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Salil Chowdhury

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Salil Chowdhury, Briefmarke 2025

Salil Chowdhury (bengalisch সলিল চৌধুরী Salil Caudhurī; * 19. November 1923 in Sonarpur,[1] Westbengalen; † 5. September 1995 in Kolkata, Westbengalen, Indien) war ein indischer Komponist, Arrangeur, Liedtexter und Schriftsteller. Er arbeitete in mehreren regionalen Filmindustrien und schrieb Musik in über einem Dutzend indischer Sprachen. Zu seinen bekanntesten Filmmusiken zählen Do Bigha Zamin (1953), Madhumati (1958) und Chemmeen (1965). Einige seiner Filmlieder erlangten große Popularität im indischen Kino.

Gruppenbild mit Salil Chowdhury

Salil Chowdhury wurde am 19. November 1923 in Sonarpur in Westbengalen geboren und verbrachte seine frühe Kindheit in Harivari.[2] Sein Vater war Arzt in Assam, wo Chowdhury einen Teil seiner Jugend verbrachte. Durch dessen Schallplattensammlung kam er früh mit westlicher klassischer Musik in Berührung, aber auch mit Volksliedern aus Assam und Bengalen. Beides prägte sein musikalisches Denken und später sein kompositorisches Schaffen. Schon als Kind spielte er Flöte und sang.[3][4] Dadurch kam er bereits als Jugendlicher in Kontakt mit Musikerinnen und Musikern außerhalb seiner Familie.[5] Er wuchs in einem Umfeld auf, in dem künstlerische Aktivitäten mit gesellschaftlichen Themen verbunden waren. Sein Vater organisierte mit Dorfbewohnern und Arbeiterinnen und Arbeitern der Teegärten Theateraufführungen, die soziale Missstände behandelten. Chowdhury studierte er am Bangabasi College[6] in Kolkata. Während seiner Studienzeit entwickelte er politisches Interesse und sympathisierte mit der Quit-India-Bewegung. Nach dem Abschluss trat er der Communist Party of India bei und engagierte sich im Bauernaufstand von 1945. Anschließend schloss er sich der IPTA an, die Theateraufführungen einsetzte, um politische und gesellschaftliche Themen zu behandeln.[7] Ihre Ensembles traten in verschiedenen Regionen Indiens auf und thematisierten den britischen Kolonialismus, soziale Ungleichheit und die Unabhängigkeitsbewegung. In den 1940er-Jahren lebte Chowdhury zeitweise im Untergrund und reiste rund vier Jahre mit der IPTA. Er wirkte zunächst als Flötist und schrieb später eigene Lieder.[3] Viele davon wurden als Songs of Consciousness and Awakening bezeichnet und hatten großen Einfluss auf die politische Musikkultur in Bengalen.[5] Ein großer Teil seiner Werke aus dieser Zeit gingen verloren, da sie nicht veröffentlicht wurden. Die Mitglieder der IPTA arbeiteten unter schwierigen Bedingungen. Viele waren ehrenamtlich tätig, einige erhielten ein geringes Honorar. Die Ensembles reisten oft zu Fuß und waren schlecht versorgt; bei Aufführungen kam es mitunter zu Polizeieinsätzen mit Verletzten und Toten. Während seiner Zeit bei der IPTA entwickelte Chowdhury eine eigenständige musikalische Handschrift, in der er westliche harmonische Konzepte mit Elementen indischer Musik verband. Nach einigen Jahren verließ er die Organisation; die Gründe werden unterschiedlich angegeben und beziehen sich auf interne Konflikte und künstlerische Differenzen.[3]

Ein Wendepunkt in Chowdhurys Laufbahn war die Verfilmung seiner bengalischen Erzählung Rikshawalla. 1953 zog er nach Mumbai, um den Stoff für den Hindi-Film Do Bigha Zamin zu adaptieren. Dessen Erfolg begründete seine Tätigkeit in der Hindi-Filmindustrie, in der er anschließend unter anderem an Madhumati (1958) mitwirkte. In den 1950er- und 1960er-Jahren war Chowdhury an zahlreichen Film- und Musikprojekten beteiligt. 1957 gründete er mit Ruma Ganguly den Bombay Youth Choir, dessen Stil von westlicher Mehrstimmigkeit geprägt war. Er arbeitete als musikalischer Leiter für Spielfilme, komponierte Hintergrundmusik für die Films Division of India und übernahm gelegentlich die Instrumentalmusik für Produktionen anderer Komponisten, etwa bei Anokhi Raat (1968). Zu seinen frühen künstlerischen Partnern zählte der Sänger und Komponist Hemant Kumar, mit dem er in den 1950er-Jahren eng zusammenarbeitete. Mitte der 1960er-Jahre wandte sich Chowdhury verstärkt dem Malayalam-Film zu. Mit der Musik zu Chemmeen (1965) erzielte er dort große Anerkennung und prägte in den folgenden Jahren die Entwicklung der Malayalam-Filmmusik.

In den 1970er-Jahren zog sich Chowdhury weitgehend aus der Hindi-Filmbranche zurück. Er kehrte nach Kolkata zurück, gründete das Centre for Music Research und das Tonstudio Sound on Sound, wo er bis in seine späten Jahre tätig war. Er starb am 5. September 1995 in Kolkata. Zu seinen Hinterbliebenen zählen seine Ehefrau Sabita Chowdhury und seine Tochter Antara Chowdhury, die ebenfalls als Sängerinnen tätig waren.[4]

Im Laufe seiner Karriere komponierte er Musik für mehr als 150 Filme in Hindi, Bengalisch, Malayalam, Tamil, Telugu und anderen Sprachen sowie für Dokumentarfilme der Films Division of India.[5]

Filmografie (Auswahl)

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  • 1953: Do Bigha Zamin (dt. Titel: Zwei Hektar Land)
  • 1955: Naukari
  • 1955: Tonga-Wali
  • 1956: Jagte Raho (dt. Titel: Unter dem Mantel der Nacht)
  • 1957: Musafir
  • 1958: Madhumati
  • 1960: Kanoon
  • 1961: Kabuliwala
  • 1961: Mem-Didi
  • 1962: Half Ticket
  • 1965: Chemmeen
  • 1965: Chand Aur Suraj
  • 1968: Ezhu Rathrikal
  • 1968: Anokhi Raat (Hintergrundmusik)
  • 1969: Ittefaq
  • 1971: Anand
  • 1971: Mere Apne
  • 1974: Rajnigandha
  • 1976: Chhoti Si Baat
  • 1977: Mrigayaa
  • 1978: Madanolsavam
  • 1979: Azhiyatha Kolangal
  • 1980: Doorathu Idhi Muzhakkam
  • 1981: Aakaler Sandhane (dt. Titel: Die Suche nach der Hungersnot)
  • 1984: Kanoon Kya Karega
  • 1987: Zevar
  • 1988: Trishagni
  • 1989: Kamla Ki Maut
  • 1990: Nehru: The Jewel of India
  • 1991: Vasthuhara
  • 1994: Triyacharitra
  • 1995: Thumboli Kadappuram

Charakteristisch für Chowdhurys Musik ist die Verbindung unterschiedlicher Stilrichtungen. Er kombinierte Elemente der westlichen Harmonik und Instrumentation mit indischen klassischen und volkstümlichen Strukturen.[3][4] Er arbeitete für Filmproduktionen in mehreren indischen Sprachen und mit unterschiedlichen Orchestern und Sängerinnen und Sängern zusammen.[4] Chowdhury unterschied sich in seiner Arbeitsweise von den üblichen Praktiken der indischen Filmproduktion. Während üblicherweise zunächst ein Text entstand, zu dem die Musik komponiert wurde, entwickelte er häufig zuerst die Melodie und passte die Liedtexte anschließend an. Diese Vorgehensweise, die der musikalischen Gestaltung Vorrang einräumte, gilt als charakteristisch für sein Werk.[3]

Commons: Salil Chowdhury – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. In einigen älteren Onlinequellen, darunter IMDb, wird irrtümlich Ghazipur als Geburtsort genannt. Dieser Ort liegt im heutigen Bundesstaat Uttar Pradesh und steht in keiner nachweisbaren Verbindung zu Chowdhurys Leben. Verlässliche Biografien geben dagegen Sonarpur in Westbengalen an, bestätigt durch die Archivseite Salilda.com und Chandrakantha.com. Vgl. Salil Chowdhury. In: Chandrakantha – Indian Music and Dance. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch); The World of Salil Chowdhury. In: Salilda.com. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  2. Harinavi liegt südlich von Kolkata im Bundesstaat Westbengalen und gehört heute zur Stadt Rajpur Sonarpur im Distrikt South 24 Parganas. Ursprünglich war Harinavi ein eigenständiges Dorf im Umland von Kalkutta. Vgl. Harinavi. In: Wikipedia, The Free Encyclopedia (englisch), abgerufen am 12. November 2025; Salil Chowdhury. In: Chandrakantha – Indian Music and Dance, abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  3. a b c d e Salil Chowdhury. In: Chandrakantha – Indian Music and Dance. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  4. a b c d Salil Sangeet – Offizielle Webseite von Salil Chowdhury. Abgerufen am 12. November 2025.
  5. a b c Gautam Choudhury: The World of Salil Chowdhury. In: https://salilda.com. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  6. Das Bangabasi College ist eine 1887 gegründete Hochschule in Kolkata. Es gehört zur University of Calcutta und zählt zu den älteren Bildungseinrichtungen der Stadt. Vgl. Bangabasi College. In: Wikipedia, The Free Encyclopedia (englisch), abgerufen am 12. November 2025.
  7. Die Indian People's Theatre Association (IPTA) wurde 1943 gegründet und gilt als kulturpolitische Bewegung mit Nähe zur Communist Party of India. Sie vereinte Künstlerinnen und Künstler, die durch Theater, Musik und Literatur soziale Themen und politische Fragen der Zeit aufgriffen. Vgl. Indian People's Theatre Association. In: Wikipedia, The Free Encyclopedia (englisch), abgerufen am 12. November 2025.