Zum Inhalt springen

Pi Phat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Video: Pi phat-Aufführung im Wat Khung Taphao, Provinz Uttaradit
Musikbeispiel
Pi phat mon in der Cité de la musique, Paris

Pi Phat (Thai: ปี่พาทย์) ist das bekannteste Ensemble der klassischen thailändischen Musik, das sich vor allem aus Perkussionsinstrumenten zusammensetzt. Es wird zur Begleitung von höfischen und religiösen Zeremonien und Tänzen, Schattenspielen (Nang Yai) und Maskenschauspielen (Khon) eingesetzt.

In Kambodscha wird ein ähnliches Ensemble pin peat genannt. Der Name ist von der während des Khmer-Reichs gespielten Bogenharfe pin übernommen (entsprechend Sanskrit und Alt-Khmer vina). In den klassischen Orchestern in Laos (piphat und sep nyai), Myanmar (hsaing waing), Indonesien (gamelan) und den Philippinen (kulintang) kommen ebenfalls Buckelgongkreise oder Buckelgongreihen vor. Schon auf Tempelreliefs des Khmer-Reichs von Angkor finden sich Darstellungen von Musikern und Musikinstrumenten.

Ein thailändisches pi phat-Ensemble besteht aus mindestens sechs Musikinstrumenten.

Das Standardensemble (thailändisch: pi phat khrueang haวงปี่พาทย์เครื่องห้า) besteht aus pi nai (Kegeloboe – ปี่ใน), ranat ek (Xylophon – ระนาดเอก), khong wong yai (Buckelgongkreis – ฆ้องวงใหญ่), ching (Zimbelฉิ่ง) und den beiden Fasstrommeln taphon (ตะโพน) und klong that (กลองทัด).

Bei der achtköpfigen Besetzung (pi phat khrueang khuวงปี่พาทย์เครื่องคู่) kommen ein weiteres Xylophon mit tieferem Klang (ranat thumระนาดทุ้ม) und ein zweiter, klanglich hellerer Gongkreis (khong wong lekฆ้องวงเล็ก) zum Einsatz, beim zehn- bis vierzehn-köpfigen pi phat khrueang yai (วงปี่พาทย์เครื่องใหญ่) zusätzlich weitere Instrumente, wie z. B. Xylophone (ranat ek lekระนาดเอกเหล็ก – und ranat thum lekระนาดทุ้มเหล็ก) mit metallenen Klangstäben.

Carl Stumpfs Aufzeichnung eines Pi-Phat-Ensembles in Berlin, 1900; Lied: Kham Wan („Süße Worte“)

Im September 1900 dokumentierte Carl Stumpf in Berlin die Musik eines Pi-Phat-Ensembles einer gastierenden Theatergruppe aus dem heutigen Thailand auf 24 Edison-Phonogrammen. Damit war der Grundstein für das Berliner Phonogramm-Archiv und auch der Vergleichenden Musikwissenschaft in Deutschland gelegt.[1]

Weitere klassische thailändische Ensembles sind khruang sai und mahori (dem kambodschanischen mohori ähnlich). Im mahori wird auf die Oboe verzichtet.

  • Phra Chen Duriyanga: Siamese Music. In: Asian Music, Band 13, Nr. 2, University of Texas Press, 1982, S. 55–90
  • Phra Chen Duriyanga: Thai Music. (1948) The Fine Arts Department, Bangkok 2015
  • David Morton: The Traditional Music of Thailand. University of California Press, Berkeley 1976, ISBN 0-520-01876-1, S. 105–111
  • Bussakorn Sumrongthong, Neil Sorrell: Melodic Paradoxes in the Music of the Thai pi-phat and Javanese gamelan. In: Yearbook for Traditional Music, Band 32, 2000, S. 67–80

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Carl Stumpf: Tonsystem und Musik der Siamesen. Beiträge zur Akustik und Musikwissenschaft 3, 1901, S. 69–138; Artur Simon: „Die Musik ist hier überaus reich.“ Älteste Tondokumente der Kulturen der Welt: das Berliner Phonogramm-Archiv. (Memento vom 19. Juni 2008 im Internet Archive) In: UNESCO heute online, Februar 2002