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Palmse

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Koordinaten: 59° 30′ 46″ N, 25° 57′ 22″ O

Karte: Estland
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Palmse

Palmse (estnisch Palmse mõis) ist ein ehemals deutsch-baltisches Landgut in Estland. Es liegt etwa 80 km östlich der Hauptstadt Tallinn im Nationalpark Lahemaa.

Zeitraum vor 1991

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Das Gut um 1867 – Stahlstich von W.Knopfmacher
Schloss Palmse (Vorderfront)
Rückfront mit dem anschließenden Garten und dem Weiher
Geschwungene Heckengestaltung an der Seitenfront des Herrenhauses

Das Areal des ehemaligen Landgutes befand sich vom 12. Jahrhundert bis 1510 im Besitz des St. Michaeli-Nonnenkloster zu Reval. Danach wechselte es durch Kauf und Tausch seinen Eigentümer, die Familie Junge und gelangte ab 1522 in den Besitz der livländischen Familie von Metztacken. Im Jahr 1677 wechselte das Gut durch Heirat an die deutsch-baltische Familie von der Pahlen. Ende des 17. Jahrhunderts wurde mit dem Bau eines repräsentativen Herrenhauses begonnen, das jedoch 1698 abbrannte. Auf den Grundmauern dieses ersten Baues entstand ab 1730 ein neues Herrenhaus. Architekt und Bauherr vor Hans von der Pahlen. Nach einem Umbau, der 1782 begann, erhielt das Schloss seine heutige Gestalt.[1] Um das Herrenhaus herum wurde 1738 ein Park angelegt, der zunächst ein Barockgarten war. Nach späterer Umgestaltung wurde der Park auf 18 Hektar vergrößert und erhielt den Charakter eines englischen Landschaftsparks. Die Besitzer des Gutes, die Familie von der Pahlen, wurde nach Ende des Ersten Weltkriegs und nach Gründung des unabhängigen Staates Estland im Zuge der Auflösung der Landgüter 1919 enteignet. Bis zum Zweiten Weltkrieg beherbergte das Herrenhaus ein Erholungsheim des estnischen Schutzbundes Kaitseliit. In der Zeit der ersten Unabhängigkeit und später nach der Einverleibung als Estnische Sozialistische Sowjetrepublik in die Sowjetunion wurden die ehemaligen Gutsgebäude und Ländereien unterschiedlichen Verwendungszwecken zugeführt, wobei die Erhaltung der Bausubstanz nur eine untergeordnete bis gar keine Rolle spielte.

Zeitraum seit 1971

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Als 1971 der Nationalpark Lahemaa als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet wurde, um die nordestnische Landschaft, das dortige Ökosystem und die Artenvielfalt als estnisches Erbe zu erhalten, beabsichtigte man von Anfang an, nicht nur das natürliche, sondern auch das lokale historische und kulturelle Erbe der Region zu bewahren. Bereits 1972 setzte die schrittweise Instandsetzung der erhaltenen und die Rekonstruktion der verlorenen Bauten des Gutes ein. Die Gebäude, neben dem Herrenhaus unter anderem auch die Orangerie, die Schnapsbrennerei und die Stallungen wurden nach und nach aufwendig saniert und restauriert. Der Gutspark erhielt seine frühere Gestalt zurück. Der gesamte Komplex befindet sich unter staatlicher Verwaltung. Die Gestaltung und Möblierung der Innenräume des Herrenhauses erinnern an das Leben der Familie von der Pahlen. In den ehemaligen Kavaliershäusern ist das Besucherzentrum des Lahemaa-Nationalparks untergebracht. Die frühere Schnapsbrennerei wurde in ein Hotel mit Restaurant umgestaltet.

Persönlichkeiten

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  • Alexis von der Pahlen (1859–1925), Jurist, deutsch-baltischer Grundbesitzer aus dem Adelsgeschlecht von der Pahlen, Herr auf Palmse und Präses der Familie von der Pahlen, hier geboren
Commons: Palmse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Walter Riccius, Schlösser und Gärten. Das Gut Palmse und seine Akteure, GRIN-Verlag München 2026, ISBN 978-3-38917-137-0, S. 13ff.