Zum Inhalt springen

Osterschießen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der Jugendklub Bröthen am Ostersonntag 2010 beim alljährlichen Osterschießen, zur Sicherheit steht vor der Kanone eine Prallwand. Gehörschutz wird ebenfalls verwendet.

Das Osterschießen ist ein Brauch, der Ostern am Karsamstag und in der Nacht vom Karsamstag zum Ostersonntag, bzw. am Ostersonntag Morgen in der Oberlausitz und im südlichen Österreich stattfindet.[1][2]

„Geschossen“ wird in kleineren Gruppen, meist bestehend aus Jugendlichen, an einem Lagerfeuer oder durch das Dorf ziehend. Ab Mitternacht bis zum ersten Glockengeläut am Ostermorgen sind die Böllerschüsse aus herkömmlichen Kanonen und speziellen Kannen weithin zu hören. In Österreich wird das Osterschießen häufig von örtlichen Brauchtumsgruppen gepflegt.[3]

Früher galten solche Böllerschüsse als sehr verbreitet und bedeuteten einen Ehren- bzw. Begrüßungssalut. Oft sollten damit aber auch böse Geister durch den Blitz und Donner vertrieben werden. Als christlicher Brauch soll die Auferstehung Jesu Christi und damit der Sieg über den Tod damit zum Ausdruck gebracht werden.

Zum „Schießen“ in der Oberlausitz wird in eine blecherne Milchkanne ein bis faustgroßes Stück Calciumcarbid, auch einfach als „Karbid“ bekannt, sowie einige Milliliter Wasser gegeben. Anschließend wird die präparierte Milchkanne mit einem Kannendeckel, Gummideckel oder durch Gummibälle fest verschlossen. Durch die Reaktion des Wassers mit dem Carbid entsteht Ethin (auch als Acetylen bekannt), ein hochentzündliches Gas. Am Boden der Milchkanne befindet sich ein kleines Loch, durch das nach einer Wartezeit, abhängig von der Menge der Reaktionsstoffe und dem Volumen der Kanne, das Ethin-Luft-Gemisch in der Milchkanne gezündet wird. Hierbei wird der Deckel der Milchkanne bis einige Dutzend Meter mit einem lauten Knall weggesprengt. Als idealer Standort zum Schießen wird, so vorhanden, ein Bergrücken am Ortsrand in Richtung Tal gewählt.[4] Teilweise wird das Osterschießen auch auf dieselbe Art mit Kanonen praktiziert. Auch andere Behältnisse sind neben der Milchkanne bekannt.

Den Ursprung hat dieser regionale Brauch bei den Vorfahren der Bewohner der Oberlausitz, die durch das Erzeugen von Lärm und Donner zur Frühlingszeit den Winter vertreiben versuchten. Der Lärm und der dabei entstehende beißende Gestank sollte zudem Hexen und böse Geister vertreiben. Ähnliche Bedeutung hat dabei auch der hiesige Brauch des Hexenfeuers zur Walpurgisnacht.[5] Als christlicher Brauch soll die Auferstehung Jesu Christi und damit der Sieg über den Tod verkündet werden.[6] Es ist damit wohl eines der ältesten Traditionen bzw. Bräuche der Region.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Osterschießen. Brauchtumsgruppe Berthelsdorf (Oberlausitz), 10. November 2008, archiviert vom Original am 19. April 2018; abgerufen am 27. Mai 2018.
  2. Osterbräuche, Osterschießen. Brauchtumsgruppe Techelsberg, 10. Juni 2015, archiviert vom Original am 10. Juli 2015; abgerufen am 27. Mai 2018.
  3. Historisches über das Böllerschießen. Gotteszeller Böllerschützen, 21. Dezember 2008, archiviert vom Original am 5. Juni 2011; abgerufen am 5. Januar 2009.
  4. Andreas Fasel: Osterböller gegen die Obrigkeit. In: Die Welt. 19. April 2003 (welt.de [abgerufen am 17. Oktober 2020]).
  5. Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Osterschießen - Land, Leute und Regionen - sachsen.de. Abgerufen am 9. April 2026.
  6. Traditionelles Osterschießen. Abgerufen am 9. April 2026.