SBB RBe 4/4
| SBB RBe 4/4, SBB RBe 540 | ||
|---|---|---|
Prototyp RBe 4/4 1405 zurückversetzt in den Ablieferungszustand | ||
| Nummerierung: | 1401–1482 bzw. 540 006–079 | |
| Anzahl: | 82 | |
| Hersteller: | SIG, BBC, MFO | |
| Baujahr(e): | 1959–1960, 1963–1966 1993–1998 (Umbau R4) | |
| Ausmusterung: | 2005–2014 | |
| Achsfolge: | Bo’Bo’ | |
| Spurweite: | 1435 mm | |
| Länge über Puffer: | 23'700 mm | |
| Leermasse: | 68 t, nach Umbau: 72 t 64 t (Prototypen) | |
| Höchstgeschwindigkeit: | 125 km/h | |
| Stundenleistung: | 1988 kW bei 80 km/h | |
| Anfahrzugkraft: | 167 kN | |
| Stundenzugkraft: | 89 kN | |
| Stromsystem: | 15 kV, 16,7 Hz ~ | |
| Stromübertragung: | Oberleitung | |
| Sitzplätze: | 64 60 (nach R4) | |
| Fahren | ++ | Rasches Aufschalten (3 Stufen/Sek.) des Stufenschalters bis zum Stundenstrom von 1380 A, dann stufenweises Weiterschalten (1 Stufe/Sek.) mit Zuschaltstrom von 2100 A. |
| Fahren | + | Rasches Aufschalten bis zum Stundenstrom, dann Weiterschalten mit Zuschaltstrom von 1650 A. |
| Fahren | M | Stufenweises Aufschalten mit Zuschaltstrom von 1650 A. |
| Fahren | ● | Der Stufenschalter bleibt auf der zuletzt erreichten Stufe stehen. |
| Fahren | ▬ | Beim Verbringen von Stellung 0 auf ▬ erfolgt das Einschalten der Trennhüpfer.
Das Verbringen des Schalters von Stellung ● auf ▬ erfolgt stufenweises Zurückschalten bis zum Abschalten auf 0. |
| Stellung | 0 | Öffnen der Trennhüpfer und rasches Abschalten des Stufenschalters auf 0.
Sofern elektrisch gebremst wurde, erfolgt die Umstellung der Wendeschalter von Bremsen auf Fahren. |
| Bremsen | ▬ | Beim Verbringen des Fahrschalters von Stellung 0 auf ▬ erfolgt Umstellen der Wendeschalter auf Bremsen.
Beim Verbringen des Fahrschalters von Stellung Bremsen ● auf Bremsen ▬ erfolgt stufenweises Zurückschalten bis 1300 A und anschliessend rasches Abschalten auf 0. |
| Bremsen | ● | Der Stufenschalter bleibt auf der zuletzt erreichten Bremsstufe stehen. |
| Bremsen | + | Rasches Aufschalten bis zu einem Bremsstrom von 1500 A, dann stufenweises Weiterschalten bis zum Maximalstrom von 1600 A. |
| Angaben aus SBB-Reglement R431.14 – Reglement über die elektrischen Triebwagen RBe 4/4 | ||
Diese neue Befehlsgebersteuerung wurde dann in den späteren Triebfahrzeugserien, wie die privaten Triebwagen EAV, Re 4/4II, Re 4/4III, Re 6/6 und NPZ eingebaut. Damit gab es bei diesen Triebwagen und Lokomotiven eine einheitliche Bedienung durch das Fahrpersonal.
Ab 1992 wurden die 74 noch vorhandenen Serientriebwagen durch die SBB-Hauptwerkstätte Zürich modernisiert und an die Anforderungen des S-Bahn-Betriebs angepasst. So wurde ein Thyristor-Lastschalter eingebaut. Er dient dazu, die Stufen beim Schalten zu überbrücken und das Ruckeln beim elektrischen Bremsen zu korrigieren. Dadurch entfiel ein Fahrgastabteil mit vier Sitzplätzen. Für den kondukteurlosen Betrieb wurden automatische Aussenschwingtüren eingebaut und die Triebwagen wurden für den Pendelzugbetrieb mit den bereits für die NPZ (»Neuer Pendelzug«) angepassten Einheitswagen I und II (ebenfalls automatische Aussenschwingtüren) umgebaut. Auch optisch wurden bereits seit 1991 die Fahrzeuge an die NPZ angepasst und erhielten die neue Regionalzugs-Farbgebung «Kolibri»; die Sitze mit Kunstlederbezug wurden durch Sitze mit Stoffbezug ersetzt.
Gleichzeitig mit dem Umbau erfolgte die Umnummerierung ins neue Baureihen-Schema, wobei es wegen des Beginns der Zählweise bei der Endziffer 0 und aufgrund zweier bereits ausrangierter Fahrzeuge (1419, 1454) zu Verschiebungen kam:
- Die Betriebsnummern RBe 540 000–005 waren für die Prototypen 1401 bis 1406 vorgesehen, aber nie an den Wagen angeschrieben
- RBe 540 006–017: ehemalige Fahrzeuge RBe 4/4 1407–1418
- RBe 540 018–051: ehemalige Fahrzeuge RBe 4/4 1420–1453
- RBe 540 052–079: ehemalige Fahrzeuge RBe 4/4 1455–1482
Die nie ins Baureihenschema umgezeichneten Prototypen erhielten für den Einsatz auf der Seetalbahn auffällige reflektierende Warnstreifen an der Stirnfront und wurden deshalb auch als Seetal-RBe 4/4 bezeichnet.

Bis 2005 ausrangiert wurden die Fahrzeuge 1401–1403 (altersbedingt), 1419 (Unfall in St-Triphon; 1972), 1454 (Brand zwischen Uster und Aathal; 1990), 540 008 (Brand zwischen Safenwil und Walterswil-Striegel; 1998) und 540 023 (Brand in Eglisau; 2000). Der RBe 540 019 wurde im Juni 2005 an die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) verkauft, ebenso der 540 074; der 540 006 steht in Balsthal als Ersatzteilspender. Ab 2006 wurden die Triebwagen in grösserer Zahl ausrangiert. Bei der OeBB endete der Einsatz Ende 2015, die letzten Maschinen der SBB wurden offiziell im Juli 2016 ausrangiert.
Der RBe 4/4 1405 steht seit 2007 als historisches Fahrzeug beim Verein Depot und Schienenfahrzeuge Koblenz im Einsatz. Er hat inzwischen die TSI-Nummer 94 85 7540 005-6 erhalten. Drei Fahrzeuge wurden von der Stiftung Historisches Erbe der SBB (SBB Historic) übernommen (540 020, 052 und 069), davon sollen zwei als fahrfähige historische Fahrzeuge im letzten Betriebszustand erhalten blieben, der dritte ist als Ersatzteilspender vorgesehen.[1] Der RBe 540 074 der OeBB wurde von der DSF übernommen, welcher aber als Arbeitstriebwagen vorgesehen ist.[2] Der RBe 540 019 wurde im November 2015 von der Firma Prestige Continental Express SA übernommen und ist bei Swisstrain SA eingestellt. Aktuell sieht es danach aus, dass langfristig vier Fahrzeuge erhalten blieben.
Betrieb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als RBe 4/4
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- RBe 4/4 1437 im ursprünglichen SBB-Grün in Zürich.
Nach ihrer Ablieferung wurden die sechs Prototypen im Schnellzugsverkehr im Flachland eingesetzt. Mit den gleichzeitig abgelieferten Steuerwagen mit Gepäck- und Postabteil FZt4ü (heute DZt) wurden lange Pendelzüge formiert, die zum Teil auch Speisewagen enthielten. Auch die Serien-RBe 4/4 gingen zunächst im Fernverkehr in den Einsatz, mangels passender Steuerwagen als reine Lokomotiven mit meist abgeschlossenem Fahrgastabteil. Erst mit der intensiveren Beschaffung von Re 4/4II konnten die RBe 4/4 ihrem eigentlichen Zweck, dem Einsatz im Schnellzug- und Regionalverkehr zugeführt werden. Dafür wurden 1966 bis 1976 siebzig Steuerwagen (vierzig DZt EW II und dreissig BDt EW II) in mehreren Baulosen beschafft.
Als RBe 540 nach der Modernisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die RBe 540 wurden auch nach der Modernisierung typischerweise zusammen mit einem oder zwei Einheitswagen I oder II sowie einem Steuerwagen BDt in Regionalzugsdiensten eingesetzt.
- Vierteiliger Pendelzug mit zweiteiligem Zusatzmodul
- Längere Kompositionen im S-Bahn-Betrieb wurden im Sandwich gefahren
- Dreiteiliger Intercity Zugnummer IC 10792 mit geschlossenem RBe 4/4 als Zuglok im September 2013
Ab 1985 wurden weitere Steuerwagen durch Umbau gewonnen (BDt ex B EW I, zum Teil mit Führerständen ex DZt, sowie BDt ex ABt EW I). Zusammen mit der Modernisierung wurden auch die Einheitswagen I/II und die Steuerwagen angepasst. Solche Einheiten wurden bis 2005 auch von der Thurbo für den Einsatz auf der S-Bahn St. Gallen gemietet, in anderen Landesteilen bedienten sie schwach frequentierte Regionallinien und ergänzen in den Spitzenzeiten die Dienste der NPZ-Kompositionen, wurden aber nach und nach von moderneren Fahrzeugen der Typen Stadler GTW und Stadler FLIRT abgelöst oder aber von modernisierten NPZ, die durch die vorgenannten Fahrzeuge ersetzt wurden.
In Zusatzzügen der S-Bahn Zürich waren werktags Doppelpendel anzutreffen; Kompositionen bestehend aus je einem RBe 540 vorne und hinten sowie vier bis sechs modernisierten EW I und EW II dazwischen.
Ein Triebwagen fuhr bis zum Schluss mit einem umgebauten Steuerwagen mit Gepäckabteil als Gefängniszug; er zog oder schob dann den Steuerwagen mit angepasster Kolibri-Farbgebung und der Aufschrift SECURITAS, dem Namen der für den Betrieb zuständigen Schweizer Sicherheitsfirma.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Paul Winter (1959) SBB-Fibeln – Heft 1, Unsere Triebfahrzeuge. Orell Füssli Verlag, Zürich.
- Paul Winter: SBB-Fibeln – Heft 5, Unsere Wagen. Orell Füssli Verlag, Zürich, 1948.
- Reto Danuser und Hans Streiff (2011) Die elektrischen und Dieseltriebfahrzeuge der SBB (Teil 2), Konstruktionsjahre 1952–1975, Minirex, Luzern, ISBN 978-3-907014-36-3.
- Reglement R 431.14 über die elektrischen Triebwagen RBe 4/4 Nr. 1407–1482.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- SBB RBe 4/4 1401–1482 auf der privaten Internetseite www.lokifahrer.ch von Bruno Lämmli
- SBB RBe 4/4 im Modellbau-Wiki
