Übertragung des sogenannten Uto-Landes im nördlichen Nildelta an die Götter von Buto, Pe und Dep. Ihre Vorgeschichte wird durch die Erzählung des Chababasch vertieft. Dieser wohl in die späte Perserzeit zu datierende Herrscher erscheint als früherer Wiederhersteller gestörter Kultverhältnisse. Ihm wird zugeschrieben, den zuvor durch Xerxes entzogenen traditionellen Kultbesitz restituiert zu haben. Nach dem kurzen Intermezzo des Chababasch, so legt der Text nahe, seien die Güter unter Darius III. erneut eingezogen worden.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Maßnahme des Ptolemaios nicht als singulärer Akt, sondern als erneute Wiederherstellung eines legitimen Zustands. Die Priester von Buto nutzen die Erinnerung an Chababasch gezielt, um Ptolemaios zur Bestätigung und Erweiterung der Stiftung zu bewegen. Das Land selbst wird in der Urkunde detailliert beschrieben, einschließlich seiner Grenzen, Orte, Gewässer, Tiere und wirtschaftlichen Ressourcen. Den Abschluss bildet das Dekret, das das Land von Wadjet samt allen Erträgen dauerhaft dem Tempel von Buto zuspricht. Eine Fluchformel schließt den Text ab und stellt jede zukünftige Veränderung oder Aneignung des Stiftungslandes unter göttliche Strafe, um die Dauerhaftigkeit der Schenkung zu sichern.[11]

Verfasserschaft und Rezipientenkreis

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Für das Verständnis der Satrapenstele ist zunächst nach Verfasserschaft und intendiertem Rezipientenkreis zu fragen. Die formalen und ikonographischen Merkmale – etwa die geflügelte Sonnenscheibe, die strikt symmetrische Bildkomposition, die Wahl der Textgattung der Königsnovelle sowie die Verwendung der Hieroglyphenschrift – verweisen eindeutig auf ein traditionell ägyptisches Milieu. Als Verfasser kommen daher nur indigene Priester in Betracht, da allein sie die mittlerweile auf den sakralen Bereich beschränkte Hieroglyphenschrift beherrschten. Eine weitere Eingrenzung ergibt sich aus dem Inhalt: Da insbesondere die Götter von Buto begünstigt werden, ist von einer Autorschaft der dortigen Priester auszugehen. Ziel war primär die dauerhafte Sicherung von Besitzansprüchen durch öffentliche Monumentalisierung, ergänzt vermutlich durch archivierte Urkunden in demotischer oder griechischer Sprache.

Die ausführliche Gestaltung in Form einer Königsnovelle geht über eine bloße Fixierung rechtlicher Verhältnisse hinaus. Sie ermöglicht es, die Wohltaten des Satrapen Ptolemaios hervorzuheben, Loyalität zu demonstrieren und zugleich normative Erwartungen an herrscherliches Handeln zu artikulieren. Es ist anzunehmen, dass Ptolemaios über die Aufstellung der Stele informiert war und ihr zugestimmt hat.

Der Rezipientenkreis ist gestuft zu denken. Neben den Göttern und der lokalen Priesterschaft – auch in didaktischer Funktion für neue Mitglieder – richtete sich die Stele wohl auch an Tempelbesucher. Vollständig verständig war nur eine kleine Gruppe Schriftkundiger, vornehmlich Priester anderer Kulte. Die Mehrheit war auf ikonographische Deutung angewiesen. Externe Beobachter ohne kulturelle Vorkenntnisse werden die Stele hingegen vornehmlich als visuelles Objekt wahrgenommen haben. Schließlich wirkten schriftkundige Priester als Multiplikatoren, die die Inhalte in breitere soziale Kontexte vermittelten.[12]

Textsortenbestimmung

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Die Textsorte der Satrapenstele lässt sich lediglich annäherungsweise bestimmen, da ein unmittelbares Vergleichsstück fehlt. In der Forschung ist sie dennoch häufiger als „Königsnovelle“ bezeichnet worden, obgleich schon die literaturwissenschaftliche Definition des Begriffs umstritten ist. Nach geläufiger Definition zeichnet sich die Novelle durch eine charakteristische Struktur aus: eine Ausgangssituation der Ausgeglichenheit, ein auslösendes Moment, das eine Mangelsituation offenlegt, sowie deren Überwindung und die Wiederherstellung eines harmonischen Zustands; wörtliche Rede ist dabei ein konstitutives Element.

Diese Struktur lässt sich auch in der Satrapenstele erkennen. Der Text eröffnet mit dem politischen Kontext, in dem Alexander II./IV. als abwesender Pharao erscheint, während Ptolemaios als Satrap handelt. Die Rahmenhandlung bildet die Rückführung der Götterbilder, die mit den politischen Maßnahmen des Ptolemaios verknüpft wird und in einem Fest kulminiert. Innerhalb dieser Situation führt der Wunsch, den Göttern etwas Nützliches zu erweisen, zur Entscheidung, das Land der Götter von Buto zurückzugeben. Dass diese Maßnahme tatsächlich vollzogen wurde, belegt bereits die Aufstellung der Stele im Tempel. Probleme dieser Deutung ergeben sich dadurch, dass Ptolemaios freilich nicht als König, sondern als Satrap auftritt. Bemerkenswert ist zudem eine zweite, in die erste verschachtelte Königsnovelle: die Erzählung über König Chababasch erfüllt in ähnlicher Weise die genannten Kriterien, bleibt jedoch in der Ausführung offen. Beide Fälle zeigen, dass der Handelnde zwar die Entscheidung trifft, die Problemlösung jedoch durch die Situation selbst vorgegeben ist und ihm das Problem durch die Untergebenen vor Augen geführt wird. Es scheint, dass dies nicht darauf zurückzuführen ist, dass es sich bei Ptolemaios und Chababasch um Fremdherrscher handelt, die entsprechend auf Berater angewiesen sind, sondern vielmehr auf eine veränderte Rollenzuweisung im Königsbild, die bereits in der Dritten Zwischenzeit einsetzt und auch ein neues Selbstverständnis der ägyptischen Eliten erkennen lässt.[13]

Darstellung der auf der Stele genannten Nichtägypter

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Alexander II./IV.

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Alexander II./IV. war der nachgeborene Sohn Alexanders des Großen mit Roxane. Den überwiegenden Teil seines kurzen Lebens verbrachte er in Europa, Ägypten hat er nie betreten. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass er von der ägyptischen Bevölkerung ebenso als Fremdherrscher wahrgenommen wurde wie zuvor die persischen Großkönige. Formal vereinigte er in seiner Person die Herrschaft über das Alexanderreich und das Amt des Pharaos in Ägypten. Zunächst wirkt es so, als stelle die Stele Alexander tatsächlich als rechtmäßigen Herrscher über Ägypten dar: Im Bildfeld ist ein typischer ägyptischer König dargestellt, wenn auch seine Kartuschen an dieser Stelle nicht mit seinem Namen versehen sind, und die Datierung der Stele trägt sein fünfteiliges Titular. Allerdings findet Alexander im sonstigen Stelentext keine Erwähnung mehr, gerade so, als habe man ihn im Verlauf der Abfassung des Dekrets schlichtweg vergessen. Als zeitgenössisch handelnde Person wird allein der Satrap Ptolemaios genannt. Die Stele erweckt insgesamt den Anschein, dass Alexander ein schlechter Pharao sei, ohne dass dies explizit gemacht wird. Über die leeren Kartuschen sollte womöglich vage gehalten werden, wer hier konkret als Pharao dargestellt wird.[14]

Ebenso wie Alexander war auch Ptolemaios kein Ägypter, sondern Makedone. In Zeile 2 wird Alexander als Großkönig genannt, während Ptolemaios als „großer Fürst“ in Ägypten erscheint. Im weiteren Verlauf des Textes handelt nicht der regierende Pharao, sondern Ptolemaios selbst: Er kämpft gegen die Feinde Ägyptens und sorgt für die Götter, erfüllt also die Aufgaben, die von einem ägyptischen König erwartet werden. Auch sprachlich wird er in die königliche Sphäre gerückt, erhält jedoch zugleich Titel, die seine Unterordnung unter Alexander betonen. Zu dieser direkten Aussage treten weitere, subtilere Hinweise auf die königliche Stellung des Satrapen. Die Form einer Königsnovelle und Anklänge an die ägyptische Königssemantik sind nicht ausschließlich auf einen Pharao beziehbar, tragen aber doch eine deutliche Konnotation in diese Richtung. Die Darstellung Ptolemaios’ auf der Satrapenstele spiegelt damit letztlich nicht nur die Sicht der Verfasser, sondern auch sein eigenes Bemühen, ägyptische Traditionen aufzugreifen. Dies geschieht jedoch nicht in der Weise eines gewöhnlichen Untertanen, sondern in der Übernahme königlicher Funktionen. Er suchte ägyptischen Rat und setzte sich deutlich vom Negativbild des Xerxes ab.

Insgesamt zeigt die Stele damit zweierlei: Einerseits die vorsichtige, formale Einbindung des Satrapen in die bestehende Reichsordnung, andererseits bereits deutlich Ptolemaios’ eigene königliche Rolle in Ägypten. Damit dient die Darstellung sowohl der Legitimation seiner Stellung als auch der schrittweisen Vorbereitung einer eigenständigen Herrschaft.[15]

Chababasch ist aus mehreren Gründen eine schwer fassbare Gestalt. Zunächst ist er nur in einer sehr begrenzten Zahl ägyptischer Quellen belegt; in der griechischen Literatur, die für diese Epoche sonst die wichtigste Überlieferung darstellt, bleibt er unerwähnt. Auch innerhalb der ägyptischen Zeugnisse nennen lediglich zwei ein Regierungsjahr, woraus sich immerhin erschließen lässt, dass seine Herrschaft mindestens ein Jahr und einige Monate umfasste. Mangels eindeutiger Anknüpfungspunkte an bekannte historische Ereignisse blieb seine chronologische Einordnung lange umstritten; die Vorschläge reichten vom frühen 5. bis in das späte 4. Jahrhundert v. Chr. Erst die Identifizierung des Schreibers des Papyrus Libbey, Peteharpres, Sohn des Pchas, erlaubt eine präzisere zeitliche Einordnung. Demnach ist die Herrschaft des Chababasch kurz vor dem Erscheinen Alexanders des Großen während der zweiten Perserherrschaft anzusetzen. Allgemein wird angenommen, dass er gegen den persischen König Artaxerxes IV. rebellierte und zwischen dem Ende des Jahres 338 und dem Beginn des Jahres 336 v. Chr. zeitweilig einen großen Teil Ägyptens, möglicherweise sogar das gesamte Land, unter seine Kontrolle brachte. Auch seine Herkunft bleibt unklar; am plausibelsten erscheint jedoch ein nubischer Ursprung.[16]

Trotz umstrittener Details scheinen die Grundzüge der Chababasch-Erzählung klar: Chababasch erfährt, dass das Land von Wadjet einst den Göttern von Buto gehörte, bis Xerxes es entzog. Auf Nachfrage berichten Priester und Notable, der Gott Harendotes habe Xerxes und seinen ältesten Sohn aus dem Palast vertrieben – wohl eine Anspielung auf deren Ermordung. Chababasch kündigt an, im Sinne des Gottes zu handeln, und wird gebeten, das Land den Göttern zurückzugeben und präsentiert sich damit als ägyptischer Vorzeigepharao. Anschließend übertragen die Priester diese Forderung auf Ptolemaios, was impliziert, dass Darius III. nach Chababaschs kurzer Herrschaft die Güter erneut eingezogen hatte. Die Satrapenstele endet mit dem entsprechenden Dekret Ptolemaios’: Es bestätigt die Schenkung des Landes von Wadjet samt genau festgelegten Grenzen und sämtlicher Erträge an den Tempel von Buto.[17]

Xerxes und sein Sohn

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Sprachlich spricht vieles dafür, den genannten Hšrjjš tatsächlich mit Xerxes I. zu identifizieren. Besonders die Verbindung seines Namens mit einer gewaltsamen Beseitigung – der Vertreibung aus dem Palast und der Tötung zusammen mit seinem Sohn – verweist auf die überlieferten Ereignisse um seine Ermordung im Jahr 465 v. Chr. Die Satrapenstele entwirft ein deutlich negatives Bild des persischen Großkönigs. In der Inschrift erscheint dieser als „Feind“, der sich durch Frevel gegen die Götter und ihre Heiligtümer auszeichnet. So wird ihm im Stelentext vorgeworfen, Tempelbesitz entzogen und Opferpraktiken unterbrochen zu haben. Diese Darstellung macht ihn zum Gegenbild idealer Herrschaft und dient als Folie für die positive Inszenierung von Ptolemaios und Chababasch. Auch sein Sohn wird mit negativen Begriffen beschrieben, obgleich dieser keinen Anteil an den Freveltaten seines Vaters hatte.

Der Tod des Xerxes wird im Text bewusst umgedeutet – nämlich als göttliche Strafe für seine Vergehen. Inhaltlich greift die Satrapenstele damit bekannte Motive auf, die auch aus der griechischen Überlieferung, etwa bei Herodot, vertraut sind, darunter Tempelschändung und zahlreiche weitere religiöse Vergehen. Solche Motive sind Teil eines tradierten negativen Perserbildes und werden hier in einen ägyptischen Kontext übertragen. Es handelt sich daher kaum um eine verlässliche Beschreibung tatsächlicher Ereignisse, sondern um eine literarische Konstruktion.

Die Funktion dieses Xerxesbildes liegt vor allem in der Gegenüberstellung zu Ptolemaios. Indem Xerxes als Inbegriff des frevelhaften Fremdherrschers erscheint, kann Ptolemaios als gerechter Herrscher inszeniert werden, der Ordnung und Kult wiederherstellt. Das negative Xerxesbild fungiert in der Stele somit als ein zentrales Element ptolemäischer Herrschaftslegitimation.[18]

Übersetzungen und Kommentare

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  • Ursula Kaplony-Heckel: Das Dekret des späteren Königs Ptolemaios I. Soter zugunsten der Götter von Buto (Satrapenstele), 311 v. Chr. In: Otto Kaiser (Hrsg.): Historisch-chronologische Texte III. Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. I,6, Gütersloh 1985, S. 613–19 [deutsche Übersetzung].
  • Robert K. Ritner: The Satrap Stela (Cairo JdE 22182). In: William Kelly Simpson (Hrsg.): The Literature of ancient Egypt. An Anthology of Stories, Instructions, Stelae, Autobiographies, and Poetry, New Haven 2003, S. 392–97 [englische Übersetzung, Stele fälschlich als JdE 22182 benannt, Digitalisat].
  • Donata Schäfer: Makedonische Pharaonen und hieroglyphische Stelen, Löwen 2011, S. 34–203 [deutsche Übersetzung mit philologischem Anmerkungsapparat].
  • Donata Schäfer: CG 22182 (Satrapenstele) [2020]. Tonio Sebastian Richter/Daniel A. Werning (Hrsg.): Thesaurus Linguae Aegyptiae [deutsche Übersetzung des Textes mit philologischem Anmerkungsapparat, online zugänglich; Zugriff am 22. März 2026].
  • Anthony Spalinger: The Reign of King Chabbash – An Interpretation. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 105 (1978), S. 142–54.
  • Robert K. Ritner: Khahabash and the Satrap Stela – A Grammatical Rejoinder In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 107 (1980), S. 135–37.
  • Hans Goedicke: Comments on the Satrap Stela. In: Bulletin of the Egyptological Seminar 6 (1985), S. 33–54.
  • Jan Krzysztof Winnicki: Militäroperationen von Ptolemaios I. und Seleukos I. in Syrien in den Jahren 312–311 v. Chr. (Teil II). In: Ancient Society 22 (1991), S. 147–201.
  • Guy Lodomez: De Satrapenstèle. In: René Jacques Demarée/Klaas Roelof Veenhof (Hrsg.): Zij schreven geschiedenis (Mededelingen en Verhandelingen van het Vooraziatisch-Egyptisch Genootschap Ex Oriente Lux 33), Leiden/Löwen 2003, S. 434–47.
  • Hilmar Klinkott: Xerxes in Ägypten. Gedanken zum negativen Perserbild in der Satrapenstele. In: Stefan Pfeiffer (Hrsg.): Ägypten unter fremden Herrschern zwischen persischer Satrapie und römischer Provinz, Frankfurt a. M. 2007, S. 34–53.
  • Donata Schäfer: Makedonische Pharaonen und hieroglyphische Stelen, Löwen 2011.
  • Boyo G. Ockinga: The Satrap Stele of Ptolemy: a Reassessment. In: Paul McKechnie/Jennifer A. Cromwell (Hrsg.): Ptolemy I and the Transformation of Egypt 404–282 BC, Leiden 2018, S. 166–98.
Commons: Satrapenstele – Sammlung von Bildern
  1. Auguste Mariette/Gaston Maspero: Monuments divers recueillis en Egypte et en Nubie, Paris 1872, S. 3; Heinrich Brugsch: Ein Decret Ptolemaios’ des Sohnes Lagi, des Satrapen. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 9 (1871), S. 1–13, hier: S. 9; spricht lediglich von einem baufällig gewordenen Haus.
  2. Caroline R. Williams: Islamic Monuments in Cairo. The Practical Guide, 5. Aufl., Kairo 2002, S. 54–57.
  3. Donata Schäfer: CG 22182, 2020.
  4. Robert S. Bianchi: Satrapenstele. In: Lexikon der Ägyptologie, Bd. 5, Wiesbaden 1984, Sp. 492f.
  5. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 31; auch dies.: CG 22182, 2020.
  6. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 31.
  7. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 31f., 45–55.
  8. Zu diesem Aspekt vgl. insbes. Boyo G. Ockinga: Satrap Stele, 2018, S. 166–98.
  9. Zum Motiv der Rückführung vgl. insbes. Jan Krzysztof Winnicki: Militäroperationen, 1991, S. 147–201; ders.: Carrying off and Bringing Home the Statues of the Gods. On an Aspect of the Religious Policy of the Ptolemies towards the Egyptians. In: The Journal of Juristic Papyrology 24 (1994), S. 149–90; und Christelle Fischer-Bovet: The Power of Statues. Constructing Imperial Narratives under the Ptolemies. In: Journal of Hellenic Studies 144 (2024), S. 261–79.
  10. Vgl. hierzu insbes. Hilmar Klinkott/Sabine Kubisch: Ein lykischer Polisname in der Satrapenstele Ptolemaios’ I. In: Chiron 35 (2005), S. 533–58.
  11. Übersetzung und Kommentar bei Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 34–203; und dies.: CG 22182, 2020; sowie Guy Lodomez: Satrapenstèle, 2003, S. 434–47; vgl. auch Hans Goedicke: Comments, 1985, S. 33–54. Zusammenfassung des Inhalts in Ursula Kaplony-Heckel: Dekret, 1985, S. 613.
  12. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 41–45, 203.
  13. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 39–41.
  14. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 191–93.
  15. Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 193–95; Hilmar Klinkott: Die Satrapenstele von Ptolemaios (I.) Lagou. In: Kay Ehling/Gregor Weber (Hrsg.): Hellenistische Königreiche, Darmstadt 2014, S. 61–65.
  16. Guy Lodomez: Satrapenstèle, 2003, S. 442, 444.
  17. Guy Lodomez: Satrapenstèle, 2003, S. 444; Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 195f. Zu Einzelfragen zur Darstellung Chababaschs auf der Stele vgl. Anthony Spalinger: Reign of King Chabbash, 1978, S. 142–54; und Robert K. Ritner: Khahabash, 1980, S. 135–37.
  18. Hilmar Klinkott: Xerxes in Ägypten, 2007, S. 34–53; Donata Schäfer: Hieroglyphische Stelen, 2011, S. 196f.; Boyo G. Ockinga: Satrap Stele, 2018, S. 166–98.