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Panay-Borkenratte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Panay-Borkenratte

Panay-Borkenratte (Crateromys heaneyi)

Systematik
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Altweltmäuse (Murinae)
Tribus: Phloeomyini
Gattung: Borkenkletterer (Crateromys)
Art: Panay-Borkenratte
Wissenschaftlicher Name
Crateromys heaneyi
Gonzales & Kennedy, 1996
Verbreitung
Die Insel Panay mit einem Punkt markiert.

Die Panay-Borkenratte (Crateromys heaneyi) ist ein auf der philippinischen Insel Panay endemisches Nagetier in der Gattung der Borkenkletterer. Anfänglich wurde Schadenbergs Borkenratte (Crateromys schadenbergi) als Schwestertaxon dieser Art angenommen. Eine molekularbiologische Untersuchung von 2015 zeigte jedoch, dass eine nähere Verwandtschaft zur Luzon-Haarschwanzratte (Batomys grantii) und zur Mount-Isarog-Haarschwanzratte (Batomys uragon) besteht. Die Paraphylie der Gattung Philippinen-Haarschwanzratten (Batomys) aufzulösen, ist die Aufgabe einer zukünftigen taxonomischen Revision.[1][2]

Die Art ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 280 mm, einer Schwanzlänge von 300 bis 340 mm und mit einem Gewicht von 930 bis 1045 g einer der zwei größten Gattungsmitglieder. Sie hat 60 bis 67 mm lange Hinterfüße und 20 bis 24 mm lange Ohren. Neben der Größe ist das dicke weiche Fell kennzeichnend. Oberseits liegen dunkelbraune und schwarze Haare auf der grauen Unterwolle, was ein gesprenkelt graubraunes Aussehen erzeugt. Manche Haare um den Nacken und am Hinterteil haben goldene Spitzen. Bei einigen Tieren sind graue Flecken auf der Oberseite und/oder ein dunkler brauner Aalstrich auf der Unterseite vorhanden. Auch der Nacken kann einen dunkleren Strich besitzen. Typisch für das Gesicht sind graue Stellen an den hinteren Wangen und nackte Ringe um die Ohren. Das üppige Fell auf dem Schwanz entspricht in der Farbe der Oberseite. Die Panay-Borkenratte hat fünf Ballen auf den Sohlen der Vorderpfoten und sechs auf den Füßen. Die Krallen sind elfenbeinfarben. Verglichen mit Schadenbergs Borkenratte ist der Schädel weniger robust. Die vier Zitzen der Weibchen liegen paarig geordnet im Leistenbereich. Wie bei allen Mitgliedern des Tribus Phloeomyini ragt die Harnröhre bei Weibchen aus den Geschlechtsorganen heraus, so dass sie mit einem Penis verwechselt werden kann.[2]

Dieses Tier bewohnt das westliche Hügelland von Panay bei etwa 400 Meter Höhe. Es lebt in tropischen Regenwäldern. Laut Berichten der Inselbewohner werden auch Bergwälder besucht. Die Wälder können wieder aufgeforstet sein.[3][2]

Die nachtaktive Panay-Borkenratte ruht am Tage in großen Baumhöhlen oder selten zwischen Wurzeln. Sie hält sich nur in Bäumen und Büschen auf und klettert, soweit keine Gefahr erkennbar ist, langsam. Die Tiere leben allein, in Paaren oder in kleinen Familiengruppen. Paare ruhen im Versteck eng beieinander. Exemplare unterschiedlichen Geschlechts, die kein Paar sind, können sich im gleichen Revier aufhalten. Werden zwei Männchen in Gefangenschaft im selben Käfig gehalten, kommt es zu kurzen Kämpfen. Danach halten die Rivalen, soweit es geht, Abstand voneinander. Weibchen und Männchen, die sich Treffen, pressen oft ihre Nasen zusammen. Hat das Männchen zuvor einen Kampf gehabt, gibt es Töne von sich. Danach schnuppert das Weibchen meist an den Geschlechtsteilen des Männchens. Das Weibchen wird anschließend nicht davon abgehalten, ins Revier des anderen Männchens zu wandern.[2]

Die Nester liegen meist in Baumfarnen der Familie Cyatheaceae. Allgemein sind 19 Baumarten bekannt, in denen das Tier ruht. Das Nest wird gewöhnlich mit getrocknetem Gras und Blättern gepolstert. Bei einer Studie über wilde Exemplare wurden Pflanzenteile von Garcinia linearifolia innerhalb der zuvor genannten Familie bevorzugt und mit Mangos, Feigen, Guaven, Wurzeln und Kartoffeln komplettiert. In Gefangenschaft nahm die Art meist Grünkohl und selbst geschälte Bananen zu sich. Auch Rote Maulbeere und Sonnenblumenkerne wurden gefressen. Je nach Größe wird die Nahrung mit den Zähnen, mit einer oder mit beiden Pfoten gehalten.[2]

Soweit bekannt, kann die Fortpflanzung zu allen Jahreszeiten stattfinden und ein Wurf enthält ein oder zwei Neugeborene. Eine gemeinsame Pflege der Nachkommen wird angenommen. Manchmal gestatteten Weibchen in Gefangenschaft die Kopulation unabhängig von der Empfänglichkeit.[2]

Der Bestand ist vorwiegend in tieferen Lagen durch illegale Forstwirtschaft und Umwandlung der Wälder in Ackerland bedroht. Gelegentlich werden Exemplare als Fleischquelle gejagt. Schätzungsweise verteilen sich die Reviere über ein 4.400 km² großes Gebiet. Die IUCN listet die Panay-Borkenratte als stark gefährdet (endangered). Ein Naturpark auf Panay und Zoos in anderen Regionen konnten Zuchterfolge anmelden.[3]

Einzelnachweise

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  1. Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Crateromys heaneyi).
  2. a b c d e f Don E. Wilson, Thomas E. Lacher Jr., Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 7 - Rodents II. Lynx Edicions, 2017, ISBN 978-84-16728-04-6, S. 658–659 (englisch, Crateromys heaneyi).
  3. a b Crateromys heaneyi in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2017. Eingestellt von: Kennerley, R., 2016. Abgerufen am 19. November 2025.