Pajunk ist ein deutsches Medizintechnikunternehmen mit Hauptsitz in Geisingen, Baden-Württemberg. Die Unternehmensgruppe, bestehend aus der Pajunk Holding AG und ihren Tochtergesellschaften, entwickelt und produziert medizinische Instrumente und Systeme für die Regionalanästhesie, Schmerztherapie, Neurologie und Neurorehabilitation, Biopsie sowie minimalinvasive Chirurgie.
Pajunk wurde 1965 von den Brüdern Horst Pajunk, einem chirurgischen Mechaniker mit Spezialisierung auf Medizintechnik, und Heinrich Pajunk († 1.4.2026), einem Werkzeugmacher mit Ausbildung im Feinmaschinenbau, gegründet. Das Unternehmen stellte zunächst präzise chirurgische Instrumente als Zulieferer her, bevor es seine Tätigkeit auf die Entwicklung eigener Medizinprodukte ausweitete.[2] 1979 wurde in Zusammenarbeit mit Günter Sprotte[3] die atraumatische Sprotte-Spinalkanüle eingeführt. Die Kanüle unterschied sich von konventionellen Schneidkanülen durch ein abgerundetes, seitlich öffnendes Nadeldesign. In systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen wird der Einsatz atraumatischer Spinalkanülen mit einer geringeren Häufigkeit postpunktioneller Kopfschmerzen in Verbindung gebracht. In der Fachliteratur wurde die Entwicklung unter anderem als „Sprotte-Pajunk needle“ beschrieben und technisch untersucht.[4][5] Ab den 1990er-Jahren gründete Pajunk Tochtergesellschaften in der Schweiz[6] und im Vereinigten Königreich. Im Jahr 2001 wurde Pajunk Medical Systems in den Vereinigten Staaten gegründet.[7] Es folgten Vertriebsorganisationen in Frankreich, der Benelux-Region und den nordischen Ländern. Im Jahr 2021 wurde ein neuer Hauptsitz sowie eine Produktionsstätte in Alpharetta, Georgia, eröffnet. Im Jahr 2021 investierte das Unternehmen rund 13 Millionen Euro in ein neues Logistik- und Verwaltungszentrum in Geisingen und schuf dabei bis zu 70 neue Arbeitsplätze.[8]
Der Schwerpunkt der Unternehmensgruppe liegt auf Produkten für die Regionalanästhesie und Schmerztherapie. Im Mittelpunkt der fachlichen Einordnung steht die Sprotte-Spinalkanüle, da sie in der medizinischen Literatur nicht nur als einzelnes Produkt, sondern als Beispiel für die Entwicklung atraumatischer Nadelkonzepte in der Spinalanästhesie behandelt wird. Atraumatische Spinalkanülen sind so konstruiert, dass sie die Dura mater weniger schneidend durchdringen als konventionelle Quincke-Nadeln. Klinische Studien und Übersichtsarbeiten beschreiben für atraumatische Nadeldesigns eine geringere Rate postpunktioneller beziehungsweise postduraler Kopfschmerzen. Die Sprotte-Kanüle wird in diesem Zusammenhang als Beispiel eines solchen Nadeldesigns genannt.[9][4]
Neben Spinalkanülen entwickelt und produziert Pajunk Systeme für Epiduralanästhesie, periphere Nervenblockaden und kontinuierliche Regionalanästhesie. Dazu gehören Nadeln, Katheter, Katheter-über-Nadel-Systeme sowie Zubehör für ultraschallgeführte und nervenstimulationsgestützte Verfahren.[10][11] Weitere Arbeitsbereiche sind Biopsiesysteme zur diagnostischen Gewebeentnahme, Zugangs- und Instrumentensysteme für minimalinvasive chirurgische Verfahren sowie Anwendungen in Neurologie und Neurorehabilitation.
Die Unternehmensgruppe wird von der Pajunk Holding AG mit Sitz in Geisingen als Muttergesellschaft geführt. Operative Gesellschaften sind die Pajunk GmbH Medizintechnologie für Produktion und Entwicklung sowie die Pajunk Medical Produkte GmbH für den Vertrieb. Darüber hinaus bestehen internationale Tochtergesellschaften in der Schweiz, im Vereinigten Königreich, in den USA mit Pajunk Medical Systems, in Frankreich, der Benelux-Region und den nordischen Ländern.[1][12] Der Hauptsitz und die zentralen Produktionsstätten befinden sich in Geisingen, Deutschland. Das Unternehmen betreibt zudem einen weiteren Produktionsstandort in Alpharetta, Georgia, im Großraum Atlanta, und unterhält Niederlassungen in der Schweiz, im Vereinigten Königreich, in den Vereinigten Staaten, in Frankreich, der Benelux-Region sowie in den nordischen Ländern. Das Unternehmen wird seit 1993 von Simone Pajunk-Schelling und Martin Hauger in der zweiten Generation geführt. Rund 75 Prozent der Produktion werden exportiert. Die Pajunk-Gruppe beschäftigte 2025 konzernweit 584 Mitarbeitende. Die Pajunk Holding AG erzielte laut Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2023 einen Konzernumsatz von 106,9 Millionen Euro; für 2024 wurden 113,9 Millionen Euro berichtet.[1][12]
2022: Verleihung der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg.[14]
2025: Aufnahme in ein Ranking der 100 wachstumsstärksten mittelständischen Unternehmen Deutschlands, das von Munich Strategy in Kooperation mit dem Handelsblatt erstellt wird.[15]
↑Annika Schaefer, Mike Cadogan:Guenter Sprotte.In:Life in the FastLane.22.Mai 2026,abgerufen am 3.Juni 2026(englisch).
12Arevalo-Rodriguez I. et al.:Needle gauge and tip designs for preventing post-dural puncture headache. Hrsg.: Cochrane Database of Systemic Reviews. 2017 (englisch).
↑40 Jahre Sprotte®. Eine Erfolgsgeschichte seit vier Jahrzehnten. In: Anästhesiologie & Intensivmedizin. Band61, Januar 2020.
↑Nath S. et al.:Atraumatic versus conventional lumbar puncture needles: a systematic review and meta-analysis. In: The Lancet. Nr.391(10126), 2017, S.1197–1204 (englisch).