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Paternostertaler

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Paternostertaler von 1535, Münzstätte Buchholz
Zum Vergleich: Üblicher Stempelschnitt der Talermünze von 1536, Münzstätte Buchholz

Paternostertaler ist eine Sammlerbezeichnung der Gemeinschaftsmünze des Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen (1532–1547 Kurfürst, 1547–1554 Herzog von Sachsen) und Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen (1500–1539) von 1535 aus der Münzstätte Buchholz. Die Talermünze weicht vom üblichen Stempelschnitt der Rückseite ab, bei dem die Hände Georgs nicht zu sehen sind. Bei dieser Münze hält der altgläubige Herzog Georg seine Hände so vor sich, als ließe er das Kreuz einer Paternosterkette durch sie gleiten.[1]

Münzbeschreibung

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Die Ausprägung der sehr seltenen Münze erfolgte nach der Münzordnung vom 20. Januar 1534. Das war nach der Münzeinigung der beiden Fürsten. Der silberne Taler (Guldengroschen) hatte einen Wert von 22 Groschen. Der Durchmesser beträgt 39 mm, das Raugewicht 29,00 g und der Feingehalt 902,78 ‰.[2] Der Münzmeister Sebastian Funke war für die ordnungsgemäße Ausprägung verantwortlich.

Die Vorderseite zeigt das Brustbild des Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen im Kurmantel, das geschulterte Kurschwert mit beiden Händen haltend. Zwischen der Umschrift befinden sich die Schilde der Kur (oben), Sachsen (unten), Thüringen (links) und Meißen (rechts). Oben in der Umschrift ist das Münzzeichen T für die Münzstätte Buchholz aufgeprägt.[3]

  • Umschrift: IO(h)AN(nes) FR – ID(ericus) ELECT(or) – DVX SAX(oniae) – FIE(ri) FE(cit) T – (T ist das Münzzeichen der Münzstätte Buchholz.)
  • Übersetzung: Kurfürst Johann Friedrich, Herzog zu Sachsen, ließ (diese Münze) anfertigen.[4]

Die Rückseite zeigt das bärtige Brustbild des Herzogs Georg mit Schaube (Pelzrock) und die über den Kragen gelegter Kette des Ordens vom Goldenen Vlies, „beide Hände wie beim Sprechen vor sich haltend“, so Erbstein. Zwischen der Umschrift befinden sich die Wappenschilde von Sachsen (oben), Pfalzsachsen (unten) Thüringen (links) und Meißen (rechts).[5] „Man hat wegen dieser Haltung der Hände irrig angenommen, der Herzog sei am Rosenkranze betend dargestellt“, so die weitere Erklärung Erbsteins.[6]

  • Umschrift: GEORGI(us) – DVX SAX(oniae) – FIERI FE(cit) – AN(no) 1535 –
  • Übersetzung: Georg, Herzog zu Sachsen, ließ (diese Münze) im Jahr 1535 anfertigen.[7]

Michael Lilienthal schreibt zur Rückseite des Paternostertalers: „Er [Georg] scheint mit in denen zusammen gethanen beyden Händen etwas mit denen vorderen Fingern zu halten, welches jemand für ein Paternoster ausgeben wollte.“[8]

David Samuel Madai beschreibt das Gepräge als einen gemeinschaftlichen Taler „von 1535 mit dem vermeinten Paternoster in den Händen GEORGII. Zweyerlei Stempel“.[9]

Nach Karl Christoph Schmieder ist der Talername Paternostertaler entstanden, weil man geglaubt hat „daß der Blumenkranz, welcher der auf dessen Rückseite befindliche Herzog Georg von Sachsen in Händen hält, ein Paternoster sey“ und nennt Madai als Beleg dafür.[10]

Die Gemeinschaftsmünzen mit Kurfürst Johann Friedrich und Herzog Georg wurden von 1534 bis 1539 in den Münzstätten Annaberg, Buchholz, Freiberg und Schneeberg geprägt.[11] Die Talermünze mit der Abweichung von der üblichen Darstellung Georgs wurde nur in Buchholz und dort nur im Jahr 1535 geprägt. Warum das Münzbild kurzzeitig verändert wurde, ist nicht bekannt.

  • Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1974.
  • Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763. In: Schweizerische Numismatische Rundschau. Band 59, 1980.
  • Paul Arnold: Die Genealogie der meißnisch-sächsischen Landesfürsten. In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): Dresdner numismatische Hefte. Nr. 1/1996.
  • Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung. Dresden 1888.
  • Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Regenstauf 2005.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z., 2005. S. 336.
  2. ↑ Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763, S. 64.
  3. ↑ Julius Erbstein, Albert Erbstein: Sammlung Engelhard., 1888, Vorderseite, S. 23, Nr. 125.
  4. ↑ Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1974, S. 270.
  5. ↑ Julius Erbstein, Albert Erbstein: Sammlung Engelhard., 1888, Vorder- und Rückseite, S. 23, Nr. 125.
  6. ↑ Julius Erbstein, Albert Erbstein: Sammlung Engelhard., 1888, Anmerkung, S. 23.
  7. ↑ Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1974, S. 208.
  8. ↑ Michael Liliental: Vollständiges Taler-Cabinet, das ist… 1747, S. 173, Nr. 496.
  9. ↑ David Samuel Madai: Vollständiges Thaler-Cabinet. Dritter Theil 1767, S. 106, Nr. 496.
  10. ↑ Karl Chistoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, 1811, S. 146.
  11. ↑ Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1974, S. 214.