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Smolnice (Chodov)

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(Weitergeleitet von Pechgrün)
Smolnice
Smolnice (Chodov) (Tschechien)
Smolnice (Chodov) (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Gemeinde: Chodov
Geographische Lage: 50° 16′ N, 12° 44′ OKoordinaten: 50° 16′ 3″ N, 12° 44′ 23″ O

Smolnice (deutsch Pechgrün) war eine Ortschaft im Nordwesten Böhmens im heutigen Tschechien. Sie lag etwas nördlich von Chodov (Chodau) und nicht weit von Karlsbad entfernt. Ende der 1960er Jahre wurde der Ort im Zuge des Sokolover Braunkohletagebaus aufgegeben, abgerissen und unter einer über 100 Meter mächtigen Abraumhalde begraben.[1]

Lage von Pechgrün (Smolnice) auf einer Karte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie von 1881

Pechgrün lag nördlich von Chodov.[2] Durch den Ort floss der Schwarzebach. Die Umgebung war von Wiesen, Teichen und bewaldeten Höhenzügen geprägt.[3]

Heute befindet sich auf dem Gebiet der ehemaligen Ortschaft die Pechgrüner Abraumhalde (Smolnická výsypka), die eine Fläche von etwa 616 Hektar (ca. 6,2 km²) umfasst und ein Volumen von 186,6 Millionen Kubikmetern Abraummaterial aufweist.[1] Das Gelände ist überwiegend von Wildbewuchs geprägt, während höher gelegene Bereiche nur spärlich bewachsen sind und ausgedehnte Schutt­flächen aufweisen.

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung Pechgrüns stammt aus dem Jahr 1356.[4] Der deutsche Ortsname leitet sich wahrscheinlich von Pech (Harz) ab und weist auf frühe wirtschaftliche Tätigkeiten hin. Über Jahrhunderte blieb der Ort landwirtschaftlich geprägt.

Die Entstehung des Dorfes steht im Zusammenhang mit der hochmittelalterlichen Besiedlung des nordwestböhmischen Egerlandes.[4] Eine zentrale Rolle spielte dabei das Kloster Waldsassen, unter dessen Einfluss Wälder gerodet, Felder erschlossen und auch Fischteiche angelegt wurden.[4]

Nach der ersten urkundlichen Erwähnung gehörte Pechgrün über Jahrhunderte zu den Herrschaften Ober- und Unter-Chodau. Die Bewohner lebten als Untertanen und waren zu Abgaben und Frondiensten verpflichtet. Diese Struktur blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestehen.

Mit den Reformen von 1848 endete die Untertänigkeit. Die Bauern wurden zu Eigentümern ihrer Höfe, und Pechgrün entwickelte sich in der Folge zu einer selbstverwalteten Gemeinde.

Im späten 19. Jahrhundert setzte ein deutlicher Wandel ein. Durch den Ausbau von Verkehrswegen und die Nähe zu den Industrieorten der Region nahm die Bedeutung der Landwirtschaft ab. Viele Einwohner fanden Arbeit im Bergbau sowie in der Porzellan- und Kaolinindustrie.[5]

Im 20. Jahrhundert war Pechgrün wirtschaftlich eng mit der umliegenden Industrie verbunden. Die beiden Weltkriege und ihre Folgen prägten das Dorf nachhaltig; zahlreiche Einwohner fielen oder galten als vermisst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung größtenteils zur Umsiedlung gezwungen. Ein Teil der Einwohner blieb zunächst im Ort, doch in den folgenden Jahren wurde die Bevölkerung im Zuge der Planungen für den Braunkohletagebau vollständig umgesiedelt.

In den 1960er Jahren begann die Nutzung des Gebietes als Abraumhalde für den Tagebau im Falkenauer Revier (Sokolov). Die Gebäude des Dorfes wurden abgerissen, und innerhalb kurzer Zeit verschwand die Bebauung vollständig. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gelände kontinuierlich mit Abraummaterial aufgeschüttet, wodurch eine großflächige Haldenlandschaft entstand, die die ursprüngliche Topographie vollständig überdeckte.[1]

Landschaft, Ortsbild und Erinnerung

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Gedenkkreuz an der Stelle der ehemaligen Kapelle von Pechgrün auf der Pechgrüner Abraumhalde; im Hintergrund das Kraftwerk Vřesová (Strom- und Fernwärmeerzeugung aus Gas; früher Braunkohlevergasung, heute auch mit Erdgas und deutlich emissionsärmer betrieben)

Pechgrün lag in einer flachen Geländemulde am Übergang zwischen der offenen Landschaft des Egerlandes und den nördlich anschließenden Höhenzügen des Erzgebirges. Während sich der Blick nach Südwesten über das Egerbecken öffnete, rückten die bewaldeten Bergrücken im Norden unmittelbar an den Ort heran und rahmten ihn ein.

Die Umgebung war durch eine vielfältige Kulturlandschaft geprägt.[3] Zeitgenössische Beschreibungen nennen Ackerflächen, Wiesen und zahlreiche Fischteiche, die den Ort insbesondere im Westen und Südwesten umgaben.[3] Auch Obstbäume gehörten zum Erscheinungsbild des Dorfes.[3]

In zeitgenössischen Quellen wird Pechgrün als landschaftlich reizvoller Ort beschrieben, der aufgrund seiner Lage und Umgebung als Ausflugsziel geschätzt wurde.[3]

  • Miloš Bělohlávek: Zaniklé obce Sokolovska. Sokolov 2005.
  • Miloš Bělohlávek: Smolnice – zasypaná ves. Pechgrün, ein zugeschüttetes Dorf. Chodov 2019, ISBN 978-80-907595-2-7.
  • Vladimír Prokop: I tudy kráčely dějiny. Z historie zaniklých a těžbou uhlí vážně zasažených míst Sokolovského revíru. Sokolov 2001, ISBN 80-238-7153-6, S. 184–189.
  • Vladimír Prokop, Lukáš Smola: Sokolovsko: umění, památky a umělci do roku 1945. 2 Bände, Sokolov 2014, ISBN 978-80-905485-2-7.
  • Historický lexikon obcí České republiky 1869–1970. Okres Sokolov. Praha 2015.
  • Statistický lexikon obcí v Republice Československé. Svazek I: Čechy. Praha 1924, S. 252.
Commons: Smolnice (Chodov) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Sokolovská uhelná: Smolnická výsypka končí. 21. Mai 2019, abgerufen am 15. April 2026 (tschechisch).
  2. Spezialkarte der österreichisch-ungarischen Monarchie, Blatt 2868–3869 (Image 558). In: Library of Congress. Abgerufen am 15. April 2026.
  3. 1 2 3 4 5 Gedenkbuch der Gemeinde Pechgrün. In: Porta fontium. Státní okresní archiv Sokolov, 1925, S. 4 ff., abgerufen am 15. April 2026.
  4. 1 2 3 Gedenkbuch der Gemeinde Pechgrün. In: Porta fontium. Státní okresní archiv Sokolov, 1925, S. 20 ff., abgerufen am 15. April 2026.
  5. Anton Strunz: Pechgrün – Geschichte und Erinnerungen. Band 1–3, S. passim.