Rudolf Casper
Rudolf Casper (* 5. Mai 1930 in Riesa; † 29. Oktober 2005 in Braunschweig) war ein deutscher Biologe, Phytopathologe insbesondere der Pflanzenvirologie sowie Hochschullehrer an der Georg-August-Universität Göttingen.[1] Herauszuheben ist sein grundsätzlicher Adaptationsbeitrag zum Elisa-Test zwecks Bestimmung von Pflanzenvirosen.[2]
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Casper wuchs bei seiner verwitweten Mutter in Heidersdorf im Kreis Freiberg in der Sowjetischen Besatzungszone auf. Er absolvierte die Oberschule in Olbernhau und schloss diese mit dem Abitur ab. Da ihm sein Wunsch Botanik zu studieren verwehrt wurde, bereitete er sich auf ein Pharmazie-Studium vor. Dazu absolvierte er von September 1948 bis zu seiner Festnahme ein Praktikum in der Adler-Apotheke in Vetschau.
Casper schrieb Briefe an Freunde nach Island, eine Studienanfrage in die Schweiz und an Kontaktadressen in die USA. Offensichtlich wurden die Briefinhalte der Militär-Regierung bekannt. Laut Verhörprotokoll vom 15. März 1949 soll Rudolf Casper im Juni 1948 einen Brief antisowjetischen Inhalts geschrieben und sich über die schlechte Versorgungslage in der Sowjetischen Besatzungszone beklagt haben.
Am 8. März 1949 wurde Rudolf Casper in Vetschau unter dem Vorwurf der antisowjetischen Propaganda von sowjetischen Sicherheitsorganen verhaftet und in das MGB-Gefängnis in Cottbus überführt. Nach knapp zwei Monaten Untersuchungshaft verurteilte ihn das Militärtribunal der Sowjetischen Militäradministration des Landes Brandenburg zu zehn Jahren Haft in einem „Besserungsarbeitslager“. Die Haftstrafe verbüßte Rudolf Casper im Speziallager Sachsenhausen und in der DDR-Strafvollzugsanstalt Untermaßfeld und der Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel. Am 20. Januar 1954 wurde er entlassen.
Rudolf Casper flüchtete anschließend in die Bundesrepublik nach Hannover und begann ein Biologiestudium an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Dort studierte er von 1954 bis 1959 Biologie, danach 1 Jahr in Kentucky/USA, wo er den Master of Science ablegte. Nach seiner Rückkehr wechselte er von Heidelberg an die Universität Göttingen und promovierte dort 1963 zum Dr. rer. nat.
Am 1. Januar 1964 trat Casper in den Dienst der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) als Mitarbeiter des damaligen Instituts für Virologie in Braunschweig ein und beteiligte sich zunächst aktiv an der Entwicklung von Diagnosemethoden. Er war maßgeblich an der Ausarbeitung des ELISA-Tests zur Bestimmung von Kartoffelvirosen beteiligt, der seitdem in der Kartoffelzüchtung allgemein angewendet wird.
1986 publizierte Casper einen Aufsatz über Gentechnische Methoden zur Diagnose und Bekämpfung des Scharka-Virus. Ab 1973 war Casper Dozent an der Universität Göttingen, habilitierte sich 1983 für das Fach Pflanzenvirologie, das er fortan als Professor lehrte.
1989 wurde Casper zum Leiter des Instituts für Biochemie berufen, das 1991 mit dem Institut für Viruskrankheiten zusammengefasst wurde. Als Direktor des nunmehrigen Instituts für Biochemie und Pflanzenvirologie war Casper vor allem auf dem Gebiet der Resistenzforschung genetisch veränderter Organismen tätig und hat hier internationalen Ruf erlangt. Darüber hinaus war er über viele Jahre als Mitglied der BBA im Senat der Bundesforschungsanstalten engagiert. Er wurde mehrmals zum Vizepräsidenten des Senats gewählt. In der Amtsperiode 1989/90 war er Präsident des Senats. Diese Zeit war geprägt von der deutschen Wiedervereinigung und der sich abzeichnenden Notwendigkeit, die Agrarforschungsstandorte der DDR in die neu entstandene Forschungslandschaft einzugliedern. Dem Senat der Bundesforschungsanstalten und dessen Präsidenten fiel dabei die wichtige Rolle als Koordinierungsgremium für die künftige Forschungsorganisation und Forschungsstandorte zu.
Ende Mai 1995 trat Rudolf Casper in den Ruhestand. Am 3. Juli 1995 ehrte ihn der Bundespräsident durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Pflanzenschutzdienst: Professor Rudolf Casper verstorben
- ↑ Hohenheimer Rudolf Casper im Lexikon der Agrarbiografien 2025, Seite 322, DOI:10.60848/12209
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Casper, Rudolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Biologe und Phytomediziner |
| GEBURTSDATUM | 5. Mai 1930 |
| GEBURTSORT | Riesa |
| STERBEDATUM | 29. Oktober 2005 |
| STERBEORT | Braunschweig |