Der grundsätzliche Aufbau entspricht dem Fahrzeugtyp MGT6D. An den Enden befinden sich die standardmäßigen zweiachsigen Triebdrehgestelle, über welchen der Fußboden 560mm über der Schienenoberkante und mit einer Stufe vom Niederflurbereich abgetrennt liegt. Sie sind in der Normalspur-Ausführung innengelagert und jeder Radsatz wird durch eine quer angeordnete, abgefederte und 103kW leistende Drehstrom-Asynchronmaschine angetrieben.[2]
Unter dem Mittelteil gibt es zwei einzelne, antriebslose Losradpaare und der Fußboden ist vollständig niederflurig bei 352mm über der Schienenoberkante. Die SWB lehnten jedoch die beim MGT6D angewendeten Einzelrad-Einzelfahrwerke ab. Stattdessen erhielten die Fahrzeuge Drehgestelle, die jeweils vom benachbarten Gelenk aus mechanisch gelenkt werden.[2] Erprobt wurde diese Lösung zuvor am NGT6C Nr. 451 der Straßenbahn Kassel.[3] Später wurde sie auch beim Rheinbahn-Typ NF6 angewendet. Die Primärfederstufe ist als Gummifeder ausgeführt, die Sekundärfederstufe als Gummi- und Stahl-Schraubenfeder.[2]
Die elektrische Ausrüstung von Siemens entspricht weitgehend den MGT6D der Bogestra und der FGV-Baureihe 3800. Auch die Türanordnung entspricht den Bogestra-MGT6D. Die R1.1 sind mit 2,4 statt 2,3Metern jedoch etwas breiter und der mittlere Wagenteil ist fünf Zentimeter länger. Die Wagenkästen sind aus nichtrostendem Stahl gefertigt.[2]
In Bonn bedienen die Fahrzeuge die verbliebenen, nicht dem Stadtbahnnetz zugeordneten Straßenbahnlinien. 2013 entschlossen sich die SWB, die R1.1 aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes durch Neufahrzeuge zu ersetzen.[4] Dies führte schließlich zur Beschaffung des Typs 41T des Herstellers Škoda, dessen erste Exemplare seit Ende 2024 zum Einsatz kommen. Ende 2024 wurde mit dem Betreiber der Straßenbahn Posen, MPK Poznań, ein Vertrag zum Verkauf der R1.1 abgeschlossen. Dort erhöhen die Fahrzeuge kurzfristig den Anteil von Zweirichtungs- und Niederflurwagen am Fahrzeugbestand.[5]
Als erstes Exemplar wurde Wagen 9460 Ende Januar 2025 nach Posen transportiert.[6] Die weiteren Fahrzeuge folgen im Laufe der Jahre 2025 und 2026. Abhängig vom Zustand, beispielsweise bei schweren Unfallschäden, werden möglicherweise nicht alle Wagen übernommen.[7] Vor dem Einsatz in Posen baut MPK Poznań die Fahrzeuge geringfügig um, unter anderem mit zusätzlichen Mehrzweckbereichen im Mittelteil und gesonderten Front-Linienanzeigen auf dem Dach. Es bleiben 64 Sitzplätze übrig. Im November 2025 wurde ein erster angepasster Triebwagen präsentiert und in Betrieb genommen (Nr. 971, ex Bonn 9460). Der Bonner Triebwagen 9451, in Posen Nr. 994, ist als Ersatzteilspender vorgesehen.[1]
NGT6D 971 bei der öffentlichen Vorstellung im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung in Posen
Fahrgastraum mit Posener Anpassungen, im Vordergrund der mittlere Türbereich
12Marek Malczewski:Zweirichtungswagen in Poznań. Polen: mehr Flexibilität in der Stadt an der Warthe. In: Straßenbahn Magazin. Nr.436 (6/2026). GeraMond Verlag, München 2026, S.54–59.
1234Harry Hondius:ÖPNV-Niederflur-Schienenfahrzeuge im Kommen. Folge 8. In: Stadtverkehr. Nr.6/1994. EK-Verlag, Freiburg 1994, S.10–14,27.
↑Harry Hondius:ÖPNV-Niederflur-Fahrzeuge im Kommen. Folge 3, Teil I. In: Stadtverkehr. Nr.3/1992. EK-Verlag, Freiburg 1992, S.35.