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Payment for Order Flow

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Payment for Order Flow (kurz PFOF, deutsch etwa „Zahlung für die Weiterleitung von Kundenaufträgen“) bezeichnet eine Praxis im Wertpapierhandel, bei der ein Broker Kundenaufträge nicht direkt an eine Börse weiterleitet, sondern an einen bestimmten Handelsplatz, Market Maker oder sonstigen Ausführungsplatz, und dafür eine Vergütung erhält. Besonders verbreitet wurde PFOF im provisionsfreien Online-Brokerage. Befürworter verweisen auf niedrigere sichtbare Handelskosten für Privatanleger, Kritiker sehen vor allem Interessenkonflikte bei der bestmöglichen Ausführung von Kundenaufträgen.[1][2]

Beim Payment for Order Flow leitet ein Broker Kauf- oder Verkaufsaufträge seiner Kunden an einen Dritten weiter, typischerweise an einen Market Maker oder einen außerbörslichen Handelsplatz. Dieser führt den Auftrag aus oder stellt Liquidität bereit und zahlt dem Broker im Gegenzug eine Vergütung. Die Zahlung kann direkt als Entgelt, aber auch indirekt durch Rabatte, Gebührennachlässe oder andere wirtschaftliche Vorteile erfolgen.[1][3]

Für Privatanleger ist PFOF häufig nicht unmittelbar sichtbar, weil der Broker zugleich mit niedrigen oder provisionsfreien Handelsgebühren wirbt. Für den Anleger können Kosten indirekt über den Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis (bid-ask spread) entstehen, weshalb die Praxis umstritten ist. Die Kosten sind versteckt und für Verbraucher schwer nachzuvollziehen.[4] Entscheidend ist daher, ob der Kunde trotz Weiterleitung an einen vergütenden Ausführungsplatz eine Ausführung erhält, die unter Berücksichtigung von Preis, Gebühren, Geschwindigkeit, Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abwicklung insgesamt günstig ist. Dieses Prinzip wird als Best Execution bezeichnet.[1][5]

Der zentrale Interessenkonflikt besteht darin, dass ein Broker einen finanziellen Anreiz haben kann, Aufträge an denjenigen Ausführungsplatz weiterzuleiten, der die höchste Vergütung zahlt, und nicht an denjenigen, der für den Kunden den besten Ausführungspreis bietet.[1] Bei den Anhörungen vor dem US-Senat 2014 musste ein leitender Angestellter von TD Ameritrade zugeben, dass das Unternehmen Aufträge dorthin weiterleite, wo es die höchste Vergütung erhalte.[6]

PFOF wurde besonders in den Vereinigten Staaten zu einem wichtigen Bestandteil des Geschäftsmodells provisionsfreier Broker. Dort leiten viele Retail-Broker Aktien- oder Optionsaufträge an große Market Maker weiter, die die Orders intern ausführen oder gegen den Markt absichern. Der Broker erhält dafür Zahlungen, während der Kunde häufig keine direkte Orderprovision zahlt. Dadurch trug PFOF zur Verbreitung sogenannter „Null-Kommission“-Brokerage-Angebote bei.[2][7] Bekannt ist das Konzept mindestens seit den 1980er Jahren.[8] Revolutioniert wurde es allerdings von Onlinebrokern ab den 2010er Jahren. Im Jahr 2014 führte Robinhood Markets provisionsfreie Aktiengeschäfte für Privatanleger ein, die durch PFOF finanziert werden.[9] Für Robinhood machen Einnahmen aus PFOF die Hälfte der Umsätze aus, was aufgrund von möglicher Fehlanreize für Broker und dem Interesse der Market Maker an möglichst hohen spreads nicht unumstritten ist.[10]

Auch in Europa wurde PFOF im Zusammenhang mit Neobrokern und retailorientierten Handelsplätzen bedeutsam. In Deutschland nutzten mehrere Anbieter Modelle, bei denen Kunden sehr niedrige Orderentgelte zahlten, während der Broker Vergütungen von Handelsplätzen oder Market Makern erhielt.[11][12] Mit dem Verbot von PFOF in Europa arbeiten Onlinehändler wie Trade Republic an dem Aufbau eigener Handelsplätze.[13]

Rechtliche Situation

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In den Vereinigten Staaten ist Payment for Order Flow grundsätzlich zulässig, unterliegt aber Offenlegungs- und Best-Execution-Pflichten. Broker dürfen PFOF nach den Regeln von SEC und FINRA nicht so einsetzen, dass die Pflicht zur bestmöglichen Ausführung verletzt wird. FINRA wies 2021 ausdrücklich darauf hin, dass Mitgliedsunternehmen PFOF nicht über das Kundeninteresse stellen dürfen und ihre Ausführungsqualität regelmäßig überprüfen müssen.[1][5]

Im Vereinigten Königreich wird PFOF gegenüber Retail-Kunden seit 2012 von der damaligen Financial Services Authority beziehungsweise späteren Financial Conduct Authority als grundsätzlich unvereinbar mit den Pflichten von Brokern zur Vermeidung von Interessenkonflikten und zur bestmöglichen Ausführung angesehen.[14]

In der Europäischen Union wurde PFOF durch die Überarbeitung der Markets in Financial Instruments Regulation (MiFIR) unionsweit verboten. Artikel 39a MiFIR untersagt Wertpapierfirmen, die im Namen von Privatkunden oder bestimmten professionellen Kunden handeln, Gebühren, Provisionen oder nichtmonetäre Vorteile von Dritten dafür anzunehmen, dass sie Kundenaufträge an einen bestimmten Ausführungsplatz oder Dritten weiterleiten.[3] Die Neuregelung trat 2024 in Kraft; einzelne Mitgliedstaaten konnten jedoch eine Übergangsregelung bis zum 30. Juni 2026 nutzen.[15] Deutschland machte von dieser Übergangsregelung Gebrauch, sodass die bisherige PFOF-Praxis im Verhältnis zu inländischen Kunden bis zu diesem Datum weitergeführt werden konnte.[16] Die Bundesregierung hatte sich zuvor gegen das PFOF-Verbot ausgesprochen, welches das Geschäftsmodell deutscher Onlinebroker beeinflusst.[4]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Regulatory Notice 21-23: FINRA Reminds Member Firms of Requirements Concerning Best Execution and Payment for Order Flow. Financial Industry Regulatory Authority, 23. Juni 2021, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 Payment for Order Flow: Internalisation, Retail Trading, Trade-Through Protection, and Implications for Market Structure. CFA Institute, Juli 2016, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  3. 1 2 Article 39a: Prohibition of receiving payment for order flow. European Securities and Markets Authority, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  4. 1 2 Dr Lukas Schlegel LL.B: Blog | Das Verbot des Gebührenmodells Payment for Order Flow („PFOF“) durch die EU und die Aufsichtsmitteilung der BaFin zum Umgang mit dem PFOF-Verbot. 28. März 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.
  5. 1 2 Best Execution. Financial Industry Regulatory Authority, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  6. Scott Patterson: TD Ameritrade Executive Says Orders Go to Venues That Pay Highest Fees. In: Wall Street Journal. 17. Juni 2014, ISSN 0099-9660 (wsj.com [abgerufen am 3. Juni 2026]).
  7. Special Study: Payment for Order Flow and Internalization in the Options Markets. U.S. Securities and Exchange Commission, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  8. Payment for Order Flow U.S. Securities and Exchange Commission.
  9. Bill Alpert: What Is Payment for Order Flow? Why Robinhood Cares So Much About PFOF. Abgerufen am 3. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
  10. Shawn Tully: No such thing as a free trade: How Robinhood and others really profit from ‘PFOF’—and why it harms the markets. Abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  11. Transparency and Best Execution for Retail Traders and Investors. BETTER FINANCE, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  12. MiFIR-Review: Bundesrepublik Deutschland macht von Übergangsregelung Gebrauch. Bundesministerium der Finanzen, 21. März 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.
  13. Jakob Steinschaden: Trade Republic arbeitet an eigenem Handelsplatz, um PFOF-Verbot zu umschiffen. In: Trending Topics. 2. Februar 2026, abgerufen am 3. Juni 2026.
  14. Guidance on the practice of Payment for Order Flow. Financial Services Authority, Mai 2012, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  15. List of EU Member States using the temporary exemption from the payment for order flow prohibition under the MiFIR review. European Securities and Markets Authority, 27. März 2024, abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
  16. MiFIR-Review: Bundesrepublik Deutschland macht von Übergangsregelung Gebrauch. Bundesministerium der Finanzen, 21. März 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.