Karl Pouva (* 21. November 1903 in Deuben; † 16. Januar 1989 in Freital) gründete das Unternehmen in seiner Heimatstadt im Jahr 1938 durch Übernahme einer metallverarbeitenden Firma[1].
Karl Pouva mit dem neusten Modell seiner Pouva Start (fotografiert von Richard Peter jun., etwa zweite Hälfte 1950er Jahre)
Das Unternehmen firmierte zunächst als "Spezialfabrik für Bildwurfgeräte"[2]. Ab 1950[3] ging die einfache Mittelformat-Kamera Pouva Start für 12 Aufnahmen im Format 6x6 auf Rollfilm 120 in Produktion. Ihr Preis lag zunächst bei 25,- Mark, konnte aber durch verbesserte Organisation des Produktionsablaufs im Jahre 1955 auf sehr günstige 16,50 Mark reduziert werden[4]. Damit ermöglichte sie vielen Kindern und Jugendlichen in der DDR einen ersten Zugang zur Fotografie. Für diese Zwecke ergaben sich akzeptable Ergebnisse, obwohl auf Grund des einfachen, als symmetrisches Periskop aufgebauten Objektivs Duplar 1:8 die Ausleuchtung des Bildes nur mäßig war und vor allem im Randbereich deutliche Farbfehler zutage traten. Leicht abgewandelte Versionen der Pouva Start wurden in Lizenz in Polen, Ungarn und von Hama in der Bundesrepublik produziert und auf den Markt gebracht. Eine komplette Fertigungsanlage für die Kamera wurde Anfang der 1960er Jahre nach Indien geliefert.[5] Während ihrer 20-jährigen Produktionszeit sind allein in Freital 2,5 Millionen Pouva Start gebaut worden.[6]
1953 kam der einfache Diaprojektor Pouva Magica aus schwarzem Bakelit hinzu. Dies war ein Projektor für 35-mm-Bildbänder und gerahmte Diapositive im Format 5 × 5 cm. Als Lichtquelle diente eine übliche 40-W-Allgebrauchslampe. Dieser Projektor blieb nahezu unverändert bis in die späten 1980er Jahre hinein auf dem DDR-Inlandsmarkt im Angebot, wobei die Herstellung unter der Ägide des VEB Edelstahlwerks Freital fortgeführt wurde.[7]
Karl Pouva hatte auch ein einfaches Spulentonbandgerät mit der Bezeichnung Bändi entwickelt, das aber unter erheblichen Konstruktionsfehlern[8] litt und daher keine weite Verbreitung fand. Wegen der auf Grund des ungeregelten Antriebsmotors sehr ungleichmäßigen Bandgeschwindigkeit konnten mit dem Bändi angefertigte Aufnahmen nur bedingt auf anderen industriellen Bandmaschinen abgespielt werden[9].
Die Firma Karl Pouvas wurde 1972 in Volkseigentum überführt, er blieb jedoch zunächst Werkleiter. Im Jahr darauf wurde der Betrieb dann aber der Kamera-Fabrik Woldemar Beier angegliedert und Pouva ging in Rente.
Karl Pouva (rechts) begutachtet mit einem Mitarbeiter auf einen Tragkörper gekittete Linsen.[10]
↑Jakubaschk, Hagen:Wir lernten kennen: Tonbandgerät BÄNDI. In: Radio und Fernsehen. Nr.11, 1964, S.349.
↑Wir lernten kennen: Noch einmal - Tonbandgerät BÄNDI. In: Radio und Fernsehen.
↑Anders als in der originalen Bildbeschreibung der Deutschen Fotothek angegeben handelt es sich nicht um Linsen für die Pouva Start, sondern um Kondensorlinsen für den Kleinbildprojektor Pouva Magica. Dieses Bild belegt, dass Pouva auch optische Bauteile selbst herstellte.
↑Vorzugsweise wurden Schwarz-Weiß-Filme verwendet. Allerdings ein unrepräsentatives Beispiel, da die Aufnahme verwackelt ist.
↑aufgenommen mit Pouva Start: die Einfachheit der Kamera bedingte eine schlechte Ausleuchtung am Bildrand und daraus resultierende Farbfehler.