Reiat
Der Reiat ist eine Region im Nordosten des zentralen Teils des Schweizer Kantons Schaffhausen.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Reiat im eigentlichen Sinn nimmt die nordöstlich der Stadt Schaffhausen liegende Hochebene und das anschliessende, gegen die Biber orientierte Hügelland ein. Im historisch engeren Sinne gehören die Gemeinden und Ortschaften Altdorf SH, Bibern SH, Büttenhardt, Herblingen, Hofen SH, Lohn SH, Opfertshofen und Stetten SH zum Reiat. In jüngerer Zeit werden und wurden je nach dem auch der Hauptort Thayngen sowie die Dörfer Bargen SH, Barzheim, Dörflingen, Hemmental, Merishausen und die deutsche Exklave Büsingen am Hochrhein zum Reiat gezählt.
Der bis 1999 bestehende Bezirk Reiat umfasste (in den Grenzen von 1929) Altdorf, Bibern, Büttenhardt, Hofen, Lohn, Opfertshofen, Stetten und Thayngen. Zum Wahlkreis Reiat gehören heute die Gemeinden Bargen, Büttenhardt, Lohn, Merishausen, Stetten und Thayngen; bis zur jeweiligen Eingemeindung in die Stadt Schaffhausen gehörten auch Herblingen (bis Ende 1963) und Hemmental (bis Ende 2008) dazu.
Durch den Reiat fliessen die Biber und die Fulach.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Reiat war ursprünglich ein Flurname, der ein Gebiet bei Büttenhardt bezeichnete und sich erstmals 1411 als Raigen bezeugt findet. Ab dem 15. Jahrhundert wurde er allmählich zum Geländenamen für die Hochebene nordöstlich der Stadt Schaffhausen und schliesslich im ausgehenden 18. Jahrhundert zum Bezirksnamen. Die einstige Bedeutung des Namens ist ungewiss («Gebiet mit Wassergräben»?, «Gebiet, wo Rehe grasen»?), weil er erst vergleichsweise spät urkundliche Erwähnung findet und damit die ursprüngliche Lautung unbekannt ist.[1][2]
Der Reiat war im Mittelalter Eigentum der Grafen von Tengen und wurde 1465 an das Haus Österreich verkauft. 1529 erwarb die Stadt Schaffhausen vom Kloster Paradies die niedere Gerichtsbarkeit über den Reiat, und 1723 ging die hohe Gerichtsbarkeit kaufweise an Schaffhausen. Der Reiat war bis 1798 eine Schaffhauser Obervogtei mit Sitz im Schloss Thayngen, danach ein helvetischer Distrikt und ab 1803 ein Bezirk, der bis 1999 existierte. Heute besteht unter diesem Namen ein – etwas anders definierter – Wahlkreis.
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der hügelige Teil des Reiats ist der Ostteil einer Weissjura-Schichtstufe und ist Bestandteil der sich zwischen Basel und Coburg erstreckenden Tafeljura-Landschaft und somit Element des sogenannten Südwestdeutschen Schichtstufenlandes. Die Schichtstufe setzt sich über das grosse Nord-Süd-Tal der Durach (Merishausener Tal), das den Reiat teilweise abgrenzt, nach Westen fort, wo der Randen den Westteil der Schichtstufe markiert. Höchste Erhöhung des Reiats ist der Bol in Baden-Württemberg mit 786 m ü. M., rund 100 m östlich der Schweizer Grenze bei Wiechs am Randen. Die Ortschaften Stetten, Büttenhardt, Lohn und Opfertshofen befinden sich dabei auf der Hochebene des Reiats und werden auch als oberer Reiat bezeichnet.
Der Reiat ist sehr wasserarm und steinig, dafür finden sich Tonlagerstätten für Feuerfeste Steine (Erzsteine), diese werden durch die TL-TECH AG und die Lohner Ziegelei AG abgebaut.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist die westlich von Thayngen gelegene prähistorische Wohnhöhle Kesslerloch.
Der Reiatweg ist der nördlichste Rundwanderweg der Schweiz. Der Biber-Erlebnisweg führt im Gemeindegebiet von Thayngen an der Biber entlang und informiert über das gleichnamige Nagetier.
Reiatwein
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Weinbau hat im Reiat eine lange Tradition. Hier werden unter anderem heute noch immer die Stickelreben angebaut. Dies bezeichnet die Einzelanbauweise mit Holzpflöcken, was sehr arbeitsintensiv ist. Auf dem sonnenverwöhnten und steilen Abhängen in Thayngen wächst auf Weissjurakalkboden der Blauburgunder aus dem der Thaynger Reiatwein gekeltert wird. Die Weinanbaugebiete im Reiat zählen zum Schaffhauser Blauburgunderland.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Roman Sigg: Reiat. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Reiat. In: Schaffhauser Namenbuch. Online publiziert auf ortsnamen.ch, dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. Abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ Hans Ulrich Wipf: Reiat. Zur begrifflichen Ausweitung eines Flurnamens. In: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 54 (1977), S. 7–42.
Koordinaten: 47° 45′ 9,7″ N, 8° 39′ 39″ O; CH1903: 691650 / 289839