Raimund Pingel
Raimund Pingel (* 27. April 1935 in Hagen; † 23. Dezember 2024 in Borken) war ein deutscher Verwaltungsjurist. Von 1972 bis 1999 war er Oberkreisdirektor des Kreises Borken. Er setzte sich in dieser Tätigkeit und darüber hinaus für die deutsch-niederländische Zusammenarbeit sowie für die Interessen Westfalens ein.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausbildung und beruflicher Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pingel wurde 1935 in Hagen geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1955 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Freiburg und Münster. Zusätzlich besuchte er die Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Nach dem Zweiten Staatsexamen war er als wissenschaftlicher Assistent an der Juristischen Fakultät der Universität Münster tätig.[1]
1967 trat er als Regierungsassessor in den Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein. Er arbeitete beim Regierungspräsidium Münster im Schuldezernat und in der Kommunalaufsicht. Nach einer Abordnung zur Kreisverwaltung Lüdinghausen nahm er von 1969 bis 1970 am Fortbildungslehrgang der Bundesregierung für Verwaltungsführung und internationale Aufgaben teil. Anschließend war er im Planungsstab der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen und später als wissenschaftlicher Berater der CDU-Landtagsfraktion für Kommunalpolitik, kommunale Finanzen, Verwaltungs- und Gebietsreform sowie Landesplanung tätig.[1]
Oberkreisdirektor des Kreises Borken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 24. Mai 1972 wurde Pingel vom Kreistag des damaligen Landkreises Borken zum Oberkreisdirektor gewählt. Sein Amt trat er am 1. August 1972 an. Während der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens wirkte er maßgeblich an der Bildung des neuen Kreises Borken mit, der zum 1. Januar 1975 entstand. Insbesondere setzte er sich für den Verbleib des Raumes Bocholt im Münsterland ein.[1]
Er galt als eine prägende Persönlichkeit des Aufbaus und der Entwicklung des heutigen Kreises Borken.[2]
Während seiner 27-jährigen Amtszeit förderte Pingel die wirtschaftliche Entwicklung des Westmünsterlandes. Neben dem Strukturwandel nach der Krise der Textilindustrie engagierte er sich für Infrastrukturprojekte sowie kulturelle und bildungspolitische Einrichtungen. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Entwicklung der Landesmusikakademie NRW in Heek-Nienborg, des Künstlerdorfes Schöppingen, des Hamaland-Museums in Vreden sowie verschiedener Bildungs- und Kultureinrichtungen im Kreisgebiet.[3]
Darüber hinaus war er Sprecher der Oberkreisdirektoren im Regierungsbezirk Münster und später auch auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen. Zudem gehörte er zahlreichen Gremien an, darunter dem Landkreistag Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe und Euregio-Gremien.[1]
1999 trat Pingel in den Ruhestand.[4]
Ehrenamtliches Engagement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben seiner Tätigkeit in der Kommunalverwaltung engagierte sich Pingel im Deutschen Roten Kreuz. Seit 1973 war er Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Borken. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche soziale Einrichtungen und Projekte für Menschen mit Behinderungen, sozial benachteiligte Gruppen und Jugendliche. Nach seinem Ausscheiden aus der operativen Führung wurde er 2005 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.[5]
Ferner engagierte er sich in der Stiftung Westfalen-Initiative sowie im Verein Westfalen e. V. Als erster Geschäftsführer der Stiftung und langjähriges Vorstandsmitglied setzte er sich für die Förderung westfälischer Interessen ein.[4]
Von 2000 bis 2005 war Pingel Vorsitzender der Bundesgemeinschaft für deutsch-niederländische Zusammenarbeit (BDNZ). Nach seinem Ausscheiden wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.[6]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für seine Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung, die regionale Entwicklung und das Ehrenamt erhielt Pingel zahlreiche Auszeichnungen:
- Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2001)[4]
- Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (2013)[7]
- Offizier des Ordens von Oranien-Nassau[1]
- Alfred-Mozer-Preis der Provinz Gelderland[8]
- Ehrenring des Kreises Borken[1]
- Ehrenplakette der Handwerkskammer Münster[1]
- Verdienstmedaille des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe[5]
- Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes[5]
Tod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Raimund Pingel starb am 23. Dezember 2024 im Alter von 89 Jahren in Borken. Landrat Kai Zwicker würdigte ihn als „unermüdlichen Streiter für die Interessen des Westmünsterlandes“ und erinnerte an dessen langjähriges Wirken für die Entwicklung der Region.[1] Sein Tod wurde unter anderem vom Kreis Borken, dem DRK-Kreisverband Borken, der Stiftung Westfalen-Initiative und der Bundesgemeinschaft für deutsch-niederländische Zusammenarbeit öffentlich gewürdigt.[5][4][6] Die Borkener Zeitung bezeichnete ihn als eine prägende Persönlichkeit der Region.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Landkreistag Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Dokumentation über die Landräte und Oberkreisdirektoren in Nordrhein-Westfalen 1945–1991. Düsseldorf 1992.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Raimund Pingel, langjähriger früherer Oberkreisdirektor des Kreises Borken, ist verstorben. In: Kreis Borken. 27. Dezember 2024, abgerufen am 29. Mai 2026.
- 1 2 Ehemaliger Oberkreisdirektor Raimund Pingel mit 89 Jahren gestorben. In: Borkener Zeitung. 28. Dezember 2024, abgerufen am 29. Mai 2026.
- ↑ Borkens ehemaliger Oberkreisdirektor Raimund Pingel vollendet am 27. April 2015 sein 80. Lebensjahr. In: Heimatreport. 24. April 2015, abgerufen am 29. Mai 2026.
- 1 2 3 4 Andenken an einen selbstlosen und engagierten Westfalen: Stiftung Westfalen-Initiative trauert um Raimund Pingel. In: Stiftung Westfalen-Initiative. 7. Januar 2025, abgerufen am 29. Mai 2026.
- 1 2 3 4 Raimund Pingel – ein herausragender Förderer des Roten Kreuzes im Kreis Borken ist am 23. Dezember im Alter von 89 Jahren verstorben. In: DRK-Kreisverband Borken. 28. Dezember 2024, abgerufen am 29. Mai 2026.
- 1 2 Wir trauern um Raimund Pingel. In: Bundesgemeinschaft für deutsch-niederländische Zusammenarbeit. Abgerufen am 29. Mai 2026.
- ↑ Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verleiht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen u. a. an Oberkreisdirektor a. D. Raimund Pingel. In: Heimatreport. 30. August 2013, abgerufen am 29. Mai 2026.
- ↑ Heimatbrief Westmünsterland Januar 1999. In: kult Westmünsterland. Abgerufen am 29. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pingel, Raimund |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Verwaltungsjurist und Oberkreisdirektor des Kreises Borken |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1935 |
| GEBURTSORT | Hagen |
| STERBEDATUM | 23. Dezember 2024 |
| STERBEORT | Borken |