Rüsselfinger

Rüsselfinger werden in der Zoologie die Fortsätze am unteren Ende des Rüssels der Elefanten genannt. Sie dienen in feinmotorischer Hinsicht als Greifwerkzeug. Die Anzahl der Rüsselfinger ist bei den einzelnen Elefantenarten unterschiedlich:
Die beiden Arten der Afrikanischen Elefanten (Steppenelefant, Loxodonta africana, und Waldelefant, Loxodonta cyclotis) besitzen jeweils zwei Rüsselfinger, die senkrecht übereinander liegen. Funktionell, nicht anatomisch, sind sie etwa nach Art von menschlicher Ober- und Unterlippe angeordnet. Der Asiatische Elefant (Elephas maximus) besitzt nur einen Rüsselfinger, der funktionell in der Position einer Oberlippe liegt.
Die anatomische Übereinstimmung hinsichtlich der Rüsselfinger ist neben zahlreichen anderen Merkmalen einer der Gründe, warum die zoologische Systematik die beiden afrikanischen Elefantenarten ein und derselben Gattung (Loxodonta) zuordnet und die asiatische Art einer anderen (Elephas).
Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) untersuchten den sogenannten Gesichtskern (facial nucleus). Diese Hirnstruktur steuert u. a. auch die Motorik der Rüsselfinger. Die Berliner Wissenschaftler stellten besonders markante Nervenzellhäufungen beim Afrikanische Elefanten fest. Die bemerkenswerte Zahl von 54.000 Nervenzellen im Gesichtskern von Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) wurde mit 63.000 beim afrikanischen Verwandten (Loxodonta africana) noch übertroffen. Das Team führt die höhere Zahl der sogenannten „facial nucleus neurons“ bei Afrikanische Elefanten u. a. auf die komplexere Greifbewegung bei zwei Rüsselfingern zurück.[1]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Kaufmann LV, Schneeweiß U, Maier E, Hildebrandt TB, Brecht M: Elephant facial motor control. In: Science Advances. Vol 8, Nr. 43, 26. Oktober 2022, doi:10.1126/sciadv.abq2789.