Revolving Histories
Revolving Histories – translokale Performance Geschichte:n ist ein dreiteiliges Projekt, bestehend aus Recherche, Ausstellung, Publikationen, das die Performance-Kunst in der Schweiz erforscht und sichtbar macht.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Projekt Revolving Histories entstand als Reaktion auf die Ausstellung Performance Process. Eine Annäherung an die Schweizer Performancekunst von 1960 bis heute (2017/18) im Museum Tinguely Basel (in Zusammenarbeit mit der Kaserne und der Kunsthalle Basel).[1] Diese Ausstellung präsentierte international berühmte Künstler wie Anne Rochat, Roman Signer oder Christian Marclay. Viele Schweizer Performance-Künstler und Künstlerinnen fühlten sich jedoch ausgeschlossen.[2] "Zeitgleich zur zunehmenden institutionellen Vermittlung, die mit dem «Performativen» im weitesten Sinn Live-Erlebnisse offeriert, mahnen Performerinnen und Performer vor einem Wertekanon, der die «Vielstimmigkeit» (Muda Mathis, Andrea Saemann) ihrer prozessualen, ortspezifischen, dialogischen und integrativen Kunst unterbindet."[3]
Deshalb formierte sich 2020 eine Gruppe mit der Absicht, ein gesamtheitlicheres Bild der Performancelandschaften Schweiz aufzeigen. Das Team hinter dem kollaborativen Projekt Revolving Histories bestand aus Performancekünstlerinnen, Forschenden und Vermittlerinnen, namentlich Lena Eriksson, Muda Mathis, Chris Regn, Andrea Saemann, Sabine Gebhardt Fink, Tancredi Gusman, Deirdre O’Leary, Dorothea Rust und Margarit von Büren. Performance Chronik Basel agiert seit 2021 als Trägerverein. Performance Chronik Basel hat sich zum Ziel gesetzt, aktiv einen Beitrag zur Geschichtsschreibung der Performance Kunst Basels zu leisten.[4]
Recherche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Recherche begann 2021 mit kollektiven Mappings und Interviews an unterschiedlichen Orten in der Schweiz. So entstand eine umfangreiche digitale Sammlung von Performance-Dokumentationen und Interviews, die translokale Netzwerke und Konstellationen sichtbar machen. Die Sammlung ist auf der Mediathek der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW einsehbar.[5]
Ausstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Sommer 2022 entstand aus den aktuellen Recherche-Ergebnissen die Ausstellung BANG BANG – translokale Performance Geschichte:n, in Zusammenarbeit mit dem Museum Tinguely.[6] Sie fokussierte auf die Schweizer Performance-Landschaft mit ihren Akteuren und Netzwerken und präsentierte zugleich ein vielseitiges internationales Programm. Über Videoinstallationen, Performances, Fotos, Texte und Diskussionen wurde die reiche Geschichte des Mediums aufgefächert. An sieben Wochenenden wurde die Ausstellung mit Live Performances, Gesprächen und Präsentationen ergänzt zu den folgenden Themen:[7]
- Saga (Blick zurück)
- Ausbruch aus den Medien (ästhetische Praxen, Hybridisierung)
- Zur radikalen Gleichwertigkeit von Erfahrungen (Queer, Choreopolitics)
- Flüchtige Tat (Politik, Aktivismus, Feminismus)
- Soziale Eleganz (Freundschaft, Szenen, Netzwerke)
- Direktübertragung (Situation, Rezeption)
- Freckly Night (Schillernde Momente zwischen Vergangenheit und Zukunft)
Publikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verschiedene Autorinnen und Autoren wurden angefragt, zusätzlich zum gesammelten Bild- und Audio-Material Texte zu schreiben. Daraus resultierten zwei Publikationen: Der erste Band, Lesebuch Revolving Histories – Zu translokaler Performance Kunst Schweiz erschien 2025 im Vexer Verlag, 2026 folgte der zweite Band Atlas Revolving Histories – Zu translokaler Performance Kunst Schweiz. Die Publikationen machen die Praxis gegenseitiger Inspiration sichtbar und ermöglichen eine erste Übersicht über die Performance Szenen der vielsprachigen Schweiz.[8][9]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Andrea Saemann, Muda Mathis, Chris Regn (Hrgs.): Performance Art Roll On. Mit Texten von Andrea Saemann, Muda Mathis, Chris Regn, Irene Müller, Gisela Hochuli, Sabine Gebhardt Fink, Pascale Grau, Dorothea Schürch, Martin Chramosta, Dorothea Rust. Kaskadenkondensator, PANCH Performance Art Network Schweiz, Performance Chronik Basel 2018.
- Andrea Saemann, Chris Regn, Lena Eriksson, Margarit von Büren, Muda Mathis, Sabine Gebhardt Fink (Hrsg.): Lesebuch Revolving Histories – zu translokaler Performance Kunst Schweiz. Mit Texten von Caroline Arni, Donatella Bernardi, Dorothee Daphi, Sabine Gebhardt Fink, Pascale Grau, Dominique Grisard, Michael Hiltbrunner, Gisela Hochuli, Ute Holl, Isabella Krayer, Tabea Lurk, Linda Luv, Nicole Müller, Jules Pelta Feldman, Chris Regn, Dorothea Rust, Andrea Saemann, Dorothea Schürch, Roland Wetzel, Isabel Zürcher. Vexer Verlag St. Gallen/Berlin 2025. ISBN 978-3-907690-01-7.
- Andrea Saemann, Chris Regn, Margarit von Büren, Muda Mathis, Sabine Gebhardt Fink, Lena Eriksson (Hrgs.): Atlas Revolving Histories – zu translokaler Performance Kunst Schweiz. Mit Texten von Ursula Badrutt, Mathias Balzer, Claire de Ribaupierre Furlan, Esther Maria Jungo, Marie-Ève Knoerle, Muda Mathis, Mary Paterson, Dorothea Rust, Andrea Saemann, Marcel Schwald, Benjamin Sunarjo, Margarit von Büren. Vexer Verlag St. Gallen/Berlin 2026. ISBN 978-3-907690-02-4
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ PerformanceProcess – Eine Annäherung an die Schweizer Performancekunst von 1960 bis heute 20. September 2017 bis 18. Februar 2018. Abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Jules Pelta Feldman: «Sag was!» In: Republik. 13. Juli 2022 (republik.ch [abgerufen am 29. April 2026]).
- ↑ Isabel Zürcher: SIK-ISEA Recherche. In: SIKART Lexikon. 2019, abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Performance Chronik Basel. Archiviert vom am 25. März 2025; abgerufen am 29. April 2026 (deutsch).
- ↑ Revolving Histories. In: Mediathek – Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW / Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Bang Bang. In: Museum Tinguely Basel. Abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Artinside: BANG BANG – Translokale Performance Geschichte:n. In: Artinside. 28. Mai 2022, abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Nicole Müller: Das ungezähmte Kind der Kunst. In: fridamagazin.ch. 30. September 2025, abgerufen am 29. April 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Mathias Balzer: Performance in der Peripherie. In: fridamagazin.ch. 10. März 2026, abgerufen am 29. April 2026 (Schweizer Hochdeutsch).